"Machtgefüge gerät ins Wanken"BKA-Chef warnt vor Revierkämpfen der Organisierten Kriminalität

In Berlin sorgen gewalttätige Revierkämpfe für Verunsicherung. Laut BKA-Chef Münch ist das Phänomen nicht auf die Hauptstadt begrenzt. Die Organisierte Kriminalität in Deutschland ordne sich neu, vor allem "jüngere, gewaltbereite, türkischstämmige Gruppen" gingen besonders rücksichtslos vor.
Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, hat vor Kriminalität durch türkische Banden gewarnt. "Alles deutet darauf hin, dass das Machtgefüge in Teilen der Organisierten Kriminalität in Deutschland aktuell ins Wanken gerät. Die Gewalt ist Ausdruck davon, dass die organisierten Gruppen ihre Herrschaftsgebiete neu auskämpfen", sagte Münch in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe. Besonders dominant treten seinen Worten zufolge türkische, organisierte Banden auf.
Der BKA-Chef hob hervor, dass "jüngere, gewaltbereite, türkischstämmige Gruppen" andere junge Männer für ihre kriminellen Geschäfte rekrutieren würden. "Es geht um Waffenhandel, Drogengeschäfte, Schutzgelderpressung", sagte Münch. Allein 89 Ermittlungsverfahren führte die deutsche Polizei gegen die türkischstämmigen OK-Gruppierungen in 2024. Das seien mehr Verfahren als gegen die italienische, die russische und die albanische Mafia zusammen, so der BKA-Präsident. "Wir bekämpfen hier ein akutes Problem."
Zuvor hatte bereits Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg auf die Gefahren durch bewaffnete Banden der organisierten Kriminalität mit Auslandsbezug hingewiesen. Auch nach ihrer Einschätzung habe man in diesem Bereich "eine neue Dimension erreicht." Auf Berlins Straßen würden rivalisierende Banden inzwischen "sichtbar Gewalt einsetzen, sei es durch Handgranatenwürfe auf Lokale, sei es durch Schüsse auf Menschen, Fahrzeuge und auch Gebäude." Es gehe um Revierkämpfe, darum, die Stadt aufzuteilen, um Drogengeschäfte und sogenannte Schutzgelderpressung, so die Justizsenatorin in einem Interview im RBB-Inforadio.
Der steile Anstieg der Gewaltkriminalität nach Ende der Corona-Pandemie flache jedoch langsam ab, führt BKA-Chef Münch weiter aus. Die Polizei registriere eine "Normalisierung bei der Anzahl der Gewaltverbrechen", so der oberste Kriminalbeamte. "Doch es gilt auch: Das Niveau der Straftaten in diesem Bereich bleibt hoch."
Was seiner Behörde große Sorge mache, sei die in den vergangenen Jahren stark gestiegene Gewalt unter Kindern und Jugendlichen. So sei etwa die Zahl der rechtsmotivierten Gewaltdelikte mit mindestens einem minderjährigen Tatverdächtigen in den Jahren 2023 zu 2024 um 60 Prozent angestiegen.