Panorama

3100 Schließfächer ausgeräumtBankeinbrecher von Gelsenkirchen legten falsche Haar-Spur

20.01.2026, 18:22 Uhr
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Das Bohrloch, durch welches die Täter in den Tresorraum gelangten, liegt ganz knapp neben den Schließfächern. (Foto: -/Polizei Gelsenkirchen/dpa)

Der Schaden ist immens, das Leid der Geschädigten groß. Doch der Erkenntnisgewinn bezüglich des spektakulären Einbruchs in einer Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen ist noch recht klein. So viel ist klar: Die Täter gingen äußerst geschickt vor.

Beim Millionen-Coup von Gelsenkirchen wurden von den bis dato unbekannten Tätern Haare anscheinend als falsche Spuren verteilt. Das berichten die dpa und die "Bild"-Zeitung. Demnach könnten die Abfälle eines Friseursalons verwendet worden sein. An diesem Mittwoch ist der Fall um den aufgebohrten Tresorraum der Sparkasse Thema bei "Aktenzeichen XY... ungelöst" (ZDF, 20.15 Uhr). Am Donnerstag wird auch der Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags noch einmal über den spektakulären Einbruch sprechen.

In einem aktuellen Bericht des Innenministeriums für den Ausschuss heißt es, dass es noch keine neuen Erkenntnisse zur Höhe der Beute gebe. Einen Zusammenhang mit aufgebrochenen Schließfächern in Bonn und Halle in Westfalen sehe man bisher aber nicht, heißt es in dem Bericht. In Halle waren vier Fächer von Unbekannten geknackt worden, in Bonn steht ein Ex-Bankmitarbeiter unter Verdacht.

In Gelsenkirchen laufen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren. Im Zentrum steht unter anderem die Frage, woher die Täter detaillierte Kenntnisse über die Begebenheiten in und um die Sparkasse hatten. Von einem Archivraum aus hatten sie ein großes Loch in den Tresorraum gebohrt. Auf Fotos sieht man unter anderem, dass das Bohrloch ganz knapp neben den Schließfächern liegt. Auf einem anderen Bild sieht man, dass die Täter mit dem Riesenbohrer erst zu weit rechts angesetzt hatten - womit sie im Zweifel an der Rückseite der Schließfächer herausgekommen wären. Für das finale Loch setzten sie weiter links an. Für die Kühlung des Bohrers verlegten die Täter einen Schlauch vom Wasserhahn der benachbarten Damentoilette in den Archivraum, wie auf einem weiteren Bild zu sehen ist. Um später Spuren zu verwischen, verteilten die Personen nach Angaben der "Bild"-Zeitung Säure im Tresorraum und entleerten in der Damentoilette einen Feuerlöscher.

"Wir haben etliche verzweifelte Leute"

Bei dem Einbruch Ende Dezember hatten die Täter mehrere Sicherheitssysteme überwunden. Im Tresorraum räumten sie rund 3100 Kundenschließfächer aus. Der Schaden wird auf einen hohen Millionenbetrag geschätzt. Am Montag begann die Polizei mit der Vernehmung der Geschädigten. "Wir schaffen etwa 100 pro Tag", sagte ein Sprecher. Rund 20 Kolleginnen und Kollegen seien ab jetzt sieben Tage die Woche damit beschäftigt.

Es gehe der Polizei unter anderem um genaue Beschreibungen und gern auch Daten oder Bilder vermisster Gegenstände. So könnten sich Spuren zu den Tatverdächtigen ergeben, wenn Teile der Beute verkauft würden. Die Gespräche verliefen meist sachlich, für einige der Betroffenen aber auch sehr emotional. Eine zweistellige Zahl der Kunden nehme polizeilichen Opferschutz in Anspruch. "Wir haben etliche verzweifelte Leute, die nicht wissen, wie es weitergeht."

Quelle: ntv.de, fzö/dpa

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