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Missbrauch als Partydroge Amsterdam fordert Lachgas-Verbot

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Laut dem niederländischen Sucht-Bericht hat jeder fünfte Jugendliche zwischen 20 und 24 Jahren schon Lachgas inhaliert.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Europa erfreut sich Lachgas als billige Partydroge immer größerer Beliebtheit. Besonders in den Niederlanden wächst der Handel mit der legalen Substanz. Einige Städte schlagen bereits Alarm. Auch Suchtexperten warnen vor den Folgen des Konsums.

Sie inhalieren es aus einem Luftballon oder saugen es aus einem Sahnespender: Für den schnellen Rausch atmen immer mehr junge Menschen in Europa Lachgas ein. Die Droge selbst ist vergleichsweise kostengünstig. Und sie ist legal. In den Niederlanden hat der Konsum von Lachgas drastisch zugenommen. Suchtexperten sind zunehmend in Sorge.

Die Spuren des Konsums kann jeder täglich sehen: Auf Parkplätzen, in Grünanlagen oder Straßen liegen Dutzende leere Metallkapseln oder Ballons. Experten warnen vor großen Risiken. Die Zahl der Vergiftungen durch Lachgas sei sprunghaft angestiegen, meldet das Nationale Informationszentrum für Vergiftungen in Utrecht. Hatte es 2015 noch insgesamt 13 Fälle gegeben, wurden im ersten Halbjahr 2019 bereits 67 Fälle gemeldet. Es geht um Schwindelanfälle, Übelkeit und Lähmungserscheinungen.

Gas wird aus Kartuschen und Luftballons inhaliert

Nach dem niederländischen Sucht-Bericht hat jeder fünfte Jugendliche zwischen 20 und 24 Jahren schon Lachgas inhaliert. Auch in der Gruppe bis zu 35 Jahren wird es zunehmend zu einer beliebten und preiswerten Party-Droge. Immer mehr Städte schlagen Alarm, fordern ein Verbot. Das Gesundheitsministerium prüft, den Verkauf zu reglementieren.

Lachgas oder Distickstoffmonoxid ist seit 2016 legal erhältlich und befindet sich etwa in Kapseln für Sahnespender. Es fällt nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes nicht länger unter das strenge Arzneimittelgesetz. Es wird aber noch immer bei kleinen Eingriffen etwa beim Zahnarzt zur Betäubung eingesetzt. Das Gas wird entweder aus den Sahne-Kartuschen inhaliert oder aus damit gefüllten Luftballons. Das führt zu einem kurzen Rausch von 30 Sekunden bis höchstens einigen Minuten. Konsumenten berichten von verstärkten Sinneseindrücken und einem Kribbeln am ganzen Körper. Manche kichern unbändig.

Das Lachen kann einem aber schnell vergehen. Bei "durchschnittlichem Konsum" von fünf bis zehn Kapseln einmal im Monat ist die Partydroge nach Angaben des Gesundheitsamtes relativ ungefährlich. Aber in Kombination mit Alkohol oder anderen Drogen und vor allem bei exzessivem Konsum könne das Gas zu dauerhaften Schäden am zentralen Nervensystem und Lähmungen führen. Und immer mehr Niederländer würden bis zu 50 Kartuschen am Tag inhalieren und das über einen längeren Zeitraum, heißt es im jüngsten Bericht zu Vergiftungen.

Lachgas kann Lähmungen verursachen

Amsterdam hat bereits genug von der angeblichen Spaß-Droge. Unternehmer und Bewohner klagen über Lärm, pöbelnde Jugendgruppen und den Müll auf den Straßen. Auch andere Kommunen wollen ein Verbot. Einige Städte haben den Verkauf zumindest bei Großereignissen bereits untersagt.

Deutschlands westlicher Nachbar ist nicht der einzige Brennpunkt. Auch in Dänemark will eine Mehrheit der Parteien den Verkauf von Lachgaspatronen regulieren. Die Missbrauchsfälle steigen den Behörden zufolge kontinuierlich. 2017 etwa zählte die telefonische Hotline für Vergiftungen 18 Meldungen, 2018 waren es bereits 39. In Kopenhagen häufen sich Meldungen über Angstanfälle, Erfrierungen durch eiskalte Kartuschen oder langandauernde Konzentrationsschwächen. "Das sind Personen, die seit langem das Gas konsumieren. Sie nehmen 50, 100 oder 200 Lachgaspatronen täglich", sagte Dorte Fris Palmqvist, Oberärztin am Bispebjerg Krankenhaus der Zeitung "Berlingske".

Im deutschen Drogen- und Suchtbericht spielt Lachgas noch keine Rolle. Doch in der Partyszene komme es punktuell vor, so das Büro der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Eine Studie von Drogenforschern der Universität Frankfurt machte 2018 deutlich, dass sich die Zahl jugendlicher Lachgas-Konsumenten in drei Jahren verdoppelt habe. Demnach hatten zwölf Prozent der Jugendlichen schon mal Lachgas ausprobiert.

Quelle: n-tv.de, Annette Birschel, dpa

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