Panorama

Clankriminalität in Neukölln Bürgermeister Hikel gibt Rap-Musik Mitschuld

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Die Polizei bringt ein mutmaßliches Mitglied des Berliner Remmo-Clans zum Haftrichter.

(Foto: picture alliance/dpa)

Neukölln gehört zu den Brennpunkten der Berliner Clankriminalität. Bezirksbürgermeister Hikel sieht Fortschritte wie die Festnahmen und die Durchsuchungen im Zusammenhang mit dem Dresdner Kunstdiebstahl. Speziell mit unkritischer Popkultur hat er allerdings ein Problem.

Im Kampf gegen Clankriminalität plädiert der Bürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln für neue Wege bei der Beweisführung. "Das schlechteste Signal, das wir geben können, ist, dass es sich lohnt, kriminell zur werden", sagt Martin Hikel. Er ist mit Blick auf illegal beschafftes Geld für eine Umkehr der Beweislast. Jemand, der Hartz IV bezieht, müsse gegebenenfalls nachweisen, woher er das Geld für eine teure Villa hat, erklärt der SPD-Politiker. Es müsse verhindert werden, dass kriminell beschafftes Geld in den legalen Wirtschaftskreislauf komme.

Neukölln gilt als ein Brennpunkt der Clankriminalität und war am Dienstag einer der Schauplätze einer Razzia im Zusammenhang mit dem Kunstdiebstahl im Grünen Gewölbe in Dresden. Die festgenommenen Männer gehören zu einer polizeibekannten arabischstämmigen Großfamilie.

Nach Angaben der Ermittler handelt es sich um den Berliner Remmo-Clan. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte in einer spektakulären Aktion vor zwei Jahren 77 Grundstücke und Häuser von Clanmitgliedern im Wert von neun Millionen Euro. Die Polizei geht davon aus, dass die Immobilien mit Geldern aus Straftaten gekauft wurden.

Falsche Vorstellungen zurückdrängen

Clankriminalität sei über viele Jahre nicht richtig ernst genommen worden, sagte Hikel. "Das fällt uns ein Stück weit auf die Füße." Mittlerweile gibt es in Berlin einen Fünf-Punkte-Plan gegen Clankriminalität. Die Festnahmen und die Durchsuchungen im Zusammenhang mit dem Kunstdiebstahl in Dresden betrachtet Hikel als wichtiges Signal.

Wie kann man verhindern, dass Jugendliche kriminell werden? Für den Bezirksbürgermeister ist es wichtig, dass an den Schulen über Rollenbilder und Stereotypen gesprochen wird, weil in den Familien falsche Vorstellungen kursierten. "Da gibt's dann den starken Mann in der Familie und das wird einem auch so beigebracht." Es gebe "ganz großartige Projekte" in Berlin, wie beispielsweise die "Heroes", die mit Schülerinnen und Schülern daran arbeiteten, falsche Vorstellungen zurückzudrängen.

"Realitäten holen die Menschen ein"

Ein Dorn im Auge sind Hikel Fernsehserien, Filme und Musik, die kriminelles Handeln kritiklos als Popkultur feiern. Dies sei im Alltag in den Schulen nicht produktiv. Er sei kein Gegner von gutgemachten Serien und Rap-Musik, betonte Hikel. Es gebe aber einzelne Künstlerinnen und Künstler, die genau so etwas in der Vergangenheit glorifiziert hätten.

Paradebeispiel ist für ihn Bushido - dem dies gerade mit großem Gewicht auf die Füße falle. "Die Realitäten holen die Menschen ein und zeigen vor allem, dass mit Kriminalität nicht zu spaßen ist." Bushido ist derzeit Zeuge und Nebenkläger in einem Prozess, bei dem ein Clanchef, ein ehemaliger Geschäftspartner des Rappers, mit drei seiner Brüder vor Gericht steht.

Hikel machte deutlich, dass es beim Kampf gegen Clankriminalität nicht darum gehe, Familien in Sippenhaft zu nehmen. "Es geht nicht um Menschen mit arabischer Herkunft, sondern es geht um kriminelle Strukturen, die vor allem auf Patriarchat und Abhängigkeitsverhältnisse setzen."

Quelle: ntv.de, chr/dpa

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