Flucht aus türkischem GefängnisMörder von Stade soll eigene Tochter sexuell missbraucht haben

In Stade tötet ein Mann sechs Menschen durch Schüsse. In Deutschland ist er zuvor nicht mit Gewalttaten aufgefallen. Ganz anders jedoch seine Vergangenheit in der Türkei, wie ein Bericht jetzt offenbart.
Der 45 Jahre alte Schütze des Sechsfachmordes in Stade soll seine Tochter sexuell missbraucht haben und aus einem türkischen Gefängnis geflohen sein. Das berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Unterlagen aus dem türkischen Justizsystem UYAP. Die Taten liegen demnach mehrere Jahre zurück.
Die Zeitung spricht von "mehreren Strafverfahren", die die türkische Justiz gegen den Verdächtigen führe. Neben dem Verdacht eines schweren Sexualdelikts in Kahramanmaraş am 15. Mai 2007 steht demnach auch der Verdacht des sexuellen Missbrauchs seiner eigenen Tochter am 9. Juni 2022 in Gaziantep im Raum. Das Verfahren werde dem Bericht zufolge beim 2. Strafgericht in Kahramanmaraş geführt.
Zwischen beiden Taten soll sich der 45-Jährige wegen einer anderen Strafsache in Untersuchungshaft befunden haben. Der Mann brach jedoch aus dem Gefängnis aus und lebt seitdem auf der Flucht. Die türkischen Behörden wüssten demnach nicht, wo er steckt und würden noch immer nach ihm fahnden.
"Seitdem er aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, habe ich keinen Kontakt mehr zu ihm", sagte ein Halbbruder der "Bild"-Zeitung. Und weiter: "Ich bin schockiert von den Morden, die ihm vorgeworfen werden."
Dem Blatt zufolge wisse die Staatsanwaltschaft in Niedersachsen nichts von der kriminellen Vergangenheit des Sechsfachmörders in der Türkei. Hierzulande war er zwar nicht wegen Gewaltdelikten bekannt, jedoch habe er Ärzte bedroht und sich Behörden gegenüber aggressiv verhalten. Ob die Staatsanwaltschaft Stade jetzt mit den Ermittlern in der Türkei zusammenarbeitet, verrät sie auf Anfrage von RTL/ntv nicht.
Am Montag schoss der 45-Jährige, der laut Behörden türkische Wurzeln hat, aber in Deutschland geboren wurde, in einer Jugendhilfeeinrichtung auf mehrere Menschen. Vier Frauen und zwei Männer, allesamt in der Jugendhilfe tätig, starben durch die Schüsse. Auslöser des tödlichen Vorfalls war ein Sorgerechtsstreit. Der Mann, der zuletzt nahe Hannover wohnte, soll sein Kind geschüttelt haben, berichtete der "Focus". Die Staatsanwaltschaft bestätigte das nicht konkret, sprach aber von einem festgestellten Schütteltrauma beim Kind, das schließlich bei seiner Mutter bleiben durfte. Diese lebte bereits getrennt von dem Sechsfachmörder, der laut "Bild"-Bericht zuvor in der Türkei dreimal verheiratet gewesen war. Er befindet sich jetzt in Untersuchungshaft.