Panorama

Unklar, woher Listerien kommen Behörden schließen Frikadellen-Fabrik

Vorsicht bei Fleischbällchen aus der Fertigtheke: Fleisch-Krone ruft in vielen Bundesländern Frikadellen für die Supermarktketten Norma und Rewe zurück. Kontrollen weisen Listerien nach. Die Behörden machen die Fabrik in Vechta erstmal dicht.

Wegen eines Listerienverdachts in Fertig-Frikadellen haben die Behörden in Niedersachsen dem betroffenen Betrieb vorläufig die Zulassung entzogen. Dass die Produktion ruhen soll, sei für den Standort Goldenstedt (Kreis Vechta) der Firma Fleisch-Krone Feinkost verfügt worden, sagte die Sprecherin des niedersächsischen Verbraucherschutzministeriums, Sabine Hildebrandt. Die Sprecherin des Landesamtes für Verbraucherschutz, Hiltrud Schrandt, erläuterte, die Maßnahme sei bereits am Freitagabend mündlich angeordnet worden. Das Unternehmen könne nun nicht mehr am Handel teilnehmen. "Damit ist gesichert, dass dort derzeit nichts raus geht", sagte sie.

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Diese Fleischbällchen unbedingt meiden: Bestimmte Chargen sollen Listerien enthalten.

(Foto: Rewe)

Der Gesamtbetriebsleiter für Produktion von Fleisch-Krone, Thomas Rolf, bestätigte den Produktionsstopp für den Standort. "Wir haben am Freitag gemeinsam entschieden, die Produktion dort einzustellen, bis klar ist, über welchen Weg die Listerien in den Betrieb gelangt sind", sagte Rolf. Bislang sei dies unklar.

Die Fleisch-Krone Feinkost GmbH hatte zuvor Frikadellen wegen des Verdachts auf Listerien zurückgerufen. Grund für den Rückruf seien Ergebnisse eigener Kontrollen gewesen, hieß es. Betroffen sind "ja! Frikadellenbällchen" (500 Gramm-Packung) mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 05.11.2019 und 20.11.2019, die bei Rewe verkauft werden und die in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ausgeliefert wurden.

Sieben Prozent der Infektionen tödlich

Außerdem betroffen sind die Artikel "Gut Bartenhof Frikadelle Klassik" und "Gut Bartenhof Frikadellenbällchen" mit den Chargen-Nummern 97812 und 97813 und dem Mindesthaltbarkeitsdatum 05.11.2019. Vom Verzehr der Produkte werde dringend abgeraten, hieß es. Die Ware mit der Bezeichnung "Gut Bartenhof" sei an Norma-Filialen in Aichach (Bayern), Rossau (Sachsen), Ahrensfelde (Brandenburg), Dettingen (Baden-Württemberg), Rheinböllen (Rheinland-Pfalz) und Kerpen (Nordrhein-Westfalen) geliefert worden.

Listerien (Listeria monocytogenes) sind in der Natur vorkommende Bakterien. Nur wenige Menschen erkranken an der sogenannten Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Menschen und Schwangere. Die Zahl der Fälle an invasiver Listeriose schwankt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts und lag zwischen 2005 und 2014 bei mehreren Hundert Fällen jährlich. Im Durchschnitt enden sieben Prozent der Erkrankungen tödlich.

Baden-Württemberg meldet mittelschweren Listeriose-Ausbruch

Unabhängig von dem Fleisch-Krone-Rückruf wurde am Wochenende bekannt, dass bei einem mittelschweren Listeriose-Ausbruch in Deutschland seit 2017 insgesamt 15 Menschen erkrankt sind, zwei davon sind inzwischen gestorben. Das teilte das baden-württembergische Verbraucherschutzministerium mit Verweis auf einen nicht-öffentlichen Situationsbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) mit. Allein in den vergangenen drei Monaten seien dem RKI zufolge vier Neu-Erkrankungen nach dem Infektionsschutzgesetz gemeldet worden, berichtet die "Bild am Sonntag" (BamS). Noch ist unklar, wie es zu dem Listerioseausbruch kam.

In Laboruntersuchungen konnte den Angaben zufolge gezeigt werden, dass die 15 Fälle auf denselben Listerientyp zurückgehen. Zudem ist laut Ministerium mitgeteilt worden, dass Listerien, die Anfang 2019 in der Produktionsanlage und im Jahr 2017 in einem Lebensmittel eines fleischverarbeitenden Betriebs in Baden-Württemberg gefunden wurden, zum selben Typ gehören. Als Reaktion auf den Bericht wurden in dem baden-württembergischen Betrieb erneut Ermittlungen und Untersuchungen durchgeführt - Listerien konnten dabei bislang nicht nachgewiesen werden.

Bereits am Freitag war bekannt geworden, dass hessische Behörden im Zusammenhang mit dem Listerien-Skandal um den Wurst-Hersteller Wilke 1,6 Tonnen sogenannte Grillfackeln und Fleischspieße sichergestellt haben. Die Ware müsse vernichtet werden, da nicht ausgeschlossen werden könne, dass sie von Wilke stammt, teilte das Verbraucherschutzministerium in Wiesbaden mit. Auslöser sei eine anonyme Anzeige gewesen. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kritisierte, das Ministerium habe verschleiert, wo und wann die verdächtige Ware verkauft worden sei.

Fleisch-Krone Feinkost GmbH hat eine Telefonnummer für Verbraucher eingerichtet: 05434 / 9460-266 (Montag bis Freitag, 8 bis 17 Uhr)

Quelle: ntv.de, mau/dpa