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Trotz Sorge vor Omikron Drosten: Sind auf Weg in endemischen Zustand

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Angesichts der raschen Vermehrung der Variante drängte Drosten auf schnelle Entscheidungen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Omikron-Variante alarmiert Christian Drosten: Daten aus dem Ausland zeigten, dass sie sich überraschend schnell verbreitet. Doch der Virologe macht auch Hoffnung. Die Gefahr von Impf-Nebenwirkungen bei Kindern sei gering und ein Ende der Pandemie in absehbarer Zeit möglich.

Dem Virologen Christian Drosten bereiten neue Daten zu Omikron-Fällen Sorge. Erkenntnisse etwa aus England, Dänemark und Südafrika zeigten, dass Omikron sich deutlich rascher als die Delta-Variante verbreite, sagte Drosten der ARD. Das Infektionsgeschehen verdoppele sich in mehreren Ländern etwa alle drei Tage, fügte er hinzu.

Drosten verwies darauf, dass Fälle aus Südafrika zwar auf einen milden Krankheitsverlauf hindeuteten: "Wir verstehen aber nicht ganz genau, wie das zu deuten ist." Genaue Zahlen kenne er nicht.

Bei der Auswertung der Daten müsse man berücksichtigen, dass beinahe die gesamte Bevölkerung Südafrikas aus Genesenen und Geimpften bestehe. In Deutschland stelle sich mit Blick auf die relativ niedrige Impfquote insbesondere bei Senioren die Frage, welche Symptome Omikron bei Menschen hervorrufe, die weder geimpft noch genesen sind. "Da machen mir die Informationen aus Südafrika verstärkt Sorgen", sagte Drosten. Dort müssten momentan insbesondere die jüngsten Kinder unter fünf Jahren wegen schwerer Symptome vermehrt ins Krankenhaus. Deshalb befürchtet Drosten, dass auf Ungeimpfte schwere Verläufe zukommen könnten. In Deutschland bestehe obendrein die "besondere Gefahr" einer "besonders alten Bevölkerung".

Drosten rät zu Kinder-Impfung

Drosten zeigte sich erfreut darüber, dass die Ständige Impfkommission die Corona-Impfung für Kinder von fünf bis elf Jahren mit Vorerkrankungen und Kontakt zu Risiko-Patienten empfohlen hat. Generell riet er Eltern dazu, ihre Kinder impfen zu lassen. "Ich glaube, dass wir das auch brauchen", so Drosten. Einerseits wegen des Schulbetriebs, andererseits "aber auch wegen der eigenen Erkrankung". Drosten verwies in diesem Zusammenhang auf Südafrika und die Möglichkeit von schwereren Krankheitsverläufen bei Kindern durch die Omikron-Variante.

Auch zur Frage nach möglichen Impf-Nebenwirkungen bei Kindern äußerte sich der Virologe. Drosten verwies darauf, dass es zwar "Probleme mit Reaktionen und Nebenwirkungen" bei über zwölfjährigen Jugendlichen gegeben habe. "Das ist aber die Erwachsenendosis." Die Jüngeren hingegen würden nun ein Drittel der Dosis erhalten, was für Kinder auch völlig ausreiche und die Gefahr einer Überreaktion "viel geringer" ausfallen lasse.

Omikron-Impfstoff wohl erst im April 2022

Angesichts der raschen Vermehrung der Omikron-Variante drängte Drosten auf schnelle Entscheidungen. "Jeder der kann, soll sich jetzt sofort boostern lassen", sagte er. Auffrischungs-Impfungen schützten neuen Studien zufolge auf jeden Fall vor Omikron: "Wer geboostert ist, hat vielleicht ungefähr so ein Immunitätsniveau wie vorher jemand, der doppelt geimpft war und ein paar Monate hat vergehen lassen. Das ist also keine Null-Immunität." Er forderte die Ungeimpften auf, darüber nachzudenken, ob sie ihre Ablehnung aufrechterhalten wollten. "Dieses Virus wird auch die Ungeimpften treffen", warnte der Virologe. Für einen besseren Schutz vor der neuen Variante müssten die Impfstoffe angepasst werden. Mit verbesserten Vakzinen, etwa von Biontech, rechnet Drosten jedoch erst im April 2022.

Drosten blickt zudem optimistisch in die Zukunft: Corona werde in ein oder zwei Jahren einem normalen Erkältungsvirus ähneln, schätzte er. "Wir sind auf dem Weg in einen endemischen Zustand." Wie bei anderen Erkältungsviren sei es dann in nicht allzu ferner Zukunft so, dass Corona "vor allem im Kindergarten auftritt und die Erwachsenen infizieren sich immer mal wieder mit". Für die Älteren stehe dann, wie bei der Influenza, die Frage im Raum, ob man sich impfen lasse. "Ich kann nicht versprechen, dass das im nächsten Jahr schon komplett geschafft wird", schränkte Drosten jedoch ein.

"Wir werden in einen Zustand kommen, wo wir nur noch zum Winter hin auffrischen und wahrscheinlich nicht die ganze Bevölkerung", sagte Drosten. Es könne sein, dass dies zum Winter des kommenden Jahres noch einmal mit einem neuen Vakzin nötig sein werde, allerdings bewege man sich bei derlei Prognosen im Bereich der "Wahrsagerei". Keine Wahrsagerei sei hingegen seiner Ansicht nach, "dass das aufhören wird in absehbarer Zeit", so Drosten. "Nächstes, übernächstes Jahr, vielleicht in drei Jahren, aber dann ist es auch vorbei."

Quelle: ntv.de, lve

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