Panorama

"Krimineller Mob" in Melbourne Bauarbeiter wüten gegen Impfpflicht

7e13862d104839a61384f8bf34ea7dbc.jpg

Die Polizei reagierte mit einem Großaufgebot auf die neuerlichen Proteste der Bauarbeiter.

(Foto: imago images/AAP)

Mit ihren restriktiven Corona-Maßnahmen löst die australische Regierung - gelinde gesagt - nicht überall Begeisterung aus. Dass zukünftig Bauarbeiter geimpft sein müssen, sorgt bei einigen aus der Branche für Protest. Seit mehreren Tagen liefern sich Demonstranten und Polizei Auseinandersetzungen.

In der australischen Metropole Melbourne haben den dritten Tag in Folge Hunderte Menschen gegen eine Corona-Impfpflicht für Mitarbeiter der Baubranche und den Lockdown in der Region protestiert. Die Demonstration konzentrierte sich auf den "Shrine of Remembrance", eines der größten Kriegerdenkmäler in Down Under. Schwer bewaffnete Polizei habe die Gruppe umstellt, berichtete die Nachrichtenagentur AAP. Dem Fernsehsender 9News zufolge setzten die Beamten Tränengas ein und nahmen rund 200 Demonstranten fest.

Der Vize-Premier der Region, James Merlino, zeigte sich entsetzt über die Kundgebungen. "Ich werde das nicht einmal Protest nennen, weil es kein Protest ist. Dies ist ein Mob, der kriminell handelt", sagte er. Die Teilnehmer würden das Gesundheitspersonal, sich selbst und die Menschen in Victoria gefährden. "Was wir in den letzten zwei oder drei Tagen gesehen haben, ist kriminelles Verhalten, das in keiner Weise unseren großartigen Staat repräsentiert." Eine Gruppe von Kriegsveteranen twitterte, es sei unangemessen, an dem Schrein eine Demo abzuhalten. "Dies ist ein heiliger Ort für Australier, um derer zu gedenken, die für uns gekämpft und gestorben sind", hieß es. "Es ist nicht angebracht, diesen heiligen Ort für Proteste zu nutzen."

Die Regionalregierung hatte zuletzt angeordnet, dass sich alle Angestellten der Bauindustrie gegen das Virus impfen lassen müssen. Am Montag kündigten die Behörden an, dass der gesamte Sektor in der Region für zwei Wochen geschlossen wird. Am 5. Oktober müssen Beschäftigte dann nachweisen, dass sie zumindest eine Impfdosis erhalten haben, bevor sie zur Arbeit zurückkehren.

Der Bundesstaat im Osten des Landes befindet sich seit Wochen erneut im Lockdown - es ist bereits das sechste Mal seit Beginn der Pandemie. Schon am Wochenende war es in Melbourne deshalb zu Protesten gekommen. Hunderte Teilnehmer wurden festgenommen. Auch in anderen Städten, darunter Sydney und Brisbane, gab es am Wochenende Demos gegen die strikten Corona-Maßnahmen. Dabei kam es auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei.

Schlagstöcke, Gummigeschosse, Pfefferspray und Blendgranaten

Am Dienstag waren mehr als Tausend Demonstranten, viele von ihnen in Bauarbeiter-Kleidung und Warnwesten, durch das Zentrum von Melbourne gezogen und hatten Parolen gegen Corona-Impfungen und Lockdown-Vorschriften gerufen. Einige zündeten Leuchtraketen an, bewarfen die Polizeibeamten mit Flaschen und griffen Polizeiwagen an.

Der Polizeichef des Bundesstaates Victoria, Shane Patton, erklärte, zur Bewältigung dieser "herausfordernden" Situation seien rund 500 Beamte im Einsatz gewesen. Mit Schlagstöcken, Gummigeschossen, Pfefferspray und Blendgranate trieben sie die Menge auseinander. Dies sei "notwendig" gewesen, "weil wir diese Art von Verhalten nicht weiter laufen lassen können", betonte Patton. Nach seinen Angaben wurden mindestens drei Polizisten verletzt, mehr als 40 Krawallmacher seien festgenommen worden.

Die Demonstranten trugen unter anderem Bilder des früheren US-Präsidenten Donald Trump zur Schau. Es gab mehrere Übergriffe auf Journalisten, ein Fernsehreporter wurde bei einer Liveübertragung von einer Dose am Kopf getroffen.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.