Panorama

27 Milliarden Euro gefordert Biontech/Pfizer wollten wohl 54 Euro pro Dosis

232498745.jpg

Biontech/Pfizer verkaufen ihren Impfstoff letztlich für 15,50 pro Dosis an die EU.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

In den ersten Verhandlungen über die Lieferung ihres Impfstoffs rufen Biontech und Pfizer einem Bericht zufolge stolze Preise auf. Die EU zeigt sich hart und die Gespräche ziehen sich über Monate. Am Ende liefern die Unternehmen für weniger als ein Drittel der ursprünglichen Forderung.

Die beiden Pharmahersteller Biontech und Pfizer haben der EU im vergangenen Sommer ihren Impfstoff angeblich für mehr als 50 Euro pro Dosis angeboten. Laut NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" haben sie 54,08 Euro verlangt und so für 500 Millionen Dosen insgesamt rund 27 Milliarden Euro aufgerufen. Die Unternehmen hätten versichert, dass der Preis "den höchsten prozentualen Rabatt", der einem Industrieland weltweit angeboten worden sei, beinhalte."

Die hohen Preisvorstellungen könnten ein Grund für die langen Verhandlungen sowie die Zurückhaltung mancher EU-Länder im Sommer gegenüber dem Biontech-Impfstoff sein, mutmaßt der Bericht. Zudem werfen die Recherchen ein neues Licht auf Aussagen von Biontech-Gründer Ugur Sahin Anfang des Jahres, der den langen Verhandlungsprozess und die Haltung der EU moniert hatte. Der "Spiegel" allerdings meldet unter Berufung auf eigene Informationen, dass der endgültige Preis bereits im Juli festgestanden habe.

Letztlich hätten sich beide Seiten im November auf 15,50 Euro pro Dosis geeinigt. Weder Biontech/Pfizer noch die EU wollten sich den Angaben zufolge zu konkreten Zahlen äußern. Einen ähnlichen Preis zahlen demnach auch die USA, die sich 100 Millionen Dosen für insgesamt 1,95 Milliarden Dollar sicherten.

Überrascht sei man bei der EU zudem gewesen, dass Biontech/Pfizer in ihrer Offerte behauptet hätten, die Impfstoff-Entwicklung komplett selbst finanziert zu haben. So habe das Bundesforschungsministerium mitgeteilt, "die Gründungsphase von Biontech maßgeblich unterstützt und die entscheidenden ersten Jahre der Ausgründung finanziell und auch strukturell gefördert" zu haben. Biontech habe zudem berichtet, "während der ersten Jahre nach Gründung ca. 50 Millionen Euro Fördergelder durch die Clusterinitiative und EU-Programme erhalten" zu haben. Überdies seien allein im vergangenen Sommer 375 Millionen Euro vom Ministerium zugesagt worden.

Erst gestern war bekannt geworden, dass die EU bei Biontech und Pfizer nachgeordert hat. Demnach sollen voraussichtlich in diesem Jahr weitere 200 Millionen Dosen Impfstoff an die EU gehen, davon wiederum 75 Millionen im zweiten Quartal. Darüber hinaus besteht eine Option auf weitere 100 Millionen Dosen. Die Nachbestellung ergänzt den im vergangenen Jahr geschlossenen Vertrag über die Lieferung von 300 Millionen Dosen. Die mögliche Gesamtmenge steigt damit auf 600 Millionen Dosen.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa