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Donnerstag, 01. März 2018

Lokale Temperatursprünge: Arktikluft weicht - aber nicht dem Frühling

Nach den bitterkalten Tagen zieht der eisige Ostwind ab und überlässt milderen Luftmassen das Feld. Von einem Frühlingsvorstoß kann jedoch keine Rede sein, sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander. Auf Straßen und Gehwegen ist demnach Vorsicht geboten.

Nach den bitterkalten Tagen zieht der eisige Ostwind ab und überlässt milderen Luftmassen das Feld. Von einem Frühlingsvorstoß kann jedoch keine Rede sein, sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander. Auf Straßen und Gehwegen ist demnach Vorsicht geboten.

n-tv.de: Es ist der 1. März und damit meteorologischer Frühlingsbeginn. Draußen fühlt es sich aber definitiv gar nicht wie Frühling an. Wann wird sich das ändern?

Björn Alexander: Der bodennahe und eiskalte Ostwind wird sein Pulver schon bald verschossen haben. In höheren Luftschichten hat der Wind schon mal gedreht, kommt inzwischen mehr aus südwestlichen Richtungen und bringt mildere Luft heran. Recht eindrucksvoll sieht man das beispielsweise auf dem Feldberg im Schwarzwald. Zuletzt morgens mal mit um oder unter minus 20 Grad unterwegs, zeigte das Thermometer dort heute am frühen Vormittag "nur" noch minus 3 Grad. Das ist schon ein großer Unterschied. Und auch in den tieferen Lagen wird sich die Milderung bald mehr und mehr bemerkbar machen.

Überall?

n-tv Meteorologe Björn Alexander
n-tv Meteorologe Björn Alexander

Na ja, im Norden wird der Winter sich - wenn auch bei Weitem nicht so eisig - schon recht zäh halten. Denn die Kaltluft über Skandinavien ist nach wie vor recht nah. Auch ein erneutes Vorankommen dieser Winterluft ist im weiteren Verlauf des März nicht auszuschließen. Zumindest haben einige Wettermodelle das immer wieder mal in den Berechnungen. Insofern können wir den Winter aus jetziger Sicht definitiv nicht ad acta befördern. Auch wenn sich jetzt von Südwesten her endlich mal ein Hauch vom Vorfrühling bemerkbar macht.

Warum nur "Vorfrühling"?

Weil es für einen richtigen Frühlingsvorstoß nach jetzigem Stand nicht reichen wird. Nach den bitterkalten Zeiten zuletzt werden sich Temperaturen von 5 bis 12 Grad zwar schon mal wie Frühling anfühlen. Den Startschuss für einen nachhaltigen Frühlingsbeginn sehe ich aber momentan einfach nicht.

Schade.

Auch wenn die richtige Kälte aus Skandinavien nicht unbedingt zu uns zurückkehren wird, so sieht es für den Verlauf der nächsten Woche doch eher nach wechselhaftem Wetter bei einstelligen Temperaturen aus, in das sich höchstens vorübergehend mal mildere Werte einmischen. Und wie gesagt: die Nordlichter bleiben sehr wahrscheinlich eh auf der kalten Seite, so dass sich zwischenzeitlich auch größere Temperaturunterschiede einstellen dürften.

Eine Bilanz der Winters hattest du ja schon mal gezogen. Aber wie außergewöhnlich ist eine solche extreme Eiszeit wie zuletzt? Schließlich soll es bei uns ja kälter als auf Grönland gewesen sein.

Der Konstanzer Hafen am Bodensee ist mit Eis überzogen.
Der Konstanzer Hafen am Bodensee ist mit Eis überzogen.(Foto: dpa)

Der Grönland-Vergleich hinkt schon etwas. Denn in Zentralgrönland und in den nördlicheren Teilen liegen die Temperaturen auch eher bei minus 10 bis unter minus 30 Grad. Etwas anders sieht es nur an den südlicheren Küsten bei leichten Plusgraden aus. Und auch das ist nicht ungewöhnlich. Denn diese wärmere Luft dort steht in direktem Zusammenhang mit unserer Kältewelle.

Wieso?

