Aus der Schmoll-EckeBlitzfrieden-Trump und sein FANTASIALAND
Eine Kolumne von Thomas Schmoll
Nicht einmal der schwarze Ritter der Monty Pythons beherrscht die Kunst der Autosuggestion in Kombination mit dem Ausblenden und Zurechtbiegen der Realität so sehr wie Donald Trump. Die vielleicht größte Tragik dabei ist: Man gewöhnt sich an den Irrsinn dieses Mannes.
Vor einiger Zeit sah ich nach zig Jahren mal wieder den Monty-Python-Klassiker "Die Ritter der Kokosnuss". Die mit Abstand albernste Szene ist die, als Artus, König von Britannien, auf den schwarzen Ritter trifft, der den Potentaten auf seiner Suche nach dem heiligen Gral nicht passieren lassen will. "An mir kommt niemand vorbei", sagt der und missachtet beharrlich den Befehl seiner Majestät, den Weg freizugeben. "Ich trete vor niemandem zur Seite."
Artus lässt sich das nicht bieten, es kommt zum Schwertkampf. Der schwarze Ritter verliert den ersten Arm durch einen Hieb seines Kontrahenten. "Das ist nur ein Kratzer", sagt der Unterlegene zum Erstaunen des Königs. Das Duell geht weiter, der nächste Arm fällt zu Boden, danach das erste Bein. Der deutlich (an)geschlagene schwarze Ritter hüpft auf seinem letztverbliebenen Bein und erklärt: "Ich bin unbesiegbar." Artus stellt korrekt fest: "Nein, ein armer Irrer." Der Duellant beharrt unverdrossen auf seiner gefühlten Unbesiegbarkeit: "Der Schwarze Ritter triumphiert immer." Nachdem auch das letzte Bein Opfer des königlichen Schwertes wird, verkündet der Verlierer: "Also gut, einigen wir uns auf unentschieden."
Die Szene ist nicht nur schwarzer Humor. Sie nimmt die Selbstglorifizierung von Männern mit übersteigertem Selbstbewusstsein aufs Korn. Mir kam beim Zuschauen Donald Trump, der Erfinder des 24-Stunden-Blitzfriedens, in den Sinn. Auch er hält sich - bis zum absolut Irrealen gesteigert - für unbesiegbar und würde, wenn ihn ein Gegner körperlich auf Rumpf, Hals und Kopf reduzieren würde, was wir ihm nicht wünschen, behaupten: "Ich triumphiere immer." Nur würde er niemals von einem Unentschieden sprechen, sondern als Pflegefall behaupten: "Ich habe gewonnen. Denn ich habe Rumpf, Hals und Kopf gerettet."
Ich glaube, niemand beherrscht die Kunst der Autosuggestion in Kombination mit dem Ausblenden und Zurechtbiegen der Realität so sehr wie Blitzfrieden-Trump. Der schwarze Ritter erscheint dagegen - man verzeihe mir den Zynismus - als bodenständig. Den Krieg der Russen gegen die Ukraine in 24 Stunden zu beenden? Kein Thema für einen Möchtegern-König, der sich mit Gott auf eine Stufe stellt.
Weil sich das Warten auf den Blitzfrieden in die Länge zieht, hat der selbsternannte Anwärter auf den Friedensnobelpreis die Zeit genutzt, sieben andere Waffengänge zwischen Kambodscha und Thailand, Kosovo und Serbien, Kongo und Ruanda, Pakistan und Indien, Israel und Iran, Ägypten und Äthiopien sowie Armenien und Aserbaidschan zu beerdigen. Unentschieden? Nein, Sieg!
Unentschieden? Nein, Sieg!
Zwar gab es in jüngerer Zeit keine Kriege zwischen Ägypten und Äthiopien sowie Serbien und Kosovo - doch es klingt so schön. Blitzfrieden-Trump kann noch besser: Er beendet einen Krieg zwischen Iran und Israel, um dann einen Krieg gegen den Iran anzufangen, um ihn danach wieder beenden zu wollen. Krönung des Ganzen: Der Blitzfriedenengel wird sich bald dafür feiern, dass die Straße von Hormus wieder offen ist. Er wird - Ignoranz ist sein zweiter Name - großzügig darüber hinwegsehen, dass der Seeweg vor dem Krieg befahrbar war und das Regime in Iran nun weiß, wie leicht Blitzfrieden-Trump und seine Verbündeten zu erpressen sind: Man muss nur die Benzinpreise in die Höhe treiben. Unentschieden? Nein, Sieg!
