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Zeichen von Reue? Anklage fordert Höchststrafe für Marcel H.

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In der kommenden Woche soll das Urteil gegen Marcel H. fallen.

(Foto: dpa)

Marcel H. hat zwei Menschen mit zahlreichen Messerstichen getötet, ein Nachbarskind und einen früheren Schulfreund. Obwohl H. erst 20 Jahre alt ist, fordert die Anklage die Höchststrafe nach Erwachsenenstrafrecht.

Im Prozess um den Doppelmord von Herne hat die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe für den 20-jährigen Marcel H. beantragt. Lebenslange Haft plus Feststellung der besonderen Schwere der Schuld lautet die vorgetragene Forderung der Anklage. Außerdem soll die spätere Anordnung der Sicherungsverwahrung vorbehalten bleiben.

Ankläger Danyal Maibaum sprach in seinem Plädoyer im Bochumer Landgericht von "schrecklichen Taten" und einer "grundlosen Ermordung von zwei völlig unschuldigen jungen Menschen". Als Motiv kämen Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, Macht- und Größen-Fantasien, Sadismus und Angeberei infrage.

Damit wäre H. einem Erwachsenen gleichgestellt. Eine Psychologin hatte das in ihrem Gutachten befürwortet. Der Angeklagte sehe zwar "jugendlich" aus, tatsächlich sei seine Persönlichkeit aber schon ausgereift. Problematisch seien vor allem "psychopathische, narzisstische und sadistische" Elemente. Diese könnten im Jugendstrafvollzug kaum mehr korrigiert werden. Grundsätzlich kann der 20 Jahre alte Angeklagte nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden.

"Dein ratloser Sohn"

Marcel H. hat über seinen Verteidiger gestanden, Anfang März 2017 einen neunjährigen Nachbarsjungen und einen Tag später einen ehemaligen Schulfreund umgebracht zu haben. Beide Opfer wurden jeweils von über 50 Messerstichen getroffen. Bilder der Leichen tauchten noch vor der Festnahme des Angeklagten im Internet auf.

Im Prozess vor dem Bochumer Landgericht hat H. bislang geschwiegen. In einem Brief an seine Mutter schrieb er zuletzt allerdings, dass er nun doch begriffen habe, "was für einen Schaden" er verursacht habe. Auslöser sei die Reaktion der Mutter seines ehemaligen Schulfreundes Christopher gewesen, den er nach der Tötung des Nachbarjungen Jaden ebenfalls umgebracht hatte. "Ich sah eine verzweifelte Mutter und jeder Gedanke daran schnürt mir die Kehle zu." Der Brief endet mit der Grußformel: "Dein ratloser Sohn Marcel." Das Urteil soll am 31. Januar gesprochen werden.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa

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