Panorama

Früherer Reemtsma-Entführer Drach wird nach Deutschland ausgeliefert

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Thomas Drach wurde 2000 wegen der Reemtsma-Entführung zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

(Foto: picture alliance / rtn - radio tele nord)

Sein Name ist untrennbar mit der Entführung des Mäzens Reemtsma verbunden. Ein Vierteljahrhundert später steht Thomas Drach wegen des Verdachts auf schweren Raubüberfall im Visier der Kölner Justiz. In den Niederlanden wurde der 60-Jährige festgenommen. Nun soll er nach Deutschland überstellt werden.

Der frühere Reemtsma-Entführer Thomas Drach wird aus den Niederlanden nach Deutschland ausgeliefert. Er werde der Kölner Justiz überstellt, urteilte ein Amsterdamer Gericht. Der 60-Jährige war vor zehn Wochen in der niederländischen Hauptstadt festgenommen worden. Er steht unter dem dringenden Verdacht, drei Raubüberfälle begangen zu haben.

Die Überfälle auf Geldtransporter soll der in Erftstadt bei Köln geborene Drach mit weiteren Tätern in den Jahren 2018 und 2019 in Köln-Godorf, am Flughafen Köln/Bonn und in Frankfurt am Main verübt haben. Die Strafverfolger in Köln legen Drach deswegen gemeinschaftlichen schweren Raub in drei Fällen sowie einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zur Last - den Überfall am Kölner Airport soll er mit einem Maschinengewehr begangen haben. Zwei Geldboten wurden bei diesem Überfall und der Tat in Frankfurt durch Schüsse schwer verletzt.

Im Zusammenhang mit zwei der drei Gewalttaten wurde zuletzt auch ein mutmaßlicher Komplize Drachs in den Niederlanden festgenommen. Bei allen drei Raubüberfällen waren die Täter mit in den Niederlanden gestohlenen und mit falschen Kennzeichen ausgestatteten Autos geflüchtet, hatten diese unweit der Tatorte angezündet und die Flucht mit anderen Fahrzeugen fortgesetzt.

Nach dem Raubüberfall am Flughafen Köln/Bonn fanden die Ermittler die Tatwaffe, ein Kalaschnikow-Sturmgewehr AK-47, in dem vollständig ausgebrannten Auto. Durch die Auswertung der Videoaufzeichnungen zu dem Überfall am Flughafen Köln/Bonn und anschließende teils verdeckte Ermittlungen gelang es den Strafverfolgern, einen Fluchtwagen zu identifizieren und zu beschlagnahmen. Womöglich verhalf dies den Ermittlern zum Durchbruch.

33 Tage angekettet im Keller

Drachs Name ist untrennbar mit der Entführung des Mäzens Jan Philipp Reemtsma vor einem Vierteljahrhundert verbunden - einem der spektakulärsten Kriminalfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Entführer um Drach brachten den Erben der Tabakdynastie am 25. März 1996 vor dessen Hamburger Villa in ihre Gewalt und hielten ihn 33 Tage lang angekettet im Keller eines Landhauses bei Bremen gefangen.

Am 26. April 1996 kam Reemtsma gegen Zahlung eines Lösegelds in zweistelliger Millionenhöhe frei. Drach tauchte anschließend unter, erst 1998 machten ihn Polizisten in einem Luxushotel in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires dingfest. Nach längerem juristischen Tauziehen wurde Drach nach Hamburg ausgeliefert und dort vor Gericht gestellt.

Im März 2000 verurteilte ihn das Landgericht der Hansestadt zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft. Im Oktober 2013 wurde Drach aus dem Gefängnis entlassen. Bei einer Verurteilung wegen der Transporterüberfälle droht ihm nun erneut eine lange Haftstrafe.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/AFP

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