Panorama

Royals zu Besuch in Marzahn Ein bisschen Glanz in der Plattenbausiedlung

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Für Prinz William und Herzogin Kate ist es der dritte Termin in Berlin.

(Foto: picture alliance / Jens Kalaene/)

Ein Jugendhaus in Berlin-Marzahn kümmert sich seit Jahren um die Schwächsten in dem Viertel im äußersten Osten der Hauptstadt. Mit dem britischen Prinzenpaar kommt nun hoher Besuch - und ein kleiner Junge nutzt den einmaligen Augenblick.

Hinter dem Kinder- und Jugendhaus Bolle ragen im Berliner Randbezirk Marzahn sonnengelbe Plattenbauten in den Himmel. Auf vielen Balkonen sind die Schiebetüren oder Fenster weit geöffnet. Auf dem Spielplatz der Einrichtung vertreiben sich die Jungs und Mädchen noch auf dem Trampolin die Zeit. Es sind Kinder aus den sozial schwächsten Familien, von denen es hier viele gibt. Sie spielen am Tischkicker oder Fußball. Dass hier in knapp einer Stunde der Herzog und die Herzogin von Cambridge erwartet werden, lassen lediglich die deutschen und britischen Flaggen am Geländer erahnen.

Die City of Westminster und Marzahn könnten verschiedener nicht sein. Den einen Bezirk in der britischen Hauptstadt in London überschwemmen jährlich Massen von Touristen, um sich die Residenz der britischen Monarchie anzuschauen. Um den anderen machen sogar so manche Berliner einen großen Bogen. Hier kommt niemand zufällig vorbei.

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In dem Kinder- und Jugendhaus "Bolle" ist die Aufregung groß.

(Foto: picture alliance / Jens Kalaene/)

Für William und Kate ist es ihre dritte Station am heutigen Tag in Berlin. Sie waren bei Kanzlerin Angela Merkel zum Mittagessen eingeladen. Zusammen mit Berlins Regierendem Bürgemeister Michael Müller besuchten sie das Brandenburger Tor und später das Holocaust-Mahnmal. Nun also Marzahn.

William und Kate sind da

Seit sieben Jahren betreuen die Sozialarbeiter im Kinder- und Jugendhaus "Bolle" täglich bis zu 120 Kinder. Sie basteln zusammen, malen, machen Hausaufgaben. "Wir waren selbst überrascht von der Anfrage der britischen Botschaft", sagt Linnéa Häußer. Die 27-jährige Sozialpädagogin arbeitet seit zwei Jahren in der Einrichtung. "Es ist total cool, dass sich William und Kate die Zeit nehmen, um uns hier zu besuchen", sagt der 16-jährige Maurice. Heute sei schon besonders viel los. "Die Chance bekommt man eben nur einmal, das will sich niemand entgehen lassen", sagt er.

Mithilfe eines Megafons trommelt eine Betreuerin die Kinder für ein Fußballspiel zusammen. In einer Ecke schießen zwei Jungs auf eine Torwand. Andere basteln Blumenkränze. Erzieherinnen malen zwei Mädchen die Gesichter an. Zwischen all dem Trubel steht ein weißer Pavillon. Teresa Enke, Witwe des Nationalspielers Robert Enke, stellt hier die Robert-Enke-Stiftung vor. Diese hilft bei der Aufklärung über Herzkrankheiten von Kindern und Depressionen. Der deutsche Fußballtorwart nahm sich 2009 das Leben. Die gemeinsame Tochter Lara war 2006 an den Folge eines Herzfehlers gestorben.

Aus dem Haus schallen Schreie: William und Kate sind da. Der Herzog und die Herzogin begrüßen die Kinder mit einem High Five. Es folgt ein kurzes Gespräch mit Teresa Enke. Der "Bolle"-Leiter Eckhard Baumann schnappt sich das Megafon und bittet die Kinder, sich wie eine Fußballmannschaft aufzureihen und in Position für das Gruppenfoto zu gehen.

Zeit für das Gruppenfoto

Noch während ein Mädchen in einem adretten Kleid Kate einen Blumenstrauß überreicht, nutzt ein Junge in einem blau-gelb gestreiften T-Shirt die Gunst der Stunde. Er rennt auf die Herzogin zu und umarmt sie. Bevor Kate weiß, wie ihr geschieht, ist er auch schon wieder zurück auf seinem Platz. Baumann winkt William und Kate zu sich heran. Es ist Zeit für das Gruppenfoto. Nach 45 Minuten ist die ganze Aufregung vorbei.

Draußen haben die Anwohner in der Hohensaatener Straße davon nur wenig mitbekommen. Kate und William konnten sie bestenfalls für Sekunden sehen. Vor dem Einkaufszentrum "Kleeblatt-Passage" löst sich die Menschentraube langsam wieder auf. Polizisten bauen die Absperrungen ab. Auf den Balkonen werden die Fenster wieder geschlossen.

Quelle: ntv.de