Panorama

"Autoritäres Hierarchie-Gehabe" Deutsche Katholiken wütend auf Vatikan

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"Wichtig, Laien einzubeziehen": Der Limburger Bischof Bätzing ist auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dass der Vatikan den Gläubigen in aller Welt seine starren Regeln vorgibt, sorgt bei den Katholiken in Deutschland zunehmend für Ärger. Vor allem der Wunsch aus Rom, über Reformen nur mit Bischöfen zu sprechen, stört die Laienvertreter. Sie wollen nicht mehr als Menschen zweiter Klasse behandelt werden.

Der Vatikan hat erneut deutlich gemacht, dass er Nicht-Kleriker nicht als Ansprechpartner anerkennt. Der Präfekt der Kongregation für den Klerus, Kardinal Beniamino Stella, teilte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) mit, man wolle zunächst mit den deutschen Bischöfen und nicht mit Laienvertretern über die umstrittene Instruktion zur Organisation der Gemeinden sprechen. Der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, betonte jedoch, dass dem DBK-Vorsitzenden Georg Bätzing die Einbeziehung der Laien wichtig sei.

Bätzing hatte dem Vatikan bereits im August vorgeschlagen, bei den geplanten Gesprächen das Präsidium des Synodalen Wegs einzubeziehen, so dass auch Nicht-Kleriker - sogenannte Laien - beteiligt wären. Der Synodale Weg ist ein seit Anfang dieses Jahres laufender Prozess zur Reform der katholischen Kirche in Deutschland. Die Instruktion aus dem Vatikan hatte im Sommer unter den deutschen Katholiken schwere Verärgerung ausgelöst. Das Schreiben der Kleruskongregation des Vatikans verbietet die Leitung von Pfarrgemeinden durch ein gleichberechtigtes Team von Priestern und Nicht-Klerikern. Außerdem wird die Zusammenlegung von Gemeinden, abgesehen von begründeten Ausnahmefällen, untersagt. Beides ist aber in Deutschland weit verbreitete Realität, weil es vielfach schlicht keine Priester mehr gibt.

"Wir sind Kirche": Dialogverweigerung

Laienvertreter reagierten verärgert auf die neue Botschaft aus Rom. Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" sprach von Dialogverweigerung. "Wenn die Kirchenleitung im Vatikan nicht endlich ihr autoritäres Hierarchie-Gehabe aufgibt, wird sie immer weiter das Vertrauen der Glaubenden verlieren", kritisierte "Wir sind Kirche".

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) hielt dem Vatikan vor, die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben. Dass Kardinal Stella auf den Vorschlag von Bischof Bätzing nicht eingehe, zeige wieder einmal, wie der Vatikan zu Laienvertretern stehe: "Nicht auf Augenhöhe." "Wir als kfd sind enttäuscht", sagte die stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende Agnes Wuckelt. "Wir begrüßen ausdrücklich, dass sich Bischof Bätzing weiter in Rom für ein Gespräch mit dem Präsidium des Synodalen Wegs einsetzt."

Quelle: ntv.de, mau/dpa