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Greta ist es nicht Das sind die beliebtesten Vornamen

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Der Vornamensforscher Knud Bielefeld sieht zumindest für die Vorherrschaft des Vornamens Ben erstmal kein Ende.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dieses Jahrzehnt gehört Ben. Seit neun Jahren dominiert er die Vornamenshitlisten der Nation. Daran wird sich vorerst wahrscheinlich auch nichts ändern, denn der Name ist kurz und prägnant. Allein die Sachsen können dem etwas entgegensetzen.

Wird die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg das Ranking der beliebtesten Vornamen in Deutschland beeinflussen? Die klare Antwort darauf lautet: nein. Der Hobby-Namensforschers Knud Bielefeld aus Ahrensburg wertet seit Jahren Geburtsregister aus. In seinen Statistiken taucht der Vorname Greta wie auch schon in den Vorjahren erst auf Platz 30 auf. "Da war ich ja sehr, sehr gespannt darauf und habe den auch zum Vornamen des Jahres ernannt und bin jetzt ein bisschen enttäuscht", sagte Bielefeld.

Er gehe davon aus, dass sich manche Eltern von dem Hype um Greta abschrecken ließen und wieder andere den Namen eigens wegen des berühmten Vorbilds gewählt haben. "Es scheint sich alles ausbalanciert zu haben." Einen kleinen Siegeszug kann Greta aber doch für sich verbuchen: "Bei den zweiten Vornamen hat Greta tatsächlich einen Sprung gemacht - ungefähr zehn Plätze." Und landet damit immerhin auf Platz 60.

An der Spitze des Rankings für die beliebtesten ersten Vornamen im Jahr 2019 liegen nach wie vor die Namen Emma und Ben. Ben landet damit bereits zum neunten Mal in Folge auf Platz 1, Emma zum vierten Mal seit 2014. Nur Mia konnte sich in diesem Jahrzehnt gegen Emma durchsetzen, dafür aber gleich mit sechs ersten Plätzen. "Ben hat auch einen Riesenvorsprung gehabt auf die weiteren. Bei den Mädchen war das doch knapper. Und Emilia und Hannah folgen ziemlich dicht darauf. Da kann ich mir vorstellen, dass es da nächstes Jahr einen Wechsel gibt."

Bei den Mädchen sieht die Rangliste der beliebtesten Vornamen 2019 bundesweit wie folgt aus: Emma, Emilia, Hannah/Hanna, Mia, Sophia/Sofia, Lina, Mila, Marie, Ella und Lea. Bei den Jungsnamen folgen auf den Spitzenreiter Ben die Namen Paul, Finn/Fynn, Leon, Jonas, Noah, Elias, Felix, Luis/Louis und Henri/Henry. "Gerade auch kurze Namen sind seit Jahren sehr beliebt und und werden auch immer beliebter. Ben ist da eben ein Musterbeispiel."

Bayern und Sachsen mit Eigensinn

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Bei den Zweitnamen griffen Eltern der repräsentativen Stichprobe Bielefelds zufolge vor allem auf Sophie/Sofie, Marie und Maria sowie auf Alexander, Elias und Maximilian zurück. Den größten Aufwärtstrend sieht Bielefeld bei den Namen Frieda und Ella sowie Matteo und Emil. Die auffälligsten Unterschiede bei den Regionen gebe es in Bayern. Dort würden Eltern immer wieder auch Namen für ihre Babys wählen, die woanders längst aus der Mode seien. "Wie Andreas oder Michael. Die waren eben vor 50 Jahren populär, sind fast überall ausgestorben. Aber die werden in Bayern nach wie vor vergeben."

Zudem kämen typisch bayerische Namen wie Xaver, Korbinian und Veronika fast ausschließlich in Bayern vor. Eine weitere Besonderheit sei, dass der Name Kurt in Sachsen überraschenderweise sehr populär sei. "Der taucht woanders gar nicht nennenswert auf. Aber in Sachsen gehört er zu den häufigsten Namen."

Und der Name Fiete sei vor ein paar Jahren in Mecklenburg-Vorpommern aufgetaucht und habe sich bereits in ganz Norddeutschland etabliert. "Er wird sich wahrscheinlich in den nächsten Jahren auf den Weg nach Süden machen." Generell sei es oft so, dass Modenamen zuerst in Norddeutschland auftauchten und sich dann nach Süddeutschland durchsetzten.

Ansonsten haben gesellschaftliche Ereignisse oder berühmte Menschen zwar hie und da Einfluss auf die Namensliste. "Das spielt immer eine Rolle." In diesem Jahr hätten es weder Archie, der Sohn von Prinz Harry und seiner Frau Meghan, noch der Youtuber Rezo zu Modenamen gebracht. Auch die deutsche Weitsprungweltmeisterin Malaika konnte keine Trends setzen. "Und ich glaube auch nicht, dass sie durchstarten werden", sagt Bielefeld.

"Hey Duda"

Für die Statistik wertet der studierte Wirtschaftsinformatiker Bielefeld mit seinen Helfern schon seit 1996 die Angaben von Geburtskliniken und Standesämtern aus. Insgesamt stützt er sich eigenen Angaben zufolge auf 592 verschiedene Quellen aus 466 Städten. Für dieses Jahr hat er so 177.570 Geburtsmeldungen aus ganz Deutschland erfasst und ausgewertet. Das entspricht etwa 23 Prozent aller im Jahr 2019 geborenen Kinder.

Bielefeld veröffentlicht die Ranglisten der Vornamen seit 2006. Insgesamt hat er etwa 2,1 Millionen Namen in seiner Datenbank. Eine ähnliche Statistik gibt auch die Gesellschaft für Deutsche Sprache heraus, sie lässt allerdings alle Vornamen der Kinder gleichwertig in die Ranglisten einfließen und unterscheidet im Gegensatz zu Bielefeld nicht zwischen Erst- und Zweitnamen. Laut der Gesellschaft für Deutsche Sprache waren 2018 Paul und Marie die beliebtesten Namen in Deutschland.

Bielefeld schaut bei seiner Auswertung auch auf die ungewöhnlichsten Namen. Im Jahr 2019 waren ihm dabei vor allem Aureliana, Axella, Dilda, Lieschen und Shyanne sowie Achill, Aureliano, Ektor, Willibert und Duda aufgefallen. "Ja, da habe ich auch gestaunt. Es ist eine portugiesische Koseform von Edouard. Kindergartenkinder sind ja eigentlich unverkrampft, was Namen angeht. Aber bei so einem offensichtlichen lustigen Namen (wie Duda), da wird das Kind das dann nicht leicht haben."

Quelle: ntv.de, lwe/dpa