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Ein Geschenk des Himmels Am Trevi-Brunnen spenden die Touristen

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Ein Besuch am Trevi-Brunnen gehört für die meisten Touristen zum Pflichttermin.

(Foto: picture alliance / dpa)

An manchen Tagen werfen die Besucher an die 3800 Euro in Münzen in den Trevi-Brunnen in Rom. Sie hoffen auf ein Wiedersehen mit der Stadt oder auf die Erfüllung einer Liebe. In Wirklichkeit greifen sie damit den Ärmsten in der Stadt unter die Arme.

Der Streit zwischen Roms Stadtverwaltung und der Caritas, wer die Münzen bekommen soll, die tagtäglich im Trevi-Brunnen landen, ist momentan beigelegt. "Solange der Rechnungshof kein endgütiges Urteil darüber gefällt hat, bekommen wir sie weiter und verwenden sie für soziale Projekte. Allen voran zur Unterstützung von älteren alleinstehenden Menschen. Die Zahl derjenigen, die in dieser Altersgruppe armutsgefährdet sind, ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen" erklärt der Pressesprecher der römischen Caritas, Alberto Colaiacomo, n-tv.de.

Dass die Stadtverwaltung damit gern ihre maroden Kassen aufstocken würde, ist verständlich. Immerhin handelt es sich um eine stattliche Summe. Voriges Jahr warfen die Besucher insgesamt 1,4 Millionen Euro in den Trevi-Brunnen, also täglich 3800 Euro. Die einen, weil sie noch einmal in die Ewige Stadt kommen möchten. Die anderen, weil sie sich davon Glück in der Liebe versprechen. Hierfür muss man, immer mit dem Rücken zum Brunnen gewandt, zwei Münzen werfen. Und wer weiß, vielleicht gehen die Wünsche auch in Erfüllung. Immerhin dienen die Münzen einem guten Zweck, auch wenn die meisten Besucher das gar nicht wissen.

Grassierende Armut

In Rom hat sich die Armut im Laufe der Wirtschaftskrise von den Vorstadtvierteln zunehmend stadteinwärts bewegt und eine neue Gesellschaftsschicht erfasst, liest man im Rombericht, den die Caritas Ende 2017 veröffentlicht hat. Neben Obdachlosen sind immer mehr Menschen darunter, die zwar eine Arbeit haben, aber mit dem Verdienten nicht über die Runden kommen. Laut offiziellen Erhebungen zählt die Stadt etwa 7500 Obdachlose.

Schätzungen zufolge könnten es aber auch doppelt so viele sein. "Wobei es sich bei den sogenannten 'neuen Armen' vornehmlich um Italiener handelt, darunter sind auch immer mehr gut ausgebildete. Viele von ihnen haben zuerst die Arbeit und dann ihr ganzes Hab und Gut verloren, Familie inbegriffen", erklärt Colaiacomo. In den letzten zehn Jahren ist die Arbeitslosigkeit in der Stadt von 7,2 auf 9,8 Prozent gestiegen. Wie im Rest des Landes trifft sie die Jugendlichen besonders schwer: 40,2 Prozent sind arbeitslos. Hingegen floriert die Schwarzarbeit, an die 305.000 Arbeiter sind ohne Vertrag, vornehmlich in der Dienstleistungsbranche.

Diese trockenen Zahlen verwandeln sich in Menschen aus Fleisch und Blut, wenn man nicht nur die ehrwürdigen Bauten bewundert, sondern sich auch genauer umsieht: da eine Frau, die Selbstgespräche führt, dort ein älterer Mann, der in einem Papierkorb nach etwas Essbarem sucht, auf einem Platz ein älteres Paar, das seine Habseligkeiten in einem Einkaufswagen mit sich zieht. Das Abdriften wird immer sichtbarer.

Nebeneffekt Nächstenliebe

Da sind die Münzen aus dem Trevi-Brunnen so etwas wie ein Geschenk des Himmels. "Knapp ein Drittel der aus dem Brunnen stammenden Münzen verwenden wir, um in Not geratenen Familien aus Alltagsengpässen herauszuhelfen: Wenn das Geld fürs Einkaufen knapp ist, um die Strom- und Gasrechnung oder die Miete zu bezahlen", fährt Colaiacomo fort. Auch werden damit Gemeinschaftsunterkünfte für alleinstehende Mütter, Armenküchen und dergleichen finanziert. In Rom beträgt der Anteil an Sozialwohnungen gerade mal 4,3 Prozent, während der europäische Durchschnitt bei 13,7 Prozent liegt, liest man weiter im Caritas-Bericht.

Drei Mal die Woche, manchmal aber auch jeden Tag wird der Brunnen gesäubert. Dann werden die Münzen eingesammelt. Wer um 8.30 Uhr vor dem Brunnen steht, kann zusehen: Ein Arbeiter im weißen Overall zieht ein staubsaugerähnliches Gerät auf den Stiegen der barocken Prachtkulisse hinter sich her und saugt die Münzen auf. In den letzten zwei Jahren haben die Besucher besonders viele Münzen in den Brunnen geworfen, wahrscheinlich, weil er eine Zeit lang wegen Sanierungsarbeiten nicht zugänglich war. Und auch dieses Jahr könnte ertragreich ausfallen, vorausgesetzt, die Besucherzahl in Rom steigt weiter.

Quelle: n-tv.de

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