Verzögert sich der Wiederaufbau?Dresdner Stadtrat entscheidet sich für risikoreichsten Carolabrücken-Entwurf

Zwei Jahre nach dem Einsturz der Carolabrücke legt sich der Dresdner Stadtrat fest, wie der Neubau aussehen soll. Damit gehen die Lokalpolitiker ein Risiko ein, das den Baubeginn um mehrere Jahre verzögern kann.
Der Dresdner Stadtrat hat über die Entwürfe für den Neubau der Carolabrücke entschieden. In der Sitzung am Donnerstagabend erhielt der Entwurf von FHECOR Deutschland und TSSB Planungsgesellschaft den Zuschlag. Die Räte entschieden mit 39 Ja-Stimmen zu 31 Nein-Stimmen für dieses Bauwerk. Dafür votierte die AfD gemeinsam mit CDU, Team Zastrow und FDP/Freie Bürger.
Die FHECOR-Carolabrücke wird als "zeitgemäß, leicht und zugleich klassisch" beschrieben. "Stadtbalkone" mit Blick auf die barocke Altstadtsilhouette und Sitzbänken zeichnen den Entwurf aus, ebenso die filigranen und offen gestalteten Bögen. Die Elbquerung soll aus Sandstein sowie Stahl bestehen und rund 130 Millionen Euro kosten. Mit nur 32,5 Meter Breite wäre sie schmaler als die vor knapp zwei Jahren eingestürzte Carolabrücke.
Allerdings gehen die Stadträtinnen und Stadträte mit dem Votum für diese Brücke ein Risiko ein: Der Entwurf sieht eine 2,5 Meter höhere Carolabrücke vor, die zudem auf einem zusätzlichen Pfeilerpaar steht. Das beratende Begleitgremium warnte, deshalb könnte ein Planfeststellungsverfahren notwendig werden. Dieser Ansicht sind auch die Autoren eines vom Rathaus in Auftrag gegebenen Rechtsgutachtens. Sollte die Planfeststellung notwendig sein, würde das den Wiederaufbau um Jahre verzögern. "Wie hoch dieses Risiko ist, kann niemand sagen", sagt Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn von den Grünen.
Es sei "einfach die schönste Brücke mit der besten Ästhetik", freut sich Holger Zastrow von der gleichnamigen Fraktion über den Wahlausgang. "Diese Brücke eröffnet Spielräume für die Umgestaltung der angrenzenden Stadträume", erklärt CDU-Stadträtin Bettina Kempe-Gebert ihr Votum. AfD-Politiker Thomas Ladzinski sagt: "Wir wollen eine Brücke, die den Dresdnern gefällt."
Linke gegen Brückenneubau
"FHECOR/TSSB ist der Entwurf mit den meisten Risiken und der am wenigsten barrierefreie", kritisiert Grünen-Stadträtin Susanne Krause hingegen. Johannes Lichdi von der Dissident:innen-Fraktion nennt es "unseriös", das Risiko der Planfeststellung einzugehen. Wenn es nach den Linken gehen würde, solle darüber debattiert werden, ob es überhaupt eine neue Carolabrücke brauche. "Die Frage, ob wir die Brücke brauchen und wenn ja, jetzt, wurde nie diskutiert", moniert deren Stadtrat Tilo Kießling. "Der Verkehr fließt auch so."
"Die Schönheit hat über die Risiken gesiegt", freut sich Jan Tröber von TSSB. Er spricht in der Sitzung am Donnerstagabend von "geringen planungsrechtlichen Risiken", die die Architekten "in den Griff bekommen werden". Rückendeckung kommt vom Baubürgermeister: "Wir werden den Bau als genehmigungsfrei anmelden", erklärt Kühn, der hofft, dass das nicht abgeschmettert wird.
In einer Onlineabstimmung, an der laut Stadtverwaltung mehr als 25.800 Personen teilnahmen, landete der Entwurf von FHECOR und TSSB auf Platz eins. Das beratende Begleitgremium, dem alle im Stadtrat vertretenen Fraktionen und Verkehrs-, Wirtschafts- und Umweltverbände sowie Kammern angehören, votierte diesen Brückenentwurf allerdings wegen des vergleichsweise hohen Risikos auf den zweiten Rang.
Anfang 2027 soll der genehmigungsreife Entwurf der Architekten vorliegen. Die Ausschreibung der Bauleistungen plant der Stadtrat für Anfang Oktober 2027. Im Mai 2028 soll schließlich der Neubau beginnen. Zwei Jahre später könnte die Brücke den Planern zufolge fertig sein. Die Stadt Dresden wünschte sich zuvor eine Fertigstellung bis 2031.