Panorama

Proteste in Indien eskalieren Ausschreitungen nach Tempelbesuch zweier Frauen

RTX6KP3G.jpg

Wegen der Proteste in Indien müssen in einem Bundesstaat fast alle Geschäfte geschlossen bleiben.

(Foto: REUTERS)

Lange war Frauen der Zugang zu einem wichtigen Hindu-Tempel gesetzlich verboten. Dann hob ein Gericht das Verbot auf und zwei Frauen betraten die Religionsstätte. Die darauffolgenden Proteste machen den Tempel zur "Kampfzone".

Bei Protesten gegen den Besuch von zwei Frauen in einem heiligen Hindu-Tempel im Süden Indiens hat es mindestens einen Toten und 15 Verletzte gegeben. Bei einer Protestkundgebung der hinduistisch-nationalistischen Bharatiya-Janata-Partei (BJP) von Regierungschef Narendra Modi sei ein Mensch von Steinewerfern getötet worden, sagte ein Sprecher der Polizei im Bundesstaat Kerala. Insgesamt 266 Demonstranten wurden laut Behörden festgenommen.

Erstmals hatten sich zwei Frauen Zutritt zum Sabarimala-Tempel in Kerala verschafft - einem der heiligsten Tempel der Hindus. Das Oberste Gericht des Landes hatte im September nach einem jahrelangen Rechtsstreit das Zutrittsverbot für Frauen zwischen zehn und 50 Jahren zu dem Tempel aufgehoben. Frauenaktivistinnen versuchten seither immer wieder vergeblich, zu dem auf einem Berg gelegenen Schrein für den Gott Ayyappa zu gelangen. Sie wurden jedoch stets von Hindu-Traditionalisten, darunter auch Frauen, abgehalten.

RTX6KLKS.jpg

Ende Dezember scheiterten zwei Frauen trotz Polizeischutz an dem Versuch den Tempel zu betreten.

(Foto: REUTERS)

Den beiden Frauen war es schließlich gelungen, den Tempel im Schutze der Dunkelheit und mit Polizeibegleitung zu betreten. In mehreren Städten sorgte dies für wütende Proteste von Hindu-Hardlinern. Vor dem Parlament in Keralas Hauptstadt Thiruvananthapuram lieferten sich gegnerische Gruppierungen gewalttätige Auseinandersetzungen. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Blendgranaten gegen die Demonstranten ein.

In der Stadt Pandalam wurde ein Demonstrant bei einem von der BJP organisierten Protest von Steinen getroffen. "Seine Verletzungen waren ernst, er starb am späten Mittwochabend", sagte ein Polizeisprecher. Bei anderen Vorfällen in Kerala wurden demnach am Mittwoch 15 Menschen verletzt.

Geschäfte geschlossen, Busverkehr eingestellt

Auch am Donnerstag entlud sich die Wut der Hindu-Hardliner. In Thiruvananthapuram kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten, die das öffentliche Leben zum Erliegen bringen wollten. Sie drängten auf Geheiß der Tempel-Führung Ladenbesitzer, ihre Geschäfte tagsüber geschlossen zu halten.

RTX6KLGP.jpg

Zwei Priester verschließen den Sabarimala-Tempel um nach dem Betreten der Frauen religiöse Rituale durchzuführen.

(Foto: REUTERS)

Im gesamten Bundesstaat blieben die meisten Geschäfte zu, auch der Busverkehr lag lahm. Berichten zufolge zerstörten steinewerfende Demonstranten die Fenster von 99 Bussen und sorgten für einen Schaden von schätzungsweise 33,5 Millionen Rupien (421.000 Euro). 20 Büros der in Kerala regierenden Kommunistischen Partei Indiens wurden nach Parteiangaben angegriffen.

Im Küstenort Kozhikode setzte die Polizei Tränengas gegen Demonstranten ein. In der Stadt Palakkad wurden Journalisten bei einem Protestmarsch von Modis BJP und der Hindu-Hardliner-Gruppierung Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) angegriffen.

Tempel wird zur "Kampfzone"

Der Regierungschef von Kerala, Pinarayi Vijayan, warf der BJP und der RSS vor, den Sabarimala-Tempel in eine "Kampfzone" verwandeln zu wollen. Frauen, die das Zutrittsrecht zu dem Tempel forderten, würden angegriffen, kritisierte Vijayan. Auch gegen Journalisten und die Polizei richte sich Zorn.

Wegen der Entscheidung, Frauen den Zutritt zum Tempel zu gestatten, kam es bereits im Oktober zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei. Mehr als 2000 Menschen wurden festgenommen.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema