Grausam eskalierter StreitBericht: Mutter und Patentante nach Schüssen in Stade unter Mordverdacht

Ein Mann erschießt am Montag sechs Menschen in einer Jugendeinrichtung. Auslöser der brutalen Gewalttat war ein Sorgerechtsstreit um ein kleines Mädchen. Das Fluchtauto des Täters fährt die Patentante des Kindes. Gegen sie und die Mutter soll nun ein schlimmer Verdacht bestehen.
Nach den tödlichen Schüssen in Stade wird einem Medienbericht zufolge neben dem Hauptverdächtigen auch gegen die Mutter des drei Monate alten Babys und dessen Patentante ermittelt. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichtet, wird ein Ermittlungsverfahren nun gegen drei Tatverdächtige wegen des Tatvorwurfs des Mordes geführt. Zunächst galt nur ein 45-jähriger in Deutschland geborener Mann als tatverdächtig.
Die Tatbeteiligung der beiden Frauen sowie die konkreten Abläufe und Hintergründe seien Gegenstand der laufenden Ermittlungen, heißt es demnach. Erst nach Abschluss der Ermittlungen könne entschieden werden, ob und welcher Tatvorwurf angeklagt werde.
Der mutmaßliche Schütze, ein 45-Jähriger mit türkischer Staatsangehörigkeit, sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sechsfachen Mord vor. Er steht unter Verdacht, sechs Menschen in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade erschossen zu haben. Es würden Mordmerkmale wie Heimtücke und niedere Beweggründe vorliegen.
Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass das Tatmotiv ein Sorgerechtsstreit um ein drei Monate altes Kind ist. Der Mann soll während eines Gesprächstermins in der Einrichtung plötzlich mit einer mitgebrachten Schusswaffe auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschossen haben. Fünf Menschen starben am Tatort, ein weiteres Opfer im Krankenhaus.
Die Opfer sind zwei Frauen und ein Mann aus dem Raum Hannover, die als Beschäftigte des Jugendamtes der Region Hannover in der Stader Einrichtung waren. Getötet wurden außerdem drei Beschäftigte der Stader Jugendhilfeeinrichtung, unter ihnen zwei Frauen und ein Mann.
Patentante fuhr Fluchtauto
Die Patentante des drei Monate alten Babys, um das der Sorgerechtsstreit entbrannte, ist die Schwiegermutter des niedersächsischen Migrationsbeauftragten Deniz Kurku. Sie soll am Steuer des Fluchtwagens gesessen haben, mit dem mutmaßlichen Schützen als Beifahrer.
Die Polizei stoppte das Auto mit Schüssen. Ob die 65-Jährige von den Plänen des mutmaßlichen Täters wusste und welche Rolle sie bei der Tat spielte, ist unklar. Die Frau soll eine enge Verbindung zur Familie des Mannes haben. Sie soll wenige Tage vor der Tat einen Brief mit dem Titel "Chronologie eines Albtraums" an verschiedene Medien verschickt haben. Auch RTL liegt das 20-seitige Dokument vor. Drohungen enthält das Dokument nicht, darin beschreibt die Frau lediglich die Sicht der Familie und erhebt schwere Vorwürfe gegen Ärzte und Behörden.
Auslöser ist nach ihrer Schilderung ein Krankenhausaufenthalt in der Medizinischen Hochschule Hannover im April. Das Baby soll damals wegen Hirnblutungen behandelt worden sein. Ärzte vermuten laut Schreiben ein Schütteltrauma. Die Familie weist diesen Verdacht zurück und führt die Verletzung stattdessen auf einen unbeabsichtigten Zusammenstoß zwischen Vater und Kind einige Tage zuvor zurück.
Behörden und Medizinische Hochschule äußern sich zu den Details des Falls bislang nicht und verweisen unter anderem auf Datenschutz sowie laufende Verfahren.