"Könnte bleibende Schäden geben"Christa Pike kann nach gescheiterter Hinrichtung wieder gehen

In Tennessee scheitert die erste geplante Hinrichtung einer Frau seit über 200 Jahren. Die verurteilte Mörderin Pike überlebt die zwei Giftinjektionen. Mittlerweile kann sie auch wieder ihre Beine benutzen.
Die US-Todeskandidatin Christa Pike kann gut eine Woche nach ihrer fehlgeschlagenen Hinrichtung wieder gehen. Sie sei auf den Beinen und laufe in ihrem Krankenhauszimmer herum, sagte ihr Anwalt Stephen Ferrell der BBC unter Berufung auf Kollegen, die mit Pike Kontakt hatten. Sie sei aber noch "etwas benommen" und vergesse gelegentlich, wohin sie eigentlich wolle.
"Es könnte bleibende Schäden geben. Das wissen wir noch nicht", sagte Ferrell weiter. Die verurteilte Mörderin hatte am Mittwoch vergangener Woche in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee zwei Injektionen mit dem normalerweise tödlichen Mittel Pentobarbital überlebt. Sie wurde daraufhin in eine Klinik gebracht und künstlich beatmet. Kurz bevor sie wegen mutmaßlichen Hirntods von den lebenserhaltenden Geräten getrennt wurde, wachte sie jedoch am Dienstag auf und sprach wieder.
Pike war 1996 für den Mord an der damals 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe Knoxville über längere Zeit gefoltert und schließlich getötet worden. Pikes Hinrichtung wäre die erste einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren gewesen. Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist kein vergleichbarer moderner US-Fall bekannt, in dem die vorgesehenen Hinrichtungsmedikamente verabreicht wurden und der Verurteilte weiterlebte.
Pikes anderer Anwalt Luke Ihnen erklärte am Mittwoch vor einem Gericht in Nashville, dass Tennessee keine Zusicherung gegeben habe, dass Pike nicht doch noch exekutiert werde. Richterin I'Ashea Myles gab allerdings der Forderung von Pikes Anwälten statt, jegliche Beweismittel im Zusammenhang mit Pikes fehlgeschlagener Hinrichtung zu sichern. Dies sei relevant, sollte Pike einen künftigen Hinrichtungsversuch anfechten müssen, erklärte Ihnen.
Zuvor hatte die "New York Times" darauf hingewiesen, dass Pikes Gesundheitszustand wahrscheinlich für einen möglichen neuen Hinrichtungsversuch entscheidend sein werde. Da die verurteilte Mörderin sich laut ihrer Anwälte ihrer fehlgeschlagenen Exekution bewusst ist, könnte es sein, dass der Bundesstaat, sollte er einen weiteren Hinrichtungsversuch anstreben, argumentiert, dass sie den Grund für ihre Bestrafung rational nachvollziehen könne. In den USA ist das eine rechtliche Voraussetzung für den Vollzug der Todesstrafe.
