Panorama

Missbrauch in Bergisch Gladbach Deutsche Kinderhilfe fordert härtere Strafen

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Die Ermittler berichten von Riesendatenmengen, die nun auszuwerten sind. Vier Männer sollen sechs Stief- und eigene Kinder missbraucht und die Taten gefilmt haben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Während die Ermittler in der Missbrauchsserie von Bergisch Gladbach unter seelischen Qualen Riesenmengen von Videos sichten müssen, fordert die Deutsche Kinderhilfe einen höheren Strafrahmen für Taten im Bereich der Kinderpornografie. Das Justizministerium winkt vorerst ab.

Im Fall des sexuellen Missbrauchs eigener Kinder und Stiefkinder durch mehrere Männer geht die Staatsanwaltschaft Köln von langwierigen Ermittlungen aus. Mit Verweis auf die gefundene Datenmenge von etwa drei Terabyte sprach der Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer von aufwendigen Ermittlungen, die längere Zeit andauern würden. Inzwischen erließ die Justiz einen vierten Haftbefehl. Ein vierter Festgenommener aus Langenfeld sitze nun ebenfalls in Untersuchungshaft, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Düsseldorf.

Nach dem massenhaften Fund von kinderpornografischem Material in einer Wohnung in Bergisch Gladbach waren vier Verdächtige wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs festgenommen worden. Sie sollen mindestens sechs Kinder missbraucht haben, berichteten die Kölner Ermittler. Das jüngste Opfer sei noch nicht einmal ein Jahr alt, das älteste zehn Jahre. Es handele sich um die Kinder oder Stiefkinder der Verdächtigen.

Beschluss der Innenminister: Strafrahmen erhöhen

Nach dem Bekanntwerden der Tatvorwürfe hat die Deutsche Kinderhilfe das Bundesjustizministerium aufgefordert, die Höchststrafen für Kindesmissbrauch zu erhöhen. "Was den Kinderschutz angeht, bin ich bislang schwer enttäuscht von unserer Bundesjustizministerin", sagte der Vorstandsvorsitzende Rainer Becker. Im Juni hatten die Innenminister der Länder die Bundesregierung gebeten, die Mindeststrafe für sexuellen Missbrauch von Kindern und für Straftaten im Bereich Kinderpornografie auf ein Jahr anzuheben.

Die Höchststrafe für den Besitz von Kinderpornografie sollte nach dem Willen der Innenminister von drei auf fünf Jahre erhöht werden, die für das Verbreiten von Kinderpornografie von fünf auf zehn Jahre. "Bis heute hat es aus dem Bundesjustizministerium keine erkennbare Reaktion auf den Beschluss der Innenministerkonferenz gegeben", kritisierte die Deutsche Kinderhilfe.

Eine Sprecherin des Justizministeriums sagte, es werde laufend geprüft, wie diese schweren Straftaten noch effektiver verfolgt werden könnten. Den gegenwärtigen Strafrahmen von bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe für Kindesmissbrauch sehe das Ministerium jedoch "als angemessen an".

Datenauswertung: Besonders die Tonspur belastet die Ermittler

Beamte hatten die Wohnung eines 42-Jährigen in Bergisch Gladbach wegen des Verdachts der Kinderpornografie durchsucht. Beim Auswerten des sichergestellten Materials fanden sich Hinweise darauf, dass der Deutsche in seiner Wohnung Kinder missbraucht, die Taten gefilmt und weiterverbreitet habe. Außerdem führten Spuren zu den drei weiteren Verdächtigen.

Vier Verdächtige sitzen inzwischen in U-Haft: Der Mann in Bergisch Gladbach, zwei Männer, die im Raum Wesel sowie bei Wiesbaden festgenommen wurden, und der vierte aus Langenfeld. Hinweise, dass es in dem Fall noch weitere Täter gebe, lägen derzeit nicht vor, sagte der Oberstaatsanwalt Bremer.

Die Ermittlungen im Bereich Kinderpornografie sind nach Erfahrungen eines Seelsorgers beim LKA Nordrhein-Westfalen besonders belastend für Polizisten. " Die Bilder zu sehen ist eine Sache. Aber die Tonspur belastet die Ermittler stark", sagte Dietrich Bredt-Dehnen in einem Interview der "Rheinischen Post". Er ist Leiter der evangelischen Seelsorge am Landeskriminalamt (LKA) NRW und betreut seit neun Jahren in dem Bereich tätige Beamte.

95 Prozent der Polizisten sagten demnach, dass sie diese Arbeit auf keinen Fall machen würden. "Das können die härtesten Ermittler sein, die bei Todesfällen die schlimmsten Wohnungen gesehen oder sehr gewalttätige Festnahmen hinter sich gebracht haben. Aber Material auswerten, auf dem Kinder gequält werden, das können nur ganz wenige", schilderte er. Diese Menschen wüssten von vornherein, dass sie mit dem Material umgehen können. Die Auswerter des Datenmaterials, ob Polizist oder Nicht-Polizist, arbeiteten freiwillig in dem Bereich. Sie zögen genau daraus Motivation, was andere von dem Job abhalte: "Gerade weil es um Kinder geht, wollen sie sich einsetzen und helfen", erklärte er.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa