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Infekt an drei Tagen übersehen Drosten: Schnelltests sind gut - aber nicht so sicher wie gedacht

"Die Schnelltests schlagen erst am Tag eins nach Symptom-Beginn an, da ist man aber schon drei Tage lang infektiös", sagt Virologe Drosten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Schnelltests als Zugangskarte für Freizeitaktivitäten bergen ein gewisses Risiko, das der Virologe Drosten in seinem Podcast benennt. Eine Infektion in der hochansteckenden Phase am Anfang einer Corona-Erkrankung sollen solche Tests häufig nicht nachweisen können.

Der Virologe Christian Drosten hat vor falscher Sicherheit durch Schnelltests gewarnt. Im Podcast "Coronavirus-Update" bei NDR-Info weist er darauf hin, dass die Antigen-Schnelltests die ersten Tage einer Infektion wohl noch weniger zuverlässig erkennen als bisher angenommen. Anders als PCR-Tests könnten sie eine Infektion selbst in der hochansteckenden Phase zu Beginn der Erkrankung offenbar oft nicht nachweisen. Das hätte sich durch die praktischen Erfahrungen in Diagnose-Laboren gezeigt.

"Die Schnelltests schlagen erst am Tag eins nach Symptom-Beginn an, da ist man aber schon drei Tage lang infektiös", sagte der bekannte Berliner Virologe. "Wenn man davon ausgeht, dass eine infizierte Person in der Regel acht Tage lang ansteckend ist, heißt das: An fünf von acht Tagen entdecke ich mit dem Antigentest eine Infektion, an drei Tagen werde ich sie übersehen." Drosten erwartet in den kommenden Monaten auch Studiendaten zu diesem Effekt.

"Wir brauchen diese Schnelltests unbedingt"

Drosten betonte aber, dass die Schnelltest dennoch ein wichtiger Bestandteil der Pandemiebekämpfung darstellten. "Ich finde es ganz besonders wichtig, dass überhaupt eine Testung vorgeschrieben wird", sagte Drosten. Sie seien ein wirksames Werkzeug. Drosten: "Wir brauchen diese Schnelltests unbedingt."

Ganz besonders wichtig sei der Einsatz von Antigen-Schnelltests an Schulen, so der Virologe. Dabei sei es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler auch wirklich mindestens zweimal pro Woche getestet werden. "Selbst wenn bei einer Testung nicht alle Infektionen entdeckt werden, bei der nächsten Testung nach zwei oder drei Tagen werden die Infektionen dann nachgewiesen. In Clustern ist solch ein geringer zeitverzögerter Effekt kein Problem", betonte Drosten. Würden Infektionen in einem Cluster entdeckt, könne man die Kontrolle über das Infektionsgeschehen in den Schulen behalten und dann gegebenenfalls auch entsprechend gegensteuern.

Bundesweite Notbremse nicht genug

Auch auf die stetig steigende Belegung von Intensivbetten in Deutschland kam der Virologe zu sprechen. Neben der nun auf den Weg gebrachten bundesweiten Corona-Notbremse müssten weitere Maßnahmen ergriffen werden, um der Lage auf den Intensivstationen Herr zu werden. "Ich denke, dass man anhand der sich jetzt einstellenden Situation in den Krankenhäusern auch noch mal anders reagieren muss", sagte der Corona-Experte von der Berliner Charité. Dies müsse sicherlich in "allernächster Zeit" geschehen. "Ich erwarte jetzt nicht ohne Weiteres, dass man damit die Situation in der Intensivmedizin kontrollieren kann", sagte Drosten mit Blick auf die Entscheidung zur bundesweit verpflichtenden Notbremse.

Das Bundeskabinett hat eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen. Damit müssen sich die Menschen in weiten Teilen Deutschlands auf Ausgangsbeschränkungen und geschlossene Läden nach bundesweit verbindlichen Vorgaben einstellen. Kommende Woche sollen die Neuerungen erst vom Parlament beschlossen werden und dann den Bundesrat passieren - trotz deutlicher Kritik einiger Länder und der Opposition im Bundestag.

Über die eingeschränkte Aussagekraft der Corona-Meldezahlen nach Ostern sagte Drosten weiter: "Wir müssen wahrscheinlich bis Ende dieser Woche warten, um wieder realistische Zahlen zu sehen." Er befürchte, dass man dann wieder in einem Bereich zwischen 20.000 und 30.000 täglich gemeldeten Neuinfektionen landen werde. Durch die Osterferien sieht der Virologe allerdings für die Schulen zunächst einen "nachhaltigen Entschleunigungseffekt", wie er sagte.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa

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