Panorama

675 Infizierte in Deutschland Corona-Fallzahl steigt auf über 100.000

7cd48b3b3b050ecf4029f53d1e61d91c.jpg

Desinfektionsmittel wird in einer Kirche in Neapel versprüht: Italien ist das am stärksten vom Coronavirus betroffene Land in Europa.

(Foto: imago images/Independent Photo Agency Int.)

Weltweit infiziert der Covid-19-Erreger mehr als 100.000 Menschen - was damit erstmals der Einwohnerzahl einer Großstadt entspricht. Frühere Coronavirus-Epidemien verliefen in weitaus kleinerem Rahmen. Allerdings gilt mehr als die Hälfte der Betroffenen mittlerweile als geheilt.

Die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Menschen hat nach einer Erhebung der Johns Hopkins University in den USA erstmals die Marke von 100.000 überschritten. Auf der speziellen Website der Universität, welche weltweite Fälle erfasst, werden zuletzt weltweit 100.330 Fälle erfasst, in denen Menschen an Covid-19 erkrankt sind. Demnach sind 55.694 Menschen davon bereits geheilt, 3408 Erkrankte sind gestorben.

Zum Vergleich: Bei der ebenfalls durch ein Coronavirus ausgelösten Sars-Epidemie 2003/2004 erkrankten weltweit nur etwas mehr als 8000 Menschen, 774 von ihnen starben. Beim Mers-Erreger waren es seit 2012 rund 2500 Menschen weltweit, die betroffen waren - für 858 endete die Krankheit tödlich.

Laut einer auf offiziellen Daten basierenden Zählung der Nachrichtenagentur AFP lag die Zahl zuletzt bei 100.002 Infektionen in 91 Ländern rund um den Globus, 3406 Menschen starben. Seit Donnerstag wurden 2492 neue Fälle registriert. Allerdings weicht die Zahl von jener der Weltgesundheitsorganisation WHO ab, welche zuletzt 95.333 Fälle gemeldet hatte, jedoch zu einem früheren Zeitpunkt.

In Deutschland sind zurzeit 675 Covid-19-Fälle bekannt - das ergab eine Auswertung von Informationen des Robert-Koch-Instituts und regionaler Gesundheitsämter. Davon gelten 16 Betroffene als geheilt. Der Erreger ist inzwischen in 15 Bundesländern nachgewiesen, die meisten registrierten Fälle seit Jahresanfang gibt es in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern. In Sachsen-Anhalt wurde bislang keine Infektion gemeldet. Viele Patienten sind inzwischen wieder gesund.

Trotz der raschen Ausbreitung von Sars-CoV-2 ist Gesundheitsminister Jens Spahn von der CDU gegen Reisebeschränkungen innerhalb der Europäischen Union. "Ich fände jede Maßnahme, die zur Einschränkung des Reiseverkehrs über die Grenze führt, angesichts dessen, was wir über das Virus Stand heute wissen, weiterhin nicht angemessen", sagte der CDU-Politiker vor einem EU-Sondertreffen in Brüssel. "Und wenn wir da heute einen Konsens hätten, fände ich das ein wichtiges Signal." Aktuell stuft das Robert-Koch-Institut die italienischen Regionen Lombardei und Emilia-Romagna, die Provinz Bozen in Südtirol sowie die Stadt Vo in der Region Padua als Risikogebiete in Europa ein.

"Virus nicht aufzuhalten"

Das Virus lasse sich nicht aufhalten, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. "Aber wir können alles daran setzen, dass wir die Ausbreitung verlangsamen." Der Eindruck, dass jeder, der Kontakt mit Patienten hat, auch in Quarantäne muss, sei eine extreme Vereinfachung. Es gehe immer auch darum, wie eng und wie lang dieser Kontakt gewesen sei.

Das RKI empfahl Kliniken und Behörden in Deutschland zudem, auf einen Krisenmodus umzustellen. Das heiße, Dinge nicht mehr rein routinemäßig anzugehen, sondern das Verhalten an die jeweilige regionale Situation anzupassen. Die Lage könne dabei in Deutschland je nach Region sehr unterschiedlich aussehen.

Der Chef-Virologe der Berliner Charité sprach sich für eine Absage von Bundesligaspielen in der besonders betroffenen Region in Nordrhein-Westfalen aus. "Volle Stadien mit Zehntausenden von Fans - gerade in Gegenden wie dem vom Coronavirus jetzt stark betroffenen Rheinland - müssten aus medizinischer Sicht eigentlich gestoppt werden", sagte Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Das Stadion von Borussia Mönchengladbach liegt keine zehn Kilometer vom Kreis Heinsberg entfernt, der bundesweit am stärksten vom Coronavirus betroffen ist. Die Behörden hatten dennoch entschieden, dass das Bundesliga-Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund am Samstag um 18.30 Uhr stattfinden kann. Bis Donnerstagabend lagen im Kreis Heinsberg nach Angaben seiner Pressestelle 195 laborbestätigte Infektionsfälle vor.

Erster Corona-Fall im Vatikan

Mitten im stark betroffenen Italien hat unterdessen auch der Vatikan einen ersten Coronavirus-Fall vermeldet. Wie Vatikan-Sprecher Matteo Bruni mitteilte, stellte der ambulante Dienst des Kirchenstaates deshalb am Morgen seine Arbeit teilweise ein.

So schützen Sie sich gegen das Coronavirus

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu vermeiden, empfiehlt das Robert-Koch-Institut einige Verhaltensregeln:

  • Hände mehrmals am Tag für 20 bis 30 Sekunden gründlich mit Seife waschen.
  • In die Ellenbeuge husten und niesen, damit die Hände sauber bleiben. Dabei Abstand zu anderen Menschen halten.
  • Hände vom Gesicht fernhalten, aufs Händeschütteln verzichten.
  • In öffentlichen Einrichtungen Hände möglichst mit einem Papiertuch trocknen.
  • Im Büro und zu Hause regelmäßig lüften.

In Frankreich ist die Zahl der Todesfälle durch das neuartige Coronavirus zuletzt auf neun gestiegen. Zwei weitere Menschen erlagen den Folgen der Erkrankung, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Neben den zwei Toten bestätigte das Gesundheitsministerium zudem mehr als 150 neue Infektionen. Die Gesamtzahl der dokumentierten Fälle liegt damit in Frankreich bei 577. Die Zahl der genesenen Corona-Patienten wird aktuell mit 12 angegeben. Allerdings wird die Zahl der Geheilten oft zeitverzögert aktualisiert, zudem wenden verschiedene Länder unterschiedliche Kriterien für die Einstufung als geheilt an.

Das kleine asiatische Königreich Bhutan verbietet derweil allen ausländischen Touristen die Einreise, nachdem ein amerikanischer Tourist positiv auf das neue Coronavirus getestet worden ist. Bei ihm handelt es sich um den ersten bestätigten Fall in dem Himalaya-Land. Der Einreisestopp gelte ab sofort und für vorerst zwei Wochen, dann würde die Lage neu eingeschätzt, sagte die bhutanische Gesundheitsministerin Dechen Wangmo.

Wegen Fällen im Westjordanland sperrte außerdem Israel nach eigenen Angaben in Absprache mit der Palästinenserbehörde die Stadt Bethlehem komplett ab. Es ist nach Angaben des israelischen Verteidigungsministeriums nicht möglich, die Stadt zu verlassen oder zu betreten. Weltweit sind knapp 100.000 Infektionen und über 3300 Todesfälle bestätigt. Allein rund 3000 Tote gab es auf dem chinesischen Festland, wo Sars-CoV-2 erstmal nachgewiesen wurde.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.