Panorama

Schwerster Terrorakt seit 9/11 "Boston-Bomber" entgeht Hinrichtung vorerst

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Dschochar Zarnajew vor Gericht im Jahr 2014.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Im April 2013 zündet Dschochar Zarnajew selbstgebaute Sprengsätze im Zielbereich des Boston-Marathons. Drei Menschen werden getötet, Hunderte verletzt. Eine Jury verurteilt den "Boston-Bomber" zum Tode. Sterben muss er nun allerdings doch nicht.

Ein US-Berufungsgericht hat das Todesurteil gegen den "Boston-Bomber" Dschochar Zarnajew gekippt. Wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht, hoben die Richter die Entscheidung von 2015 auf und ordneten an, dass über das Strafmaß neu entschieden werden müsse. Dabei stellte das Gericht klar, dass Zarnajew trotzdem mindestens lebenslange Haft erwarte: "Dschochar wird seine verbleibenden Tage im Gefängnis verbringen. Die einzige Frage ist, ob er durch Hinrichtung sterben wird."

Grund für die Entscheidung ist die Ansicht der Juristen, dass das Gericht im Prozess nicht sichergestellt habe, dass die Geschworenen tatsächlich unvoreingenommen gegenüber Zarnajew sind. "Das Bezirksgericht war nicht in der Lage, Vorurteile oder Befangenheit zu identifizieren, indem es sich weigerte, potenziellen Juroren inhaltsspezifische Fragen zu dem zu stellen, was sie (über den Fall) gelesen und gehört hatten." So soll einer der Geschworenen Zarnajew auf Twitter als "Abschaum" bezeichnet haben, wie der Anwalt des Verurteilten sagte.

Der heute 27-jährige Zarnajew war Mitte Mai 2015 zum Tode verurteilt worden. Die Geschworenen befanden den jungen Mann für schuldig, gemeinsam mit seinem später getöteten Bruder Tamerlan im Zielbereich des Boston-Marathons im April 2013 zwei selbstgebaute Sprengsätze zur Explosion gebracht zu haben. Drei Menschen wurden bei dem schwersten Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001 getötet, mehrere der 264 Verletzten verloren Arme oder Beine.

Zarnajew hatte die Tat gestanden. Er sitzt heute in einem Hochsicherheitsgefängnis im US-Bundesstaat Colorado.

Quelle: ntv.de, hny/AFP/dpa