Panorama

Auf Droge für die AufklärungDrei Youtuber im Vollrausch

23.08.2017, 11:33 Uhr
imageVon Diana Sierpinski
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Rens, Nellie und Bastiaan (v.l.) testen Drogen vor der Kamera - ganz legal. (Foto: instagram/drugslab)

Sie werfen sich Ecstasy und LSD ein, rauchen Hasch und schnupfen Koks. Ihr Hauptziel ist aber nicht "high" zu werden. Die drei jungen Drogentester vom Drugslab wollen aufklären. Klingt gefährlich, ist aber ein staatlich finanziertes Bildungsprogramm.

Sie sind jung, sehen ziemlich gut aus - und sie sind auf Droge: Wenn Nellie Benner, Rens Polman und Bastiaan Rosman vor der Kamera stehen, erklären sie zunächst, wie Ecstasy, Kokain, Ketamin oder GHB funktioniert und was da eigentlich alles drin ist. Dann kommt die Praxis. Sie rauchen, schnupfen und werfen sich Teile ein. Klingt ziemlich gefährlich, ist aber ein Bildungsprogramm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den Niederlanden.

"Auf der ganzen Welt interessieren sich Menschen für Drogen. Genauso wie wir", erklären die Moderatoren der Youtube-Sendung Drugslab. "Wir probieren es für euch aus, damit ihr es nicht tun müsst." Jeden Freitag um 17 Uhr gibt es eine neue Folge und für einen der drei eine neue Substanz, die die Zuschauer vorher ausgewählt haben - "im Namen der Wissenschaft", wie es heißt.

Die Idee dahinter: offen über Drogen zu sprechen, statt sie ausschließlich zu tabuisieren. Rens, Nellie und Bastiaan erklären genau, wie sie die jeweilige Droge erleben. Wie sie sich entspannen. Wie sie plötzlich halluzinieren. Wie intensiv sich die Droge anfühlt. Wie sie Farben sehen. Wie der Kopf prickelt. Wie sie sich plötzlich nicht mehr bewegen oder richtig denken können. Wie sie aggressiv werden. Wie sie Panik bekommen.

Information ist besser als Verschweigen

Alle Tests werden überwacht, hinter der Kamera steht immer ein Sanitäter bereit, der im Notfall helfen kann. Die Drogen kommen von ausgewählten Dealern, alle Substanzen werden sorgfältig und doppelt im Labor getestet, bevor sie den Moderatoren verabreicht werden. Sehr gefährliche Drogen wie Heroin oder Crystal Meth sind tabu.

Als Rens und Nellie Ecstasy ausprobieren, erfahren die Zuschauer auch einiges von den positiven Gefühlen, die Drogen auslösen können. Nellie will "die ganze Welt umarmen", Rens tanzt selig durchs Labor und ist "mega glücklich". Alles, was er erlebt, ist "unglaublich intensiv". Moderatorenkollegin Nellie testet seine Reflexe, die nach und nach unkontrollierter werden und füttert ihn mit Obst, um zu erfahren, wie sich sein Geschmackssinn verändert. "Wahnsinn!" Zuweilen entgleist Rens' Mimik, was Nellie als "furchteinflößend" bezeichnet.

Am Ende jeder Folge werden die "Dos" und "Don'ts" der Droge zusammengefasst. Welche Substanz man nur in vertrauten Umgebungen konsumieren oder wie viel Wasser man während des Trips trinken sollte. Die drei jungen Drogentester sind fest davon überzeugt, mit dem Format mehr aufzuklären als zu motivieren. Im Idealfall wollen sie Jugendliche so vom Konsum abhalten. Aber es gibt auch kritische Stimmen, die den Youtubern vorwerfen, dass sie Drogen verherrlichen und Werbung für sie machen würden.

Auch hierzulande gibt es einige Youtuber, die sich mit dem Thema Drogen befassen. Der bekannteste von ihnen ist Simon Ruane, dem regelmäßig Drogen ins Wurstbrot gemischt werden, wie er am Anfang seiner Videos behauptet. Denn anders als bei den Holländern gehören seine Filme nicht zum staatlich finanzierten Bildungsprogramm.

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