Im Sommer 2025 bombardierte die US-Armee Atomanlagen der Mullahs. Blitzfrieden-Trump ließ die Menschheit wissen: "Die nuklearen Standorte im Iran sind vollständig zerstört." Unentschieden? Nein, Sieg! Als CNN der Einschätzung widersprach, bezeichnete der Blitzfriedensengel den Bericht wie üblich als "Fake News". Denn was die einzig wahre Wahrheit ist, bestimmt Blitzfrieden-Trump ganz allein. Weshalb er einige Monate später den Iran aufs Neue angreifen ließ, mit dem Ziel: "Der Iran darf keine Atomwaffe haben." Diese Woche erklärte er: "Sie haben bereits zugestimmt, dass sie keine Atomwaffe besitzen werden." Anfang Mai teilte er mit: "Sie haben dem zugestimmt." Unentschieden? Nein, Sieg!
Kein Wunder, dass jemand, der sich so sehr für den Weltfrieden einsetzt, einen Blitzfriedensrat gegründet hat, "die größte und prestigeträchtigste Kommission, die jemals zusammengestellt wurde". Na, was denn sonst?! Selbstredend ist Blitzfrieden-Trump auf Lebenszeit der Superboss des Blitzfriedensrates, ausgestattet mit einem Vetorecht für alle Entscheidungen. Mitglieder sind lupenreine Demokratien wie Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei, Belarus und Ungarn, das noch unter Orban beigetreten sein will. Geld eingezahlt hat noch kein Land, aber das ist egal, allein der Wille zum Blitzfrieden zählt. Unentschieden? Nein, Sieg!
Das Logo der Vereinten Nationen zeigt in blauer und weißer Farbe die Erde inklusive Nordpol, umrahmt von einem Olivenzweig. Das Signet des Blitzfriedensrates präsentiert sich in Gold und Weiß, es hebt die USA hervor, das Land, das Blitzfrieden-Trump regiert. Der liebt bekanntlich Gold, echtes und unechtes, weshalb sein Büro ein wenig an einen Laden erinnert, in dem Kitsch und mehr schlecht als recht nachgeahmte Antiquitäten des Klassizismus feilgeboten werden. Zu dem Stil zählt das französische Empire, eine eher kurze Epoche unter Napoleon. Ich glaube allerdings, dass sich Blitzfrieden-Trump - auch bei seinem Ballsaal - nicht an dem französischen Kaiser orientiert, sondern an Putin und seine goldenen Gemächer, durch die der 1,70 Meter kleine Kriegsverbrecher schreitet, um sich größer zu fühlen.
Wie hält man DAS und SICH aus?
"Tatsache ist, dass ich nach Ansicht vieler die Attraktion Nummer eins überall auf der Welt bin", erklärte Blitzfrieden-Trump neulich, wobei es erstaunt, dass er, der Mann ohne Selbstzweifel, ein "nach Ansicht vieler" eingeschoben hat. Welch Bescheidenheit. Selbstironie? Wir kennen spätestens seit Siggi Freud den Zusammenhang zwischen Witz und Unterbewusstsein.
Wer braucht Gratiskonzerte auf der geplanten Riesenfeier zum 250-jährigen Bestehen der USA? Weil die Künstler wegen ihres Auftritts "nervös sind, überlege ich, die weltweit größte Attraktion zu engagieren - den Mann, der weitaus größere Menschenmengen anzieht als Elvis in seiner Blütezeit, und das ganz ohne Gitarre. Der Mann, der unser Land mehr liebt als jeder andere, und der Mann, von dem manche sagen, er sei der größte Präsident der Geschichte (THE GOAT!), DONALD J. TRUMP." Die Buchstabenreihe GOAT steht für "Greatest Of All Time."
Ich frage mich immer und immer wieder, wie man DAS und SICH aushält. (Wie Sie sehen, beherrsche auch ich das Mittel der Großbuchstaben, damit alle wissen, worauf es ankommt.) Wie schafft man es, damit klarzukommen, derartig bekloppt zu sein und sich zugleich für ein Genie zu halten? Wie kriegt man es hin, andere Leute ständig als "schrecklich" und "dumm" darzustellen, ohne sein eigenes Handeln selbstkritisch zu hinterfragen?
Im Grunde ist es simpel. Man braucht sich nur ein FANTASIALAND zu schaffen. Im Allgemeinen wird ein solches Verhalten übersetzt mit: Der Typ ist irre. Doch wer tickt wie Blitzfrieden-Trump, lässt das nicht an sich ran, sondern bezeichnet seinen Gesundheitszustand nach jeder Untersuchung als "perfekt". Von mir aus, mich stört es nicht. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Ich habe mich an den Irrsinn dieses Mannes gewöhnt. Und vielleicht ist das die größte Tragik.