Vorwurf: Frau jahrelang gequältAnklage wegen schwerer Misshandlung gegen zwei Paare erhoben

Eine Familie gewährt einer Bekannten nach einer Trennung Obdach im eigenen Heim. Als Gegenleistung hilft die 32-Jährige im Haushalt. Doch dann kommt es zu Bestrafungen, die immer schlimmer ausarten. Nun erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen vier Menschen.
Im Fall einer 32-Jährigen, die jahrelang von zwei Paaren in Salzgitter gequält und brutal misshandelt worden sein soll, hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage erhoben. Eine 29-jährige Frau, ihr 54-jähriger Lebensgefährte, ihre 63 Jahre alte Mutter und deren 50 Jahre alter Ehemann sollen sich wegen teils schwerer und gefährlicher Körperverletzung verantworten, wie die Behörde in der niedersächsischen Stadt mitteilte.
Die Geschädigte war laut Anklage eine Bekannte der beiden Frauen. Nachdem diese ihr nach einer Trennung Obdach gewährten und sie unter anderem bei der Suche nach einer Wohnung unterstützten, erklärte sich das spätere Opfer bereit, Reinigungsarbeiten und Besorgungen in den beiden Haushalten der Paare durchzuführen.
Nach vermeintlichen Verfehlungen der Geschädigten fingen die Frauen nach Angaben der Staatsanwaltschaft zunächst an, die 32-Jährige durch Ohrfeigen oder Faustschläge in die Magengrube zu "bestrafen". Später misshandelten, quälten, verstümmelten und demütigten sie die Frau teils mit Baseballschlägern, Bunsenbrennern, Zangen, Hämmern oder Nägeln.
Angeklagte sollen sich an Leid ergötzt haben
Dabei fügten sie der Frau laut Anklage massive Schmerzen zu, etwa durch das Ziehen von Zähnen, das Herbeiführen von Verbrennungen oder durch sexualisierte Gewalt. Teils beteiligten sich auch die angeklagten Männer an den Körperverletzungen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft kam es den Angeklagten darauf an, die Geschädigte zu erniedrigen und ihre eigene Machtposition aufzuzeigen. Gleichzeitig "ergötzten" sie sich am Leid und an der Angst des Opfers.
Angeklagt sind 33 Einzeltaten. In 26 Fällen soll die 63-Jährige beteiligt gewesen sein, in 10 ihr Ehemann. Elf Körperverletzungen werden der 29-Jährigen zur Last gelegt, 3 ihrem Lebensgefährten. Außer dem Lebensgefährten sitzen alle Beschuldigten seit Bekanntwerden der Vorwürfe im März 2026 in Untersuchungshaft.
Im Fall der Mutter und des wegen Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung vorbestraften Ehemanns kommt aus Sicht der Staatsanwaltschaft die Anordnung von Sicherungsverwahrung infrage. Über die Zulassung der Anklage und die Prozesseröffnung entscheidet das Landgericht Braunschweig.