Panorama

Melancholie und Abschied Altes Banjo birgt Geheimnis

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Das Instrument und der Brief landen nun im Museum.

(Foto: dpa)

Bei Auktionen versuchen viele Bieter, einen Schatz für kleines Geld zu bekommen. Manchmal finden sie jedoch statt dessen Spuren aus einem anderen Leben. So erging es einem Musikinstrumentensammler aus Sachsen.

Alte Instrumente haben oft eine besondere Geschichte, nicht immer erfährt man sie. Ein Zahnarzt aus Sachsen machte diese Erfahrung gerade mit einem Banjo, das er bei einer Versteigerung erwarb.

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Stefan Götze mit dem Banjo.

(Foto: dpa)

Stefan Götze ist Musikinstrumentensammler und hatte sich auf einer Auktion in Plauen in das sechssaitige Banjo amerikanischer Bauart aus den 1930er Jahren verguckt. Für das Banjo und ein weiteres Instrument bot er durch eine Bekannte 140 Euro und bekam den Zuschlag.

Bei einer genaueren Untersuchung gab das Zupfinstrument dann sein Geheimnis preis. Zwischen dem Holzkörper und einem Metallring steckte, von außen nicht zu sehen, ein Brief. Der 55-jährige Götze fand das Schreiben zusammen mit dem Instrumentenbauer Albrecht Wunderlich. Der Brief sei zusammengefaltet gewesen wie ein Ziehharmonika. Es ist ein Brief voller Liebe, aber auch Wehmut, Melancholie und Abschied, den eine Frau namens Anni an ihren Geliebten schreibt.

Sie erinnert ihn an den Verlust ihres Ehemannes und den Fortgang ihres Sohnes sowie ihr unglückliches Leben. Der einstige Banjo-Besitzer hatte sie offenbar verlassen und ihr damit das Herz gebrochen. "Ich war die Zeit, in der du kamst, sehr glücklich und ich weiß auch, da du nun nicht mehr kommst, dass ich daran zugrunde gehe, denn ich bin ein Mensch, an dem das Glück immer vorbei gegangen ist", heißt es mit Bleistift geschrieben.

Außerdem schreibt Anni am 17. November 1946: "Den Brief bitte sofort vernichten." Daran hat sich der Adressat offenkundig nicht gehalten. Der nicht genannte Mann, an das Schreiben sich richtet, hat den Brief aufgehoben und versteckt.

Woher der Brief stammt, weiß Götze nicht. Er vermutet jedoch aus Berlin, weil der Stadtbezirk Treptow erwähnt wird. Das Instrument stammt aus einer privaten Instrumentensammlung in Niedersachsen. Götze gab Banjo und Brief nun als Leihgaben ins Musikinstrumenten-Museum in Markneukirchen. Dort können die Besucher seit einigen Tagen rätseln, ob der Adressat seiner früheren Geliebten zumindest diesen Wunsch erfüllte: "Nenne mich in Gedanken noch einmal meine kleine liebe Anni."

Quelle: ntv.de, sba/dpa