Panorama

Fälle an Uni-Klinik in Homburg Arzt soll etliche Kinder missbraucht haben

9016116.jpg

In mindestens 30 Fällen besteht der Verdacht auf sexuellen Kindesmissbrauch durch den Assistenzarzt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Am Universitätsklinikum des Saarlands sollen etliche Kinder sexuell missbraucht worden sein. Die Klinik wusste angeblich schon früh von Verdachtsfällen - soll diese aber trotzdem vor den Elternteilen der Betroffenen größtenteils geheim gehalten haben.

Ein inzwischen gestorbener Assistenzarzt soll am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg bis 2014 mehrere Kinder sexuell missbraucht haben. Es bestehe der Verdacht, dass er in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie "nicht medizinisch notwendige Untersuchungen" im intimen Bereich an Kindern vorgenommen habe, "die als Routinemaßnahmen dargestellt wurden", sagte ein Kliniksprecher im Homburg. Der Mediziner wurde 2014 entlassen. Ermittlungen gegen ihn wurden nach seinem plötzlichen Tod im Jahr 2016 eingestellt.

Zuvor hatte das ARD-Magazin "Monitor" über den Fall berichtet. Demnach war der Arzt von 2010 bis 2014 an der Uni-Klinik beschäftigt. Laut "Monitor" hatte die Staatsanwaltschaft im Zuge ihrer Ermittlungen in drei Fällen die gesetzlichen Vertreter der Betroffenen informiert. In diesen Fällen hatte sich laut Staatsanwaltschaft ein Tatverdacht konkretisiert. Es soll sich insgesamt um mindestens 30 Verdachtsfälle handeln. Von den drei Fällen abgesehen waren mögliche Opfer und deren Eltern wohl nicht über die Verdachtsfälle informiert worden, hieß es in dem Bericht. Die Klinik hatte 2014 Strafanzeige gegen den Assistenzarzt gestellt. Laut "Bild" lagen der Klinik schon früh Hinweise auf eine pädophile Neigung des Mediziners vor. Die betroffenen Kinder sollen zum Tatzeitpunkt im Alter von vier bis zwölf Jahren gewesen sein.

Im April 2019 wendete sich eine Anwältin betroffener Eltern, die durch Zufall von den Vorkommnissen erfahren hatten, laut "Tagesschau.de" an den Ministerpräsidenten des Saarlandes. Seine Staatskanzlei fungiert als Aufsichtsbehörde für das Universitätsklinikum. Daraufhin sei man zu der Entscheidung gelangt, doch einen Teil der betroffenen Eltern über die Vorwürfe zu informieren.

Der saarländische CDU-Ministerpräsident Tobias Hans teilte mit: "Die Nachrichten aus dem Universitätsklinikum des Saarlandes erschüttern mich zutiefst. Wenn ein solcher Verdacht im Raum steht, muss umgehend eine lückenlose Aufklärung erfolgen." Das Klinikum wollte am Nachmittag in Homburg in einer Pressekonferenz über den Fall informieren.

Quelle: n-tv.de, agr/dpa