Panorama

Sorge um neue Corona-Mutation Bundesregierung stoppt Einreisen aus Indien

Noch sind in Deutschland wenige Fälle der indischen Corona-Mutante bekannt. Doch aus Angst vor einer massenhaften Ausbreitung erklärt die Bundesregierung Indien zum Virusvariantengebiet. Ab Montag dürfen aus dem Land nur noch Deutsche mit Negativtest und unter Quarantäneauflagen einreisen.

Deutschland setzt aus Furcht vor einer Verschärfung der Pandemie durch die neue Mutante des Coronavirus Einreisen aus Indien aus. "Um unsere Impfkampagne nicht zu gefährden, muss der Reiseverkehr mit Indien deutlich eingeschränkt werden", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn der Funke Mediengruppe. Er kündigte an, Indien werde kurzfristig zum Virusvariantengebiet erklärt. Ab Montag dürften Deutsche aus Indien nur noch dann einreisen, wenn sie vor ihrem Abflug getestet wurden. Nach Ankunft müssen sie 14 Tage in Quarantäne gehen. Ausländer dürfen nicht mehr aus Indien nach Deutschland reisen.

"Die neu entdeckte Virus-Mutation in Indien besorgt uns sehr", sagte Spahn. Zuvor hatte der Fraktionschef der konservativen Parteien im Europa-Parlament, Manfred Weber, in der "Bild"-Zeitung die sofortige Einstellung aller Flugverbindungen zwischen Indien und der EU gefordert. Kuwait hatte dies bereits für alle direkten Flüge aus Indien angeordnet. Auch der Iran stoppte Einreisen aus Indien.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Freitag sind bislang 21 Infektionen mit der indischen Variante B.1.617 in Deutschland nachgewiesen worden. In Indien, wo die "Doppel-Mutante" entdeckt wurde, meldeten die Behörden den dritten Tag in Folge mit 346.786 Fällen einen neuen globalen Höchstwert bei Neuinfektionen. 2624 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Experten rechnen damit, dass der Höhepunkt der aktuellen Corona-Welle frühestens in drei Wochen erreicht wird. Zudem gehen sie von einer hohen Dunkelziffer bei den Todesfällen und Infektionen aus.

"Bitte helft uns"

Täglich sehen sich die Kliniken mit Hunderttausenden neuen Corona-Fällen konfrontiert. Vor den Krankenhäusern in den Großstädten bilden sich lange Schlangen von Erkrankten und deren Angehörigen. Die Versorgung mit Sauerstoff war vielfach kaum möglich. "Bitte helft uns, Sauerstoff zu bekommen, sonst kommt es hier zu einer Tragödie", wandte sich der Chef-Minister für die Hauptstadt-Region Delhi, Arvind Kejriwal, an Ministerpräsident Narendra Modi.

Die Zentralregierung hat inzwischen Sonderzüge organisiert, um Sauerstoff in die am schlimmsten betroffenen Städte zu bringen. Einer dieser Züge traf am Samstagmorgen mit 30.000 Litern Sauerstoff an Bord in Lucknow im Bundesstaat Uttar Pradesh ein, wo er von bewaffneten Sicherheitskräften zu den Krankenhäusern transportiert wurde. Auch die indische Luftwaffe wird für den Transport von Sauerstoff und anderen Hilfsgütern eingesetzt.

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"Die indische Doppelvariante scheint sich schnell auszubreiten und die Situation dort droht, außer Kontrolle zu geraten", sagte CSU-Politiker Weber. Die EU-Innenminister müssten sofort ein vorübergehendes Verbot von Flügen aus Indien und Einreisebeschränkungen verhängen. Der Weltärzte-Präsident Frank Ulrich Montgomery äußerte sich ähnlich in der "Rheinischen Post": "Die indische Mutationsvariante des Virus, die besonders ansteckend und besonders gefährlich sein soll, führt uns deutlich vor Augen, wie wichtig internationale Absprachen, konsequente Lockdown-Maßnahmen und Einschränkungen der Mobilität sind."

Insgesamt liegt die Zahl der Infizierten in Indien seit Pandemiebeginn nun bei 16,5 Millionen. Damit liegt das Land weltweit auf Platz zwei hinter den USA. Fast 190.000 Menschen in Indien starben an oder mit dem Virus.

Quelle: ntv.de, chf/rts

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