Panorama

Hohe Zahl an Kirchenaustritten Deutsche Katholiken wollen Rom trotzen

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"Eine Ungeheuerlichkeit": Stetter-Karp ist mit der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs beim Vatikan nicht einverstanden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Reformbestrebungen der deutschen Katholiken wecken im Vatikan Misstrauen und Spaltungsangst. Davon wollen sich die Laien nicht beirren lassen. Ein Tempolimit für Bischöfe auf Autobahnen will das Zentralkomitee aber nicht fordern.

Die katholischen Laien wollen die Kirchenreformen trotz Widerstands aus dem Vatikan vorantreiben. Es gebe offensichtlich "unterschiedlich intensive Erkenntnisse darüber, wie sehr der Missbrauchsskandal einen Synodalen Weg aus der Krise verlangt", sagte die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, in Berlin. Empört zeigte sie sich über distanzierende Äußerungen der Kurie zur Aufarbeitung sexueller Übergriffe durch Priester: "Ich halte es für eine Ungeheuerlichkeit vom 'sogenannten Missbrauch' zu sprechen."

Stetter-Karp bezog sich bei der Vollversammlung des ZdK auf Reaktionen aus dem Vatikan bei einer Reise der deutschen Bischöfe zu Papst Franziskus Ende November. Sie hatten keinen Rückhalt für die deutsche Reformbewegung Synodaler Weg gefunden. Diese fordert unter anderem eine Öffnung von Kirchenämtern für Frauen und die Zulassung verheirateter Priester. 2023 soll ein Synodaler Ausschuss starten, der den Reformprozess auf Dauer anlegt. Hintergrund sind Hunderttausende Kirchenaustritte pro Jahr. Derzeit zählt die Katholische Kirche in Deutschland noch rund 22 Millionen Mitglieder.

"Antwort bis in die Grundfesten"

"Wir sind uns klar darüber, dass der Missbrauchsskandal eine Antwort verlangt, die in die Grundfesten der Strukturen der Katholischen Kirche hineinreicht", sagte Stetter-Karp. Nur mit einer inhaltlichen und strukturellen Erneuerung werde ein Weg zu neuer Glaubwürdigkeit der Kirche gespurt. "Die Kraft guter Argumente wird sich am Ende durchsetzen können, aber auch nur dort durchsetzen können, wo Argumente überhaupt zählen", sagte sie. Die Versammlung des ZdK - oberste Vertretung der rund fünf Millionen organisierten Laien in der Katholischen Kirche - fasste zugleich einen Beschluss für konsequenten Klimaschutz und eine rasche Energiewende hin zu Wind, Sonne und Wasser. Gefordert sei auch ein Beitrag der Kirchen, etwa durch Nutzung von Sonnen- und Windenergie auf ihren Immobilien und Grundstücken und eine Energiespar-Sanierung ihrer Häuser.

Zu einem Tempolimit von 100 Stundenkilometern für Bischöfe, wie es jüngst die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland beschlossen hatte, äußerte sich Stetter-Karp aber zurückhaltend. "Klar gibt es viele Maßnahmen, das könnte eine davon sein", sagte sie. Sie wolle aber nicht sagen, genau darin läge die Lösung." Vizepräsident Wolfgang Klose ergänzte, dass das ZdK schon vor Jahren eine allgemeine Empfehlung für Tempo 130 auf Autobahnen ausgesprochen habe, nicht nur für Bischöfe. Stetter-Karp nannte als wichtige Themen für die katholischen Laien zudem den Ukraine-Krieg und seine Folgen, darunter Migration und die hohen Energiepreise. Wohnen sei vielleicht die zentrale Frage der Zeit. Auch dabei nahm die ZdK-Präsidentin die Kirche als großen Immobilienbesitzer und Träger von Wohnungsprojekten in die Pflicht. "Wir haben eine extreme Wohnungsnot, und hier sind die Kirchen mit ihren Kräften, mit ihrem Vermögen, mit ihrem Besitz, eben auch nochmal gefragt", sagte sie.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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