Panorama

Mord an Nicky Verstappen DNA-Massentest kreist Stammbaum ein

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Der DNA-Test ist freiwillig. Verdächtig macht sich jedoch, wer ihn ablehnt.

(Foto: dpa)

Vor 20 Jahren wird ein elfjähriger niederländischer Junge aus einem Zeltlager verschleppt und ermordet. Seitdem suchen Ermittler nach dem Täter. Ein neuartiger Massen-Gentest soll den Durchbruch bringen. Er gilt als letzte Chance.

Mit einem so genannten Verwandtschaftstest wollen niederländische Ermittler auf die Spuren eines Kindermörders kommen. Mehr als 15.000 Niederländer sollen auf freiwilliger Basis eine DNA-Probe abgeben. Diese sollen dann mit Spuren abgeglichen werden, die an der Leiche des Opfers sichergestellt wurden. Der Mord an Nicky Verstappen liegt allerdings nun schon fast 20 Jahre zurück. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten den Fall nie zu den Akten gelegt. Der Test gilt als letzte Chance, den Mörder des Elfjährigen zu finden.

Nicky befand sich im August 1998 in einem Zeltlager in der Brunssumer Heide, einem Naherholungsgebiet unweit der deutschen Grenze. Am Morgen des 10. August war der Junge spurlos verschwunden. Die umfangreichen Suchmaßnahmen blieben zunächst ergebnislos. Erst zwei Tage später wurde seine Leiche in einer Fichtenschonung gefunden.

Aufgrund des heißen Sommers war die Verwesung der Leiche bereits so weit fortgeschritten, dass die Rechtsmediziner nicht mehr zweifelsfrei feststellen konnten, wie der Elfjährige ums Leben kam. Am wahrscheinlichsten galt den niederländischen Ermittlern damals aber, dass der Junge erwürgt worden war. Auch eine sexuelle Straftat konnte nicht ausgeschlossen werden. Der Junge war offenbar entkleidet und später mit auf links gedrehtem Slip wieder angezogen worden. Auch seine Schlafanzughose habe "falsch herum" gesessen, hieß es in den Akten.

Keine Verbindung zum Fall Dennis

Nach Berichten niederländischer Medien waren Fallanalytiker zunächst davon ausgegangen, dass der Mörder des Jungen weitere Taten in Deutschland verübt haben könnte - darunter an dem neunjährigen Dennis im September 2001. Das Kind war ebenfalls aus einem Schullandheim entführt und getötet worden. Erst zehn Jahre später zerschlugen sich diese Vermutungen. Der als "Maskenmann" gesuchte Serienmörder konnte festgenommen werden. Der 40-Jährige legte ein umfassendes Geständnis für drei Morde ab. Ein DNA-Abgleich des Täters mit den Spuren an Nickys Leiche entlastete den Mann jedoch zumindest in diesem Fall. Die niederländischen Ermittler standen wieder am Punkt Null.   

Rund 21.500 Männer zwischen 18 und 75 Jahren sind aufgerufen, im Februar freiwillig eine DNA-Probe abzugeben, wie die Polizei mitteilte. Die Ermittler hoffen, auf diesem Weg Verwandte des Mannes zu finden, dessen Spuren auf der Kleidung des Elfjährigen entdeckt worden waren. Ein ähnlicher Massentest hatte den niederländischen Ermittlern im Dezember erstmals geholfen, einen 25 Jahre zurückliegenden Mordfall zu lösen. Über einen Verwandten, der sich gemeinsam mit 130 weiteren Freiwilligen einem DNA-Test unterziehen ließ, fanden sie den Mann, der 1992 eine 19-Jährige in der unweit von Amsterdam gelegenen Stadt Zaandam vergewaltigt und ermordet hatte. Ermöglicht wurde die ungewöhnliche Fahndungsmethode durch ein 2012 verabschiedetes Gesetz.

Die DNA-Analysen dürften sechs bis zwölf Monate dauern. Sollte eine Probe Ähnlichkeiten mit der an Nickys Leiche gefundenen DNA-Spuren aufweisen, müssen die Ermittler nach den Angehörigen des Probanden suchen.

Quelle: n-tv.de, ppo/AFP

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