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Das Gift "Beuthanasia-D" fällt unter die EU-Folterrichtlinie und darf nur unter strengen Vorschriften exportiert werden.
Das Gift "Beuthanasia-D" fällt unter die EU-Folterrichtlinie und darf nur unter strengen Vorschriften exportiert werden.(Foto: imago stock&people)
Donnerstag, 12. Juli 2018

Auch bei Hinrichtungen genutzt: Deutsche Firma verschickt illegal Tiergift

Eine norddeutsche Firma exportiert große Mengen des Gifts "Beuthanasia-D" in die USA und Asien, ohne Genehmigungen dafür zu haben. Das Gift wird auch für die Hinrichtung von Gefangenen genutzt. Auf dem US-Markt ist es gerade Mangelware.

Die Oldenburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ein deutsches Pharma-Unternehmen wegen des Verdachts illegaler Exporte giftiger Substanzen in die USA und nach Asien. Die Anklagebehörde bestätigte Ermittlungen wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Außenwirtschaftsgesetz. Diese richteten sich gegen mehrere Verantwortliche eines pharmazeutischen Unternehmens, "das im Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft Oldenburg eine Zweigniederlassung betreibt".

Nach Recherchen des NDR und der "Süddeutschen Zeitung" handelt es sich um die zum US-Pharmakonzern Merck Sharp & Dohme (MSD) gehörende Firma VET Pharma Friesoythe GmbH im niedersächsischen Friesoythe. Beiden Medien zufolge geht es um mehrere Tonnen der Injektionslösung "Beuthanasia-D" zum Einschläfern von Tieren.

Der enthaltene Wirkstoff, Pentobarbital, werde in US-Gefängnissen immer wieder dazu benutzt, Menschen hinzurichten, falle unter die EU-Folterrichtlinie und unterliege strengen Export-Beschränkungen. Mitarbeiter von Vet Pharma Friesoythe hätten das Kontrollverfahren offenbar bewusst umgangen. Sie hätten sie die Unterlagen für den Transport so manipuliert, dass weder Spedition noch Zoll Verdacht schöpften.

Zweigniederlassung durchsucht

Der für die MSD-Tierarzneisparte zuständige Sprecher Marco Gassen erklärte: "Wir arbeiten als Unternehmen MSD Animal Health selbstverständlich bereits mit den Behörden in dieser Angelegenheit eng zusammen und werden dies auch in Zukunft tun."

Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, die Beschuldigten hätten 2017 und 2018 in fünf Fällen den Export pharmazeutischer Erzeugnisse mit dem Wirkstoff Pentobarbital nach Asien und Amerika veranlasst. 2018 sollen sie es in zwei weiteren Fällen versucht haben. Deutsche Zollbeamte hätten eine Charge laut der Medienberichte aber abgefangen. Räume der Zweigniederlassung seien durchsucht worden. Daten und Unterlagen würden ausgewertet.

Laut der Recherchen von NDR und "Süddeutscher Zeitung" sei in den vergangenen fünf Jahren durch das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle keine Lieferung des Stoffes in die USA genehmigt worden. Viele Pharmafirmen ignorierten Lieferanfragen aus den USA zu solchen Mitteln, weil sie verhindern wollten, dass ihre Arzneimittel in Todestrakten zum Einsatz kommen. Schon seit Jahren seien Chemikalien, mit denen Menschen hingerichtet werden können, auf dem US-Markt Mangelware.

Quelle: n-tv.de