Panorama

Drei Tornados in NRW Ein Toter und mehr als 60 Verletzte bei Unwettern

Kaputte Dächer, Fensterscheiben und Autos: Das Sturmtief "Emmelinde" hinterlässt in mehreren Orten eine Schneise der Verwüstung. Nordrhein-Westfalen trifft das Unwetter besonders hart. In Bayern werden 14 Menschen beim Einsturz einer Holzhütte verletzt.

Gewitter, Starkregen und Orkanböen haben in Teilen Deutschlands schwere Schäden verursacht. Besonders stark betroffen ist Nordrhein-Westfalen, wo laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) drei Tornados wüteten. Sie zogen demnach durch Paderborn, Lippstadt und Lütmarsen, einem Ortsteil der Stadt Höxter. In Raum Paderborn wurden nach Polizeiangaben 43 Menschen verletzt, 13 von ihnen schwer. Die Polizei sprach von einer "Schneise der Verwüstung". Es gebe zerstörte Dächer und umgestürzte Bäume im gesamten Stadtgebiet, sagte ein Feuerwehrsprecher. Von Millionenschäden ist die Rede. Die Polizei rief eindringlich dazu auf, die Paderborner Innenstadt wegen der Tornado-Schäden, möglichen Gefahren und laufenden Aufräumarbeiten vorerst zu meiden.

Aus Lippstadt wurden keine Verletzten gemeldet. Dort liefen weiter die Aufräumarbeiten, erklärte ein Polizeisprecher am Morgen. "Es sind viele Einsatzkräfte unterwegs gewesen und sind auch noch unterwegs." Es gehe vor allem um Schäden an Dächern und Bäumen, die am Freitag entstanden seien. In der Innenstadt von Lippstadt seien auch Bereiche noch sicherheitshalber abgesperrt. Im Ortsteil Hellinghausen war die Spitze einer Kirche herabgestürzt. Auch in Lütmarsen, im Kreis Höxter, hat das Unwetter nach Angaben der Kreisverwaltung schwere Schäden hinterlassen.

In Bayern wurden 14 Menschen, darunter auch mehrere Kinder, beim Einsturz einer Holzhütte in Spalt nahe dem Großen Brombachsee verletzt. Eine 37-Jährige wurde schwer verletzt in eine Klinik gebracht, ein Kind mit einem Hubschrauber ebenfalls ins Krankenhaus geflogen. Einer Polizeisprecherin zufolge hatten angesichts des in Bayern aufziehenden Unwetters mehrere Urlauber in der rund 85 Quadratmeter großen Hütte Schutz gesucht, die dann zur Seite gekippt und in sich zusammengefallen sei. Insgesamt löste das Unwetter in Mittelfranken knapp 400 Feuerwehreinsätze aus - vor allem wegen vollgelaufener Keller, entwurzelter Bäume und beschädigter Hausdächer. Zwischen Neuhaus und Hersbruck wurde die Bahnstrecke wegen Bäumen auf den Gleisen gesperrt.

Ein 38-jähriger Mann starb in Rheinland-Pfalz, als er beim Betreten eines unter Wasser stehenden Kellers einen Stromschlag erlitt, dadurch zu Fall kam und vermutlich mit dem Kopf aufschlug, wie die Polizei mitteilte. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich wurden bei einem Autounfall auf regennasser Landstraße fünf Menschen verletzt, darunter ein dreijähriges Kind.

In Andernach und Neuwied kam es laut Polizei zu "extremem" Hagel mit Hagelkörnern mit einem Durchmesser von rund fünf Zentimetern. Mehrere Dutzend Autos seien erheblich beschädigt worden. Teilweise seien Scheiben fahrender Autos zertrümmert worden, teilte die Polizei weiter mit. Wegen umgefallener Bäume waren in der Region Koblenz mehrere Straßen über Stunden gesperrt. Mehrere Autos blieben zudem in überschwemmten Unterführungen liegen.

Aquaplaning-Unfall in Thüringen

In Thüringen kam am späten Freitagabend ein Autofahrer bei Dittersdorf im Saale-Orla-Kreis aufgrund von Aquaplaning mit seinem Fahrzeug von der Straße ab und krachte gegen eine Betonwand, wie die Polizei mitteilte. Er und drei Mitfahrer wurden leicht verletzt. Auch andernorts in Thüringen mussten die Einsatzkräfte ausrücken - hauptsächlich wegen entwurzelter Bäume, die Straßen blockierten.

In Sachsen musste wegen eines Gewitters über Leipzig die Band Rammstein ihr Konzert am Freitagabend für eine halbe Stunde unterbrechen. 45 Minuten nach Beginn der Show wurden die Menschen in der Red-Bull-Arena aufgefordert, den Innenraum des Stadions zu verlassen und Schutz zu suchen. Nach 15 Minuten wurden die Fans dann zurück in den Innenraum gelassen.

Verspätungen und Ausfälle bei der Bahn

Die Deutsche Bahn teilte mit, wegen des Unwetters könne es in Teilen Deutschlands zu Verspätungen und Zugausfällen kommen. Bei den ICE- und IC-Verbindungen zwischen Köln, Wuppertal, Dortmund und Hamm wurden mehrere Halte gestrichen, bei den ICE- und IC-Verbindungen zwischen Köln, Hamm und Kassel-Wilhelmshöhe konnte die Strecke zwischen Hamm und Kassel-Wilhelmshöhe nicht befahren werden. Beeinträchtigungen gab es außerdem in Niedersachsen, Bremen, Mittelfranken und Baden-Württemberg.

Der Deutsche Wetterdienst hob um 01.37 Uhr alle Unwetterwarnungen für Deutschland auf. Am Morgen um kurz vor 6 Uhr hieß es, es gebe noch vereinzelt starke Gewitter in Südbayern sowie Sturmböen im Osten. Laut dem DWD besteht tagsüber im Nordosten noch eine geringe Wahrscheinlichkeit für kurze Gewitter mit stürmischen Böen, die zum Abend hin nachlassen. In der Osthälfte kommt es demnach noch verbreitet zu starken bis stürmischen Böen. In Vorpommern seien bis zum Vormittag noch schwere Sturmböen möglich.

Quelle: ntv.de, chf/hul/AFP/dpa

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