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Wird Novalja das neue Ischgl? Balkan ist der neue deutsche Corona-Reise-Hotspot

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Schöne Strände locken: In Kroatien ist Urlaub (noch) möglich.

(Foto: imago images/Pixsell)

Gerade Kroatien ist in der Corona-Krise ein beliebtes Urlaubsziel. Doch zuletzt steigt die Zahl der Infektionen in dem EU-Land und anderen Balkan-Staaten deutlich an. Nach Angaben des RKI infizieren sich allein im August fast 2000 Reiserückkehrer in der Region mit dem Coronavirus.

Der Balkan entwickelt sich zum europäischen Corona-Hotspot. Nachdem das Robert-Koch-Institut (RKI) Albanien, Bosnien-Herzegowina, den Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien bereits Mitte Juni zu Risikogebieten für eine Ansteckung erklärt hatte, sind zuletzt auch die Infektionszahlen in Kroatien deutlich angestiegen. Am Donnerstag meldete das beliebte Urlaubsland seine bisherige Höchstzahl an Neuansteckungen: Binnen 24 Stunden seien 180 weitere Infektionen nachgewiesen worden, teilte der nationale Krisenstab in Zagreb mit.

In den zwei Monaten zuvor war dieser Wert in Kroatien zwischen 30 und 100 geschwankt. Die 7-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner liegt derzeit bei 12,1 und damit noch im grünen Bereich. Nach Angaben des RKI wird erst ab einem Wert von mehr als 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen geprüft, ob für ein Land oder eine Region ein erhöhtes Infektionsrisiko vorliegt.

Dennoch bestätigt sich der Trend, dass Reisende sich bei ihrem Aufenthalt im Ausland mit dem Virus infizieren und es bei der Heimreise nach Deutschland einschleppen. Laut dem jüngsten Lagebericht des RKI sind Reiserückkehrer mittlerweile für knapp ein Drittel aller bekannten Infektionen verantwortlich. Mitte Mai lag der Anteil noch bei unter einem halben Prozent.

Kosovo besonders riskant

Besonders riskant ist demnach ein Besuch im Kosovo. Von 12.120 Menschen, die sich seit Anfang August im Ausland infiziert haben, nannten 1096 die kleine Balkan-Republik als Reiseziel. Weitere 260 Reisende gaben an, dass sie sich in Kroatien aufgehalten haben. Serbien (196 Reisende), Bosnien-Herzegowina (156) Mazedonien (92) und Albanien (86) wurden ebenfalls vielfach genannt. Insgesamt können damit 1886 von 12.120 aus dem Ausland eingeschleppte Infektionen auf den Balkan zurückverfolgt werden. Das ist eine Quote von 15,6 Prozent.

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Kroatien hatte die Corona-Pandemie anfangs schnell in den Griff bekommen und frühzeitig um Touristen gerade aus dem EU-Raum geworben, um den wirtschaftlichen Schaden einzudämmen. Der Plan ging aus wirtschaftlicher Sicht auf: Zuletzt meldete das kroatische Fremdenverkehrsamt, dass die Buchungslage im Lichte der Pandemie weit weniger schlimm sei, als ursprünglich befürchtet. Statt einem erwarteten Rückfall von 70 bis 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr seien es derzeit lediglich 55 bis 50 Prozent weniger Übernachtungen.

"Wir balancieren zwischen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Interessen", sagte der stellvertretende Innenminister Damir Trut im Nachrichtensender N1. Die steigenden Fallzahlen hält er trotzdem nicht für bedenklich: "Sie werden wahrscheinlich im Rahmen dieser Grenzen bleiben, vielleicht werden sie sogar noch ein wenig steigen, aber es gibt kein exponentielles Wachstum", betonte er.

In Kroatien haben sich hauptsächlich junge deutsche Urlauber infiziert, die angaben, dass sie an Strandpartys teilgenommen hatten. Schon im Juli zeigten Bilder, dass am bekannten Partystrand Zrce Corona-Schutzmaßnahmen nur sehr rudimentär eingehalten werden. Als besonderer Hotspot fungiert zudem das kroatische Novalja auf der Insel Pag. 24 Party-Urlauber aus dem Stuttgarter Raum waren zuletzt mit dem Coronavirus von dort nach Deutschland zurückgekehrt. Novalja ist auch ein beliebter Zielort für Abifahrten deutscher Abiturienten.

Die Clubs an der kroatischen Adriaküste sind bekannt für ihre ausgelassene Feierstimmung. Nach Angaben von Vize-Minister Trut dürfen sie ab sofort nur noch bis Mitternacht öffnen. Er beteuert: "Mit den Maßnahmen sind wir nicht zu spät dran."

Quelle: ntv.de, chr/dpa