Panorama

Urlaub ohne schlechtes Gewissen? Auf Mallorca entfliehen Deutsche dem Lockdown

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Nicht viel los. An Mallorcas Stränden, wie hier in Porto Christo am 30. März, tummeln sich deutlich weniger Touristen als sonst um die Osterzeit.

(Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Spanische Hoteliers und deutsche Touristen sind zufrieden. Die einen können in der Pandemie wenigstens ein bisschen Umsatz machen, die anderen erholen sich am Strand von Lockdown und Impfchaos. Einige Urlauber fühlen sich auf Mallorca sicherer als in Deutschland, aber manche müssen länger bleiben.

"Ein bisschen" ein schlechtes Gewissen hatte Tanja Büscher schon, als sie ihren Flug nach Mallorca buchte. Während in Deutschland über strengere Corona-Restriktionen diskutiert wird, sitzt die 32-Jährige aus Dortmund auf der Insel in der Sonne, die Schultern sind schon leicht gebräunt. Doch mit Blick auf das türkisfarbene Mittelmeer schwinden die Gewissensbisse. "Man weiß nicht, was die Zukunft für uns bereithält, sie könnten die Grenzen schließen", sagt Büscher.

Auch Birgit Leeck aus Hamburg hat sich nicht von der Mahnung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, wegen der Pandemie auf Reisen nach Mallorca zu verzichten, abhalten lassen. "Ich brauchte wirklich eine Pause", sagt die 53-Jährige. "Es ist schwer, von zu Hause aus zu arbeiten und niemanden sehen zu können." Der Strand ist eine willkommene Abwechslung zum Alltag im Homeoffice. "Freiheit, Glück, Sonnenschein, es war toll", sagt sie nach einer Woche Urlaub. Für den Rückflug hat sie bereits bei einem Inselarzt einen Corona-Test gemacht.

Angesprochen auf die Kritik am Reisen in der dritten Welle der Pandemie zuckt Leeck mit den Schultern. Von einem Massenansturm deutscher Touristen könne keine Rede sein. "Wo sind sie denn? Können Sie sie sehen?", sagt sie und zeigt auf den langen Strand von Palma. Nur ein paar wenige Touristen sind unterwegs.

Zurück geht es nur mit negativem Testergebnis

Mitte März schnellten die Buchungen für Flüge nach Mallorca in die Höhe, als Deutschland die Quarantänepflicht bei der Rückkehr von den Balearen aufhob. Die Ansteckungsgefahr auf den bei Deutschen so beliebten Inseln schien gering. Der Reiseveranstalter TUI verdoppelte daraufhin die Zahl seiner Flüge nach Mallorca, die Lufthansa verdreifachte ihr Angebot auf der Strecke Frankfurt-Palma.

Die Spanier waren irritiert. Sie selbst dürfen zu Ostern aufgrund der geltenden Corona-Maßnahmen nicht nach Mallorca reisen. Ausländer können auf der Insel jedoch Urlaub machen, wenn sie bei der Einreise einen negativen PCR-Test vorweisen. Deutsche dürfen auch ihren Rückflug nur antreten, wenn sie nachgewiesenermaßen nicht infiziert sind.

Trotz der gelockerten Einreisebestimmungen hält sich der Ansturm in Grenzen. Nur 13 Prozent der Hotels sind nach Angaben des mallorquinischen Hotelverbandes derzeit geöffnet. Seit Freitag vergangener Woche landen zwar deutlich mehr Flugzeuge in Palma. Der Flugverkehr liegt dem Flughafenbetreiber zufolge aber immer noch 60 bis 80 Prozent unter dem vor der Pandemie üblichen Niveau.

Fiebermessen vor dem Gang zum Buffett

Im Hotel Acapulco Playa an der Strandpromenade seien zehn Prozent der Zimmer belegt, im Vergleich zu den üblichen 90 Prozent an Ostern, sagt Fernando González, der Geschäftsführer von Gruphotel. Nur fünf der insgesamt 36 Hotels der Kette sind geöffnet.

Die Balearen sind auf den Tourismus angewiesen. Die Hoteliers und Gastronomen freuen sich also über die wenigen Osterurlauber und versuchen, das Ansteckungsrisiko möglichst gering zu halten. Desinfektionsmittel für die Hände steht bereit, vor dem Gang ans Buffet wird Fieber gemessen, Bars und Restaurants schließen um 17.00 Uhr. "Es gibt keine andere Lösung als zu versuchen, in sicherer und kontrollierter Weise ein Minimum an touristischer Aktivität zu ermöglichen", sagt González.

Cristián Lafourcade ist "total erleichtert", dass wieder Deutsche auf die Insel kommen. Sein Gasthaus "Zur Krone" an der Strandpromenade serviert deutsche Küche und braucht die Touristen dringend. Das Restaurant ist eines der wenigen geöffneten Lokale am Strand.

Reisen werden vor Kollegen verschwiegen

Alle befragten deutschen Touristen sagen, sie fühlten sich auf Mallorca sicherer als zu Hause, wo Straßen und Supermärkte überfüllt seien. "Wir haben uns testen lassen, damit wir das Virus nicht mitbringen, und hier achten wir darauf, Abstand zu halten", sagt Charline Osmi, die mit ihrem Freund Omar El Khawaga aus Hannover auf die Insel geflogen ist, "deprimiert" vom Lockdown, wie sie sagen. Den Kollegen hat das junge Paar allerdings nichts von der Reise erzählt - aus Angst vor gehässigen Kommentaren.

Für zwei andere deutsche Touristen dauert der Mallorca-Urlaub allerdings schon länger als geplant. Wie die Zeitung "Diario de Mallorca" am Dienstag berichtete, sind sie infiziert und müssen in einem Quarantäne-Hotel auf der Insel bleiben.

Quelle: ntv.de, Emmanuelle Michel, AFP

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