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In diesem Drogeriemarkt in Kandel wurde die 15-Jährige erstochen.
In diesem Drogeriemarkt in Kandel wurde die 15-Jährige erstochen.(Foto: dpa)
Donnerstag, 04. Januar 2018

Täter von Kandel volljährig?: Asylantrag schon vor Monaten abgelehnt

Schon vor Monaten wurde der Asylantrag des 15-Jährigen, der in Kandel seine Ex-Freundin erstochen haben soll, abgelehnt. Abgeschoben wurde er dennoch nicht - weil er behauptete, minderjährig zu sein. Nun soll ein Gutachten darüber Klarheit bringen.

Der Asylantrag des afghanischen Flüchtlings, der im rheinland-pfälzischen Kandel eine 15-Jährige erstochen haben soll, ist bereits im Februar 2017 abgelehnt worden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sprach damals für den angeblichen Minderjährigen jedoch eine Duldung aus. Nun soll ein medizinisches Gutachten für Klarheit über das Alter des mutmaßlichen Täters sorgen. Das kündigen Staatsanwaltschaft und Polizei an.

Der aus Afghanistan stammende Verdächtige, der vergangene Woche seine Ex-Freundin erstochen haben soll, ist nach offiziellen Angaben selbst 15 Jahre alt. Der Vater des Mädchens bezweifelt das aber. Zudem gibt es Streit um die Frage, ob die Polizei das Jugendamt vor der Tat über Drohungen des Verdächtigen informiert hat.

Nach Angaben des Kreises Germersheim, bei dem das zuständige Jugendamt angesiedelt ist, wird eine Volljährigkeit derzeit "von allen Beteiligten ausgeschlossen". Das Alter war laut Kreis 2016 in Frankfurt nach einer "Inaugenscheinnahme" und einem ärztlichen Erstscreening festgestellt worden.

Laut dem mittlerweile vorliegenden vorläufigen Obduktionsergebnis wurde das Mädchen mit mehreren Messerstichen verletzt, einer davon traf es ins Herz und war tödlich. "Die Ermittlungen zu dem Motiv, den Hintergründen sowie dem konkreten Tatgeschehen dauern an", erklärten die Ermittler.

Streit zwischen Jugendamt und Polizei

Derweil schwiegt der in Untersuchungshaft sitzende Verdächtige weiter. Die Polizei durchsuchte sein Zimmer in Neustadt/Weinstraße und stellte dabei unter anderem zwei Handys sicher. Die Ermittler berichteten, der Verdächtige habe nach bisherigen Erkenntnissen vermutlich in der Provinz Kabul gelebt, bevor er im April 2016 als unbegleiteter minderjähriger Ausländer nach Deutschland gekommen und im Mai 2016 der Kreisverwaltung Germersheim zugewiesen worden sei. Er habe bei der Einreise keinen Ausweis dabeigehabt und als Geburtsdatum den 01.01.2002 angegeben. Zwar wurde sein Asylantrag abgelehnt, zugleich sei aber ein Abschiebungsverbot nach dem Aufenthaltsgesetz festgestellt worden.

Er war mehrere Monate mit der 15-Jährigen zusammen, bis diese Anfang Dezember Schluss machte und ihn Mitte Dezember anzeigte - wegen Beleidigung, Nötigung, Bedrohung und Verletzung persönlicher Rechte. Der Vater des Mädchens war deshalb ebenfalls zweimal bei der Polizei. Die Beamten beharren darauf, dass sie den Vormund des Jugendlichen beim Jugendamt vorab über den Vorwurf der Bedrohung informiert haben. Das Jugendamt hatte dies dagegen am Dienstag bestritten.

Dazu erklärte die Polizei am Mittwoch, der Vormund des Verdächtigen sei am 18. Dezember über die Anzeigen informiert worden. "Der Sachbearbeiter hat dem Vormund mitgeteilt, dass der Beschuldigte ehrverletzende Bilder des Mädchens anderen öffentlich zugänglich machte, dem Mädchen drohte, sie am Bahnhof Kandel 'abzupassen' und, dass sie in Zukunft 'aufpassen' müsse." Bei einem Telefonat am 19. Dezember habe der Sachbearbeiter dem Vormund die Vorwürfe erneut dargestellt und vor allem die vom Beschuldigten ausgesprochenen Drohungen "abpassen" und "aufpassen" angesprochen.

Quelle: n-tv.de