Panorama

Trauer um Kardinal Lehmann "Ein großer Menschenfreund geht von uns"

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Lehmann bei einem Gottesdienst im Jahr 2002 in Fulda.

(Foto: picture alliance / Oliver Stratm)

Der Tod des früheren Mainzer Bischofs Lehmann geht vielen Menschen nahe. Zahlreiche Spitzenvertreter aus Politik und Kirche bekunden ihre Hochachtung für den langjährigen Vorsitzenden der Bischofskonferenz. Lehmann bleibt als "Brückenbauer" in Erinnerung.

Vertreter aus Politik und Kirche haben den verstorbenen Kardinal Karl Lehmann als "Brückenbauer" zwischen den Religionen und großen Theologen gewürdigt. Als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Bischof von Mainz habe er "über viele Jahre das Bild der katholischen Kirche in unserem Land maßgeblich mitgeprägt", erklärte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Lehmann starb am Morgen im Alter von 81 Jahren in seinem Haus in Mainz.

Steinmeier würdigte Lehmann als "Mann klarer Worte", der auch die politische Kontroverse nicht scheute, wenn es um zentrale Fragen des Zusammenlebens in Staat und Gesellschaft ging. "Er war einer der wichtigen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und Religionen", erklärte der Bundespräsident.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, Lehmann sei eines "der bekanntesten Gesichter der Katholischen Kirche in Deutschland - und ihr prägender Kopf" gewesen. "Er hat mich mit seiner intellektuellen und theologischen Kraft begeistert und war dabei immer auch ein Mensch voll bodenständiger Lebensfreude", betonte die Kanzlerin.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble würdigte Lehmann als "einen den Menschen stets zugewandten Seelsorger und großen Gelehrten". Er sei ein "ermutigendes Beispiel für ein weltoffenes, lebensbejahendes Christentum".

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer erinnert sich an Lehmann als "warmherzigen Menschen mit einem ansteckenden Humor". Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer erklärte, Lehmann habe in seinen 33 Jahren als Mainzer Bischof "Maßstäbe für einen weltoffenen Katholizismus gesetzt".

"Ein großer Theologe"

Mit "großer Betroffenheit und Trauer" reagierte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, auf die Nachricht von Lehmanns Tod. "Ein großer Theologe, Bischof und Menschenfreund geht von uns", erklärte Marx. "Mit seinem Tod verlieren wir einen warmherzigen und menschlichen Bischof, den eine große Sprachkraft auszeichnete."

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf erklärte, das Bistum trauere um einen "weit über die Kirche hinaus hoch anerkannten Theologen und Seelsorger, einen leidenschaftlichen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und einen Zeugen des Glaubens inmitten der Gesellschaft".

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, erklärte, Lehmann habe sich auf vielfältige Weise für die Annäherung der beiden Kirchen engagiert und damit ein "weltweit beachtetes Zeichen" gesetzt.

"Herausragende Persönlichkeit"

Der Zentralrat der Juden in Deutschland nannte Lehmann "eine herausragende Persönlichkeit". Mit hoher Sensibilität und Klugheit habe er sich stets für ein gutes Verhältnis von Christen und Juden eingesetzt.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker würdigte auch die Verdienste Lehmanns für Europa. "Zeit seines Lebens hat Kardinal Lehmann Brücken der Menschlichkeit und der Solidarität in und für Europa gebaut." So habe er unter anderem in der Flüchtlingsfrage dazu aufgerufen, "sich auf die europäische Kraft des Gemeinsamen zu besinnen und im Sinne der Menschlichkeit zu reagieren", erklärte Juncker.

Der 1936 im baden-württembergischen Sigmaringen geborene Lehmann war von 1983 bis 2016 Bischof von Mainz. Bundesweit bekannt wurde er vor allem in seiner Zeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz von 1987 bis 2008. Im Jahr 2001 erhob ihn der damalige Papst Johannes Paul II. zum Kardinal.

Vor knapp zwei Jahren war Lehmann in den Ruhestand verabschiedet worden. Im vergangenen September hatte er einen Schlaganfall und eine Hirnblutung erlitten.

Quelle: n-tv.de, shu/AFP

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