Panorama

Kampf gegen "Weltregierung" Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien

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Der ehemalige Bischof von Regensburg, Kardinal Müller, unterzeichnete ein umstrittenes Schreiben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein "unsichtbarer Feind" nutzt die Viruskrise, um eine Weltregierung aufzubauen. Davon sind offenbar einige katholische Bischöfe überzeugt. In einem Schreiben rufen sie zum Kampf auf, auch ein deutscher Bischof ist unter den Unterzeichnern.

Mehrere katholische Bischöfe blasen in einem Aufruf zum Kampf gegen einen "unsichtbaren Feind". Dieser würde die Bekämpfung des Coronavirus als "Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung" nutzen, welche sich jeder Kontrolle entzöge. Das Schreiben geht auf eine Initiative des ehemaligen Päpstlichen Botschafters Erzbischof Carlo Maria Viganò zurück. Auch Kardinal Gerhard Ludwig Müller, früherer Bischof von Regensburg unterzeichnete den Aufruf.

Darin schreiben die Bischöfe, sie hätten "Grund zu der Annahme", dass es Kräfte gebe, die Panik stiften wollten, um so dauerhaft Freiheiten einschränken zu können. Beziehungen würden kriminalisiert und Personen isoliert, "um diese besser manipulieren und kontrollieren zu können". Die Menschheit solle in einer virtuellen Wirklichkeit eingeschlossen werden.

In den Augen der Verfasser ist das Teil eines nicht näher beschriebenen "Projekts". Die Bischöfe erkennen dahinter die "unklaren Absichten supranationaler Einheiten" mit "sehr starken" Interessen. Ohne genauere Erläuterung warnen die Unterzeichner außerdem davor, sich mit Impfstoffen behandeln zu lassen, zu deren Herstellung "Material von abgetriebenen Föten verwendet" werde.

"Rechtspopulistische Kampf-Rhetorik"

Das Schreiben wurde von zahlreichen katholischen Geistlichen, Medizinern, Journalisten und Anwälten unterschrieben. Der von Papst Franziskus ernannte Präfekt der Gottesdienstkongregation, Kardinal Sarah, war zuerst auf der Liste der Unterzeichner aufgetaucht, hatte die Verfasser dann aber nach eigener Aussage gebeten, nicht in dieser zu erscheinen. Er teile aber einige der geäußerten Sorgen, so Sarah. Erzbischof Viganò entgegnet, Sarah habe klar seine Zustimmung gegeben, mit seinem Namen unter dem Aufruf zu erscheinen.

Der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, sagte, er sei "einfach nur fassungslos, was da im Namen von Kirche und Christentum verbreitet wird: Krude Verschwörungstheorien ohne Fakten und Belege, verbunden mit einer rechtspopulistischen Kampf-Rhetorik, die beängstigend klingt." Es sei ungeheuerlich, wenn Anstrengungen zur Eindämmung einer Pandemie derartig diskreditiert würden, so Pfeffer. Dem müsse widersprochen werden.

Auch die deutsche Bischofskonferenz hat sich deutlich von dem Schreiben distanziert. "Die Deutsche Bischofskonferenz kommentiert grundsätzlich keine Aufrufe einzelner Bischöfe außerhalb Deutschlands. Allerdings füge ich hinzu, dass sich die Bewertung der Corona-Pandemie durch die Deutsche Bischofskonferenz grundlegend von dem gestern veröffentlichten Aufruf unterscheidet", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing.

Viganò hatte schon im August 2018 für Schlagzeilen gesorgt, als er behauptete, Vatikanbeamte hätten Warnungen über den sexuellen Missbrauch des ehemaligen Kardinals Theodore McCarrick ignoriert. Seitdem hat Viganò zahlreiche Briefe veröffentlicht, in denen er seine Ansichten zu Angelegenheiten in der Kirche zum Ausdruck bringt, darunter auch scharfe Kritik an Papst Franziskus und anderen kurialen Amtsträgern.

Quelle: ntv.de, lwe