Panorama

Hohe Ansteckungszahlen Elf Berliner Bezirke fordern Soldaten an

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Das Testzentrum im Berliner Hauptbahnhof betreiben Bundeswehr und Deutsches Rotes Kreuz gemeinsam.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Zahl der Neuinfektionen in Berlin bleibt hoch. Deshalb bekommen die Gesundheitsämter nun Hilfe von der Bundeswehr. Die Soldaten sollen in elf Bezirken bei der Kontaktrecherche helfen. Nur Friedrichshain-Kreuzberg lehnt den Einsatz von Militär ab.

Berlin setzt auf mehr Soldaten im Kampf gegen Corona. Für die Nachverfolgung von Kontakten bei Infizierten und für weitere Testteams bekommen die Gesundheitsämter zusätzliche Unterstützung von Seiten der Bundeswehr. Bisher sind bereits 60 Soldaten dafür im Einsatz. Nun sollen laut einem Bericht der "Berliner Morgenpost" 180 weitere folgen. Die Soldaten sollen bei der Nachverfolgung bei Kontakten von Infizierten und in Abstrich-Teams eingesetzt werden.

"Ich freue mich, dass die zusätzlichen Bundeswehr-Soldaten die Bezirksämter tatkräftig bei der Eindämmung der Pandemie unterstützen werden", sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci der Zeitung. Die Soldaten werden in elf Bezirken eingesetzt, nicht aber in Friedrichshain-Kreuzberg, obwohl die Zahl der Neuinfektionen dort sehr hoch ist. Der Bezirk lehnt laut dem Bericht den Einsatz von Soldaten zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ab.

Auch ins nordrheinwestfälische Remscheid schickt die Bundeswehr zehn Soldaten, um dort bei Corona-Tests und der Kontakt-Nachverfolgung von Infizierten zu helfen. Wie die Stadt am Wochenende mitteilte, hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sich vorher telefonisch bei Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz gemeldet und entsprechende Hilfe angeboten. "Die Kräfte werden voraussichtlich im Laufe der kommenden Woche ihren Dienst in Remscheid antreten", so die Stadtverwaltung in einer Mitteilung. Die Zahl infizierter Menschen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen lag am Sonntag laut Robert-Koch-Institut bei einem Wert von 72,1 - und damit immer noch weit über der für behördliche Maßnahmen entscheidenden Marke von 50. Die Stadt hatte am Mittwoch unter anderem eine Maskenpflicht an Schulen auch im Unterricht sowie strengere Regeln für private Feiern eingeführt.

"Sehr ernste Lage in der Hauptstadt"

*Datenschutz

Das Berliner Corona-Warnsystem aus drei Ampeln zeigt weiter zweimal Grün an. Der Reproduktionswert für die vergangenen vier Tage lag am Sonntag bei 0,97 nach 0,89 - so viele Menschen steckt ein Corona-Infizierter durchschnittlich an. Auch bei der Auslastung der Intensivbetten rangierte Berlin mit 1,6 Prozent weiter im grünen Bereich. Die Zahl der Neuinfektionen ist aber noch kein Anlass zur Entwarnung: Pro hunderttausend Einwohner steckten sich in den vergangenen sieben Tagen 28,3 Menschen nachweislich an. Am Vortag waren es 27,2. Am Sonntag wurden 83 Neuinfektionen gemeldet. Damit stieg die Zahl auf 14.195 Corona-Fälle. 12.307 Betroffene gelten als genesen, die Zahl der Todesfälle liegt unverändert bei 228.

Wegen Verstößen gegen die Corona-Verordnung hat die Polizei Hunderte feiernder Menschen aus zwei Parks in Berlin-Mitte verwiesen. "Bis zu 300 Personen in Partystimmung und mit viel zu wenig Abstand" hielten sich nach Polizeiangaben am Freitagabend im Weinbergspark und im James-Simon-Park auf. Die Sicherheitskräfte mussten demnach "mit Nachdruck" die teils alkoholisierten und jugendlichen Feiernden ansprechen, um die Menschenansammlungen aufzulösen.

Dabei soll es zu vereinzelten Flaschenwürfen und einer Zündung von Pyrotechnik gekommen sein. Im Weinbergspark wurde ein Polizist leicht verletzt, so der Sprecher. Erst am Freitag hatten sich Kalayci und mehrere Bezirke für neue Gegenmaßnahmen für den Fall eines weiteren Anstiegs der Corona-Fallzahlen ausgesprochen. Die SPD-Politikerin sprach von einer "sehr ernsten Lage" in der Stadt. In den zentralen Bezirken werden derzeit besonders hohe Corona-Fallzahlen registriert. Es solle Beschränkungen für private Feiern geben, berichtete Kalayci. Draußen wären das 50, in Räumen 25 Teilnehmer als Obergrenze. Zudem solle es Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum geben. Verstärkte Kontrollen seien in Gaststätten, Bars und Restaurants nötig. Illegale Partys sollten unterbunden werden.

Quelle: ntv.de, mau/dpa