Panorama

Clan-Beerdigung in BerlinDer Tod von Mehmet K. hinterlässt ein Vakuum in der Organisierten Kriminalität

23.01.2026, 14:56 Uhr foto-anna-krillerVon Anna Kriller
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Ein-Sarg-wird-nach-dem-Trauergebet-vor-der-Beerdigung-eines-62-Jaehrigen-aus-der-Neukoellner-Sehitlik-Moschee-getragen-Die-Beerdigung-im-Clan-Milieu-wird-von-der-Berliner-Polizei-mit-einem-groesseren-Aufgebot-begleitet
Nach dem Trauergebet wird der Sarg von Mehmet K. aus der Neuköllner Sehitlik-Moschee getragen. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Beerdigung einer Clan-Größe in Berlin entwickelt sich zu einer Veranstaltung, die man im Milieu nicht verpassen darf. Tausende Gäste sorgen für ein massives Polizeiaufgebot. Wer war der Mann, der heute die Hauptstadt lahmlegt?

Es gleicht einem Staatsbegräbnis: Tausende Gäste, Hunderte Polizisten, Medienrummel, Verkehrschaos. Doch bei der Beerdigung von Mehmet Kaplankiran in Berlin sind keine Politiker oder Prominente anwesend, sondern Mitglieder aus dem Clan-Milieu. Ein "Schaulaufen der Organisierten Kriminalität", nennt es Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Interview mit ntv. Eine Trauerfeier mit Risiko, denn wer zu dieser Beerdigung erscheint, kommt womöglich bewaffnet oder wird mit Haftbefehl gesucht.

Schon am Freitagvormittag vor der für 12.30 Uhr geplanten Trauerfeier in der Sehitlik-Moschee im Stadtteil Neukölln sind neben etlichen Trauergästen zahlreiche Polizisten anwesend. Viele Blumengestecke, meist mit Namen der Absender versehen, werden an der Moschee präsentiert. Man sieht große Karossen, teils mit Sicherheitspersonal.

"Es gehört sich so, dass man bei Kaplankiran an der Beerdigung teilnimmt", berichtet ntv-Reporterin Kathrin Gräbener von der Trauerfeier in Berlin. Wen man vor Ort sehe, seien vor allem Männer, das "Who's who der Organisierten Kriminalität. Menschen, die für Kaplankiran gearbeitet haben, Gäste aus NRW und Hamburg, bei denen man auch weiß, dass sie Teil der Organisierten Kriminalität sind." Hinzu kommen mehrere Hundert Polizisten, die bei der Trauerfeier und der anschließenden Beerdigung am Nachmittag in Berlin-Westend im Einsatz sind. Teilweise auch ohne Uniform, "weil man auch Gäste erwartet, die womöglich auch mit Haftbefehl gesucht werden".

Wer war "Kurden-Mehmet"?

Für die Berliner Polizei bedeutet der Tod der Clan-Größe Mehmet Kaplankiran, der auch als "Kurden-Mehmet" bekannt war, dass neue Konflikte auf Berlins Straßen ausgetragen werden. Der am Dienstag an einer Krankheit gestorbene 62-Jährige kam vor vielen Jahren aus der Türkei nach Berlin und bezeichnete sich selbst als Geschäftsmann, für die Behörden war er eine "polizeibekannte Milieugröße", die in der Organisierten Kriminalität bis zuletzt Einfluss genossen habe.

"Kurden-Mehmet ist jemand, der in den letzten Jahrzehnten in diversen Bereichen eine Menge Geld gemacht hat", weiß Jendro. Dies sei vor allem über Sportwetten, gastronomische Betriebe und Immobilien geschehen. Dabei sei vermutlich auch Vermögen aus der Organisierten Kriminalität in den legalen Kreislauf gespült worden. Vor allem genoss er aber Respekt und Macht auf der Straße, hatte diverse Kontakte zu "Unterweltgrößen" bis in die Türkei, war laut Jendro auch in den politischen Raum vor Ort verstrickt. Zudem erschien er immer wieder als Betroffener oder Beteiligter in den Ermittlungsakten. Erst im Dezember feuerten Unbekannte vor dem Haus des Gestorbenen im Stadtteil Lichterfelde mit einer Waffe 20 Schüsse ab. Kaplankiran setzte daraufhin über die Sozialen Medien eine Belohnung von 500.000 Euro für Hinweise auf die Täter aus.

Welchen Einfluss Kaplankiran hatte, zeigen auch Reaktionen auf seinen Tod, sagt Jendro. "Es ist schon so, dass er sich ein Imperium aufgebaut hat. Das sieht man auch, wenn man mal guckt, wer seiner Familie gedenkt aufgrund des Todesfalls. Da sind einige schillernde Figuren dabei. Wir reden zum Beispiel auch über Mafiaboss Sedat Peker aus der Türkei." Auch ins Berliner Rocker-Milieu seien Verbindungen bekannt. "Durch den Tod ist ein neues Vakuum entstanden", erklärt Jendro. "Wir sehen schon jetzt, dass da schon rivalisierende Banden und Clans versuchen, Sachen auszuloten. Es gibt noch nicht den einen Protagonisten, dass man sagt, der folgt auf jeden Fall. Das ist aber das, was gerade auf Berlins Straßen geklärt wird."

Bei den Trauerfeierlichkeiten rechnet Jendro damit, dass man hier auch junge Menschen aus dem Milieu sehen wird, die womöglich in der Hierachie aufsteigen wollen. "Ich gehe davon aus, dass es hier in erster Linie darum gehen wird, sich zu zeigen. Das ist eine Must-have-Veranstaltung, ich muss da sein, wenn ich in der Organisierten Kriminalität jemand sein möchte."

Quelle: ntv.de, mit dpa

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