Weil das enorm umfangreiche Skandinavienhoch "Hartmut" die Luft aus östlichen Richtungen westwärts schiebt. Dabei weht der Wind im Prinzip wie auf einer Schallplatte im Uhrzeigersinn um das Hoch herum. Damit erreicht uns sowie weite Teile Westeuropas die Winterluft aus dem Nordosten, während über dem Atlantik die wärmere Luft aus südlicheren Breiten nordwestwärts getrieben wird. Das ist weder Hexerei noch hat diese Temperaturverteilung direkt etwas mit dem Klimawandel zu tun.

Also war auch die Kälte bei uns normal?

Erst einmal ist es durchaus außergewöhnlich bis extrem selten, dass erst so spät im Winter überhaupt mal Dauerfrost übers Land zieht. Und dann war es direkt mal die kälteste Luft, die wir hierzulande überhaupt abbekommen können. Zu sehen ist das besonders gut, wenn wir auf die Berge blicken. Denn dort lässt sich die Luft noch besonders gut charakterisieren und dort wurden auch einige der alten Rekorde für das letzte Februardrittel geknackt. Unter anderem auf der Zugspitze, wo die Nacht zum Mittwoch minus 30,5 Grad und eine gefühlte Temperatur von an die minus 45 Grad brachte. Überhaupt war natürlich bei dieser Winterlage der Wind beziehungsweise die Windchill-Temperatur ein maßgeblicher Faktor dafür, dass viele von uns die Kältewelle als derart extrem erlebt haben.

Aber das ist ja glücklicherweise bald vorbei. Was steht denn am Wochenende an? Auf die große Kälte folgt die große Glätte?

Die Ausgangslage für eine extreme Glättelage ist auf jeden Fall gegeben. Denn der Frost steckt mindestens mal 20 oder 30 Zentimeter im Boden. Jedoch sind die Berechnungen für den Niederschlag sehr verhalten.

Zum Glück!

Das würde ich auch so sehen. Nichtsdesto trotz wird es sicherlich da und dort auch mal glatt werden. Und das gilt eben bevorzugt im Übergangsbereich zwischen der Winterluft im Norden und der aufkommenden Milderung im Südwesten.

Was heißt das für den Samstag?

Es ist wechselnd bis stark bewölkt und im Südwesten fällt bei bis zu plus 7 Grad gelegentlich Regen oder Nieselregen. Unterdessen bleibt es im Norden freundlicher und bei maximal minus 3 bis 0 Grad auch kälter. Zwischendrin fällt gebietsweise etwas Schnee, später gelegentlich auch Regen. Und vor allem Letzterer könnte natürlich problematisch werden, denn der dürfte unterkühlt am gefrorenen Boden ankommen und dann vereinzelt für Glatteis sorgen.

Und am Sonntag?

Sind die Details der Wetter- und Glätteentwicklung ebenfalls noch recht unsicher. Am freundlichsten dürfte es noch im Süden werden, wo sich bei bis zu 12 Grad der Vorfrühling breit macht und die Vögelein zwitschern dürften. Im großen Rest ist es weiterhin unbeständig und zeitweise sind zwischen Auflockerungen schon mal Schnee- oder Regenschauer mit entsprechender Glätte möglich. Denn auch wenn es meistens 4 bis 10 Grad werden, so wird sich der Frost im Boden teilweise immer noch bemerkbar machen. Eine schwierige Situation, die sich konkret leider nur kurzfristig beurteilen lässt. So oder so kälter bleibt es derweil im Norden und Nordosten mit minus 2 bis plus 2 Grad.

Wie startet die nächste Woche?

Montag weiterhin unbeständig mit freundlichen Abschnitten bei minus 2 bis 12 Grad. Ab Dienstag wird es dann wieder kühler. Das wechselhafte Wetter wird uns hierbei sehr wahrscheinlich erhalten bleiben. Ein letzter Satz noch zu den Nächten: Die haben mit der Eiszeit zuletzt natürlich nichts mehr zu tun, für Werte um den Gefrierpunkt wird es aber nach wie vor reichen und somit begleitet uns auch das Thema Glätte weiterhin.

Quelle: n-tv.de