Zweistellige Minusgrade"Der Winter ist da, und er will es richtig wissen"
Zu Beginn des neuen Jahres hält der Winter Einzug in weiten Teilen Deutschlands. Kräftiger Schneefall, Glätte und außergewöhnlich niedrige Temperaturen sorgen für ein winterliches Wochenende. ntv-Meteorologe Oliver Scheel erklärt im Interview, was genau auf uns zukommt.
ntv.de: Große Teile Deutschlands sind weiß - was ist denn da gerade los beim Wetter?
Oliver Scheel: Der Winter 2026 ist da, und er will es richtig wissen. Mit nördlicher Strömung hat Tief "Tizian" das unbeständige und kalte Winterwetter ins Land gebracht. Die Schneefälle haben sogar mal am Niederrhein für eine geschlossene Schneedecke gereicht. In Hamburg und in weiten Teilen des Nordens hat es mitunter stark geschneit. Am meisten kam bisher aber in den Mittelgebirgen runter.
Wie viel Schnee liegt denn da?
Im Harz und im Erzgebirge liegen jetzt schon etwa 25 Zentimeter Schnee. Und es kommt jetzt noch mehr. Bis Sonntagabend können in Lagen bis 500 Meter Höhe etwa 10 Zentimeter dazukommen, in den höheren Lagen der Mittelgebirge sind aber bis zu 40 Zentimeter drin. Damit würde etwa auf dem Brocken ein halber Meter Schnee liegen. Da es aber vor allem am Freitag und Samstag durch kräftigen Wind Schneeverwehungen geben kann, ist eine exakte Angabe der Schneehöhen schwierig. Den meisten Schnee wird es aber schon im Harz und im Erzgebirge geben.
Wie sieht es für das Wochenende im Flachland aus?
Auch an den Küsten und in tiefen Lagen kommen die Schauer am Wochenende als Schnee herunter. Allerdings ist es jetzt noch nicht so kalt, dass der Schnee überall liegen bleibt. Von der Nordsee bis in den Raum Leipzig/Halle und entlang des Nieder- und Mittelrheins wird der Schnee zumindest teilweise bei Höchstwerten von plus 1 oder plus 2 Grad wieder tauen. Doch in vielen anderen Regionen kann sich bis Sonntagabend eine Schneedecke von etwa 1 bis 10 Zentimeter bilden.
Das hat es lange nicht gegeben.
Ja, richtig. Der letzte zu kalte Januar stammt aus dem Jahr 2017 und der letzte zu kalte Wintermonat war der Februar 2018. Viele Kinder, die jetzt gerade in die Grundschule gekommen sind, haben eine solche Wetterlage vielleicht noch nie erlebt. Am Wochenende können also tatsächlich in vielen Regionen richtig tolle Winterausflüge unternommen und Schneemänner gebaut werden. Die Schlitten dürfen auf jeden Fall jetzt entstaubt werden. Da wird es sicher leuchtende Kinderaugen geben.
Die Kälte hält sich also?
Ja, der Januar beginnt sehr kalt und die mittelfristigen Prognosen sehen kein Ende des winterlichen Wetters. Im Gegenteil: Wenn Hoch "Karen" übernimmt und die trockenkalte Luft dominiert, dann werden die Nächte klirrend kalt. Vor allem im Süden und über Schneefeldern werden wir bei klarem Himmel knackige Minusgrade erleben. Da können die Tiefstwerte leicht unter minus 20 Grad fallen, nicht nur auf den höchsten Gipfeln, sondern auch in manchen Tallagen.
Ab wann wird es denn so kalt?
Die Nacht auf Montag wird schon äußerst kalt. Da wird es in erster Linie im Süden auch schon Tiefstwerte von weniger als minus 10 Grad geben, zum Beispiel in Kempten im Allgäu. Bei minus 20 Grad auf dem Nebelhorn werden sich viele überlegen, ob sie da wirklich Skifahren wollen. Es wird in Deutschland kaum einen Ort geben, in dem die Temperaturen nachts nicht unter 0 Grad fallen.
Ab Mitte der Woche kann es selbst in Hamburg minus 10 Grad kalt werden. In Berlin wird es nur unwesentlich wärmer. Selbst für Köln im milden Rheinland sind momentan minus 8 Grad Mitte nächster Woche prognostiziert. Das ist eine richtige Kältewelle, die wir so schon lange nicht mehr hatten. Das kann die Heizkosten schnell in die Höhe treiben und für obdachlose Menschen ist das eine sehr gefährliche Wetterlage.
