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3,5 Milliarden Nutzer betroffen Die wichtigsten Fragen zum Facebook-Ausfall

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Die Störung bei Facebook hat nicht nur Folgen für die Nutzer - sondern auch für den Konzern.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Es ist ein bislang beispielloser Totalausfall: Facebook, Instagram und Whatsapp sind über Stunden nicht erreichbar. ntv.de erklärt, was Sie zu den Gründen und den Folgen der Störung wissen müssen.

Was ist bei Facebook passiert?

Gleich mehrere Dienste des Facebook-Konzerns waren knapp sechs Stunden lang nicht erreichbar: Neben Facebook selbst waren auch Instagram und der Messenger-Dienst Whatsapp betroffen. Millionen von Nutzern versuchten ohne Erfolg, über die Apps zu kommunizieren. Bei Facebook hatte es bereits im Frühjahr 2019 einen großflächigen Ausfall gegeben, der dem Konzern zufolge auf einen Fehler bei der Server-Konfiguration zurückging. Die Störung vom Montag war jedoch in Ausmaß und Dauer außergewöhnlich. Der Totalausfall war der größte, den die Web-Überwachungsgruppe Downdetector je verzeichnet hat.

Wie viele Nutzer waren betroffen?

Nach Angaben des Unternehmens waren insgesamt 3,5 Milliarden Menschen betroffen, die ihre Apps nicht nutzen konnten. Der Technik-Chef des Cloud-Dienstleisters Cloudflare, John Graham-Cumming, verwies darauf, dass Nutzer und auch Software dennoch weiter versuchten, Facebook-Dienste anzusteuern. Das sorge für einen starken Anstieg der Auslastung anderer sogenannter DNS-Dienste, schrieb er auf Twitter. Facebook-Gründer und Konzernlenker Mark Zuckerberg entschuldigte sich in einem kurzen Beitrag bei den Nutzern. Whatsapp-Chef Will Cathcart versprach, man werde daraus lernen. Die PR-Agentur ABCD Agency rechnete anhand bekannter Nutzerdaten aus, dass in der Zeit des Ausfalls unter anderem rund 25 Milliarden Whatsapp-Nachrichten nicht gesendet und 53 Millionen Fotos nicht auf Facebook hochgeladen wurden. Im Bilderdienst Instagram konnten wohl rund 125 Millionen Stories nicht gepostet werden.

Was steckt hinter dem Totalausfall?

Facebook erklärte die Störung mit einer fehlerhaften Konfigurationsänderung. Dadurch sei der Datenverkehr zwischen den Rechenzentren zusammengebrochen. Die Störung war so schwer in Griff zu bekommen, dass Facebook der "New York Times" zufolge ein Team in sein Rechenzentrum im kalifornischen Santa Clara schicken musste, um einen "manuellen Reset" der Server zu versuchen. Das ist in etwa so, wie wenn man am PC zu Hause den Reset-Knopf drückt, weil nichts mehr geht. Facebook verwies darauf, dass von dem Ausfall auch interne Systeme betroffen gewesen seien - wodurch es länger gedauert habe, das Problem zu diagnostizieren und zu beheben. Die Erklärung deckt sich mit Vermutungen von Experten, die von einem Fehler in der Netzwerk-Infrastruktur ausgingen. "Vereinfacht dargestellt: Die Dienste von Facebook, Whatsapp und Instagram sind noch da - aber es fehlt im Internet quasi die Verknüpfung dorthin", erläuterte Rüdiger Trost von der IT-Sicherheitsfirma F-Secure. "Als hätte jemand auf einer Autobahn die Ausfahrtschilder zu den 'Orten' Instagram, Whatsapp und Facebook entfernt."

Welche Reaktionen gab es?

Besonders viel Häme über die Facebook-Störung wurde auf Twitter verbreitet. Allein wegen des Austauschs über den Ausfall schlug die Stunde von Twitter - und der Facebook-Konkurrent war sich dessen bewusst. "Hallo buchstäblich alle", twitterte der Account des Kurznachrichtendienstes, auf dem sich über Stunden unzählige Facebook-Nutzer tummelten. Viele weitere Nutzer scherzten darüber, wie das Verschwinden von Facebook alles auf einen Schlag besser gemacht habe, bis hin zum Weltfrieden. Der NSA-Enthüller Edward Snowden ergriff die Gelegenheit, um die Chat-App Signal als Alternative zu empfehlen, die mehr Datenschutz biete. Der Messengerdienst Telegram kletterte an nur einem Tag von Platz 56 auf Platz fünf der am meisten heruntergeladenen kostenlosen Apps in den USA, wie das auf Apps spezialisierte Unternehmen Sensor Tower mitteilte. Auch der Anbieter Signal twitterte einen "starken Anstieg" von Anmeldungen und begrüßte alle Neulinge. Zudem erlebten die eher klassischen Kommunikationswege - Telefonate und SMS - eine Renaissance. In Deutschland wurden nach Angaben der Telefónica (O2) ungewöhnlich viele SMS verschickt: Deren Zahl verdreifachte sich bei O2 am Montagabend im Vergleich zu den Vorabenden. Auch die Zahl der Anrufe zwischen 19 und 20 Uhr stieg um 36 Prozent auf insgesamt 680.000.

Welche Kosten hat die Störung verursacht?

Die Facebook-Aktie rutschte ab und schloss mit einem Minus von knapp fünf Prozent. Auch danach war das Unternehmen an der Börse immer noch rund 920 Milliarden Dollar wert. Das persönliche Vermögen von Zuckerberg schrumpfte nach Berechnungen des Finanzdienstes Bloomberg binnen weniger Stunden um mehr als sechs Milliarden Dollar. Mit einem Gesamtvermögen von 121,6 Milliarden Dollar rutschte Zuckerberg demnach auf der Reichenliste um einen Platz nach hinten auf den fünften Rang hinter Microsoft-Gründer Bill Gates. Nachdem die Störung behoben war, legte der Kurs der Facebook-Aktie im nachbörslichen Handel um 0,39 Prozent zu.

Ist der technische Defekt das einzige Problem des Konzerns?

Nein, Zuckerberg hat eine weitere Hiobsbotschaft erhalten: Die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen gab sich als Whistleblowerin zu erkennen, die Dokumente des Konzerns an das "Wall Street Journal" weitergereicht hatte. Haugen war Produktmanagerin des Falschinformationsteams von Facebook. Die 37-Jährige wirft ihrem einstigen Arbeitgeber vor, Profit systematisch über den Kampf gegen Hassrede und Falschinformationen zu stellen. Facebook belüge hier die Öffentlichkeit. Zwar agiere niemand im Unternehmen "böswillig", jedoch gebe es falsche Anreize, so Haugen. Sie habe in der Vergangenheit auch für andere Unternehmen der Branche wie Google und Pinterest gearbeitet, aber Facebook sei "bedeutend schlimmer" als alles, was sie zuvor gesehen habe. Nun wird Haugen im US-Senat befragt. Für Facebook könnte das unangenehm werden - schließlich nimmt in den USA der Druck auf das Unternehmen zu.

Quelle: ntv.de, lve/dpa/AFP

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