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Neuer und matschiger Schnee Das dicke Ende kommt noch

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Auch in Österreich werden weitere Schneemassen erwartet. Die Lawinengefahr verschärft sich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zwar lassen die Schneefälle vielerorts am Wochenende nach. Eine Entspannung der Lage ist jedoch nicht in Sicht. Schlimmer noch: Neue Niederschläge könnten Anfang nächster Woche die Lawinengefahr erhöhen, erklärt n-tv Wetterexperte Björn Alexander im Interview.

n-tv.de: Auch wenn bei Weitem nicht alle Menschen vom Winterchaos betroffen sind, so ist es doch das Wetterthema. Wie ist die Lage in den am schlimmsten vom Schnee betroffenen Gebieten?

Björn Alexander: In den vergangenen 24 Stunden sind in den klassischen Nordstaulagen der Alpen nochmals 50 bis 100 Zentimeter Schnee gefallen. Und auch fast schon "flache" Regionen um und südlich von München sind bei Schneehöhen von teils weit über 30 Zentimeter zumindest verkehrsmäßig stark betroffen. Der zweite Schwerpunkt in Deutschland befindet sich im Bereich Ostthüringen, Sachsen und Erzgebirge.

Wie viel Schnee liegt dort?

Dresden vermeldete in der Früh 8 Zentimeter, in Chemnitz waren es 17 Zentimeter, in Zwickau rund 20 und im thüringischen Gera 25 Zentimeter. Deutlich massiver ist die Schneeauflage aber natürlich am und im Erzgebirge: in Carlsfeld rund 1 Meter und auf dem Fichtelberg gut 1,10 Meter mit zum Teil deutlich höheren Verwehungen.

Zurück in die Alpen: Wie groß ist die Lawinengefahr?

Aktuell liegt sie teilweise bei Stufe 5 (von 5). Das gilt insbesondere in Ober- und Niederösterreich, in der Steiermark und im nördlichen Salzburg bis ins Grenzgebiet zu Berchtesgaden. Sonst besteht durchgehend die zweithöchste Stufe 4. Die Lawinengefahr ist somit groß bis sehr groß. Das bedeutet, dass die Lage sehr kritisch bis katastrophal ist und dass in den Gebieten mit Warnstufe 5 viele große und vor allem spontane Lawinenabgänge zu erwarten sind. Diese können Straßen und Siedlungen bis in die Tallagen erreichen.

Welche Prognosen lassen sich für die nächsten Tage machen?

Jetzt werden die Schneefälle erst einmal abklingen und die Sonne zeigt sich öfter. Gute Bedingungen also für Helikopterflüge und für eine vorübergehende Öffnung von gesperrten Straßen. So dies denn vor Ort überhaupt möglich ist. Doch das dicke Ende ist bereits in Sicht.

Das klingt gar nicht gut. Was passiert und warum?

Es wird spätestens am Sonntag beziehungsweise am Montag in den Nordalpen wieder intensiv schneien. Diesmal dann auch bis in die Schweiz. Das Ganze mit Neuschneemengen von nochmals rund einem Meter bis eineinhalb Meter. Und das könnte dann - wenn es tatsächlich in dieser Heftigkeit passiert - endgültig zum Chaos führen und verbreitet die Lawinenwarnstufe 5 inklusive Evakuierungen und großflächigen Straßensperren bringen.

Lässt sich das regional schon eingrenzen?

Der Schwerpunkt verlagert sich wohl eher wieder in die Alpen rein. Also Arlberg, Bregenzer Wald oder Oberallgäu. Aber natürlich sind es leider auch die jetzt schon betroffenen Gebiete. Also vom Chiemgau über das Berchtesgadener Land und Salzburg beziehungsweise das Salzburger Land bis in die Steiermark und nach Ober- und Niederösterreich. Und nicht nur die Lawinenlage ist sehr besorgniserregend.

Was droht den Menschen dort denn noch?

Ab Samstag kommt kurz mildere Luft in Richtung Erzgebirge und Alpenrand voran, sodass am Sonntag und Montag die Schneefallgrenze vorübergehend bis etwa 1000 Meter ansteigt. Das heißt: Die Schneedecke wird in vielen bewohnten Gebieten massiv durchfeuchtet und das Gewicht auf den Dächern steigt.

Um wie viel?

Da sich der Schnee quasi wie ein Badeschwamm vollsaugt und dabei gleichzeitig kaum Wasser abgibt, muss man in etwa von einer Verdreifachung der Dachlast ausgehen. Also von 100 Kilogramm pro Kubikmeter Schnee auf etwa 300 Kilogramm pro Kubikmeter.

Lässt sich schon abschätzen, ab wann sich die Lage beruhigt?

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n-tv Wetterexperte Björn Alexander

Derzeit würde ich sagen, dass es nächste Woche Dienstag und Mittwoch eine Entspannung der Großwetterlage gibt. Allerdings könnte auch diese eventuell nicht besonders lang ausfallen. Denn momentan sieht es so aus, als ob zum Ende der nächsten Woche der Winter erneut ausholt. Und dann könnte es sogar bis herunter ins Flachland Schnee, Eis und Glätte geben.

Von der Winterkeule am übernächsten Wochenende zurück zum kommenden Wochenende: Was erwartet uns im Detail?

Am Samstag darf sich der Süden noch über etwas Sonne bei nur wenigen Schneeschauern freuen. Das war es aber leider auch schon in Sachen Sonne. Und zwar für das gesamte Wochenende und das ganze Land. Denn oft überwiegen die Wolken. Am Samstag noch mit Schneeregen im Südosten. Ansonsten fällt zum Start ins Wochenende etwas Regen, der zum Sonntag immer intensiver wird. In Anbetracht der Tatsache, dass unsere Talsperren nach dem Trockenjahr 2018 noch immer viel Wasser gebrauchen können, ist das zwar ein Segen. Aber schön ist doch etwas ganz anderes.

Wie sieht es bei den Temperaturen aus?

Am Samstag werden es 0 bis 7 Grad. Der Sonntag bringt uns 2 bis 9 Grad und einen teilweise starken bis stürmischen Wind. Außerdem steigt im Südwesten durch den Regen und das Tauwetter die Hochwassergefahr an Bächen und Flüssen, während in Richtung Alpen die Lawinengefahr wieder akuter wird. Hier kommt zum Durchnässen des Schnees in den Lagen bis um die 1000 Meter nämlich spätestens ab Montag wieder stärkerer Schneefall dazu. Eine wirklich extrem kritische Situation.

Wie startet die neue Woche im übrigen Land?

Bei den Nordlichtern setzt sich endlich mal wieder häufiger die Sonne durch. Ansonsten bleibt es grau und teilweise nass bei maximal 2 bis 8 Grad. Anschließend wird es wahrscheinlich schrittweise kälter, sodass es ab der Wochenmitte auch im Flachland immer winterlicher wird.

Quelle: n-tv.de

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