Panorama

Schlag gegen Romance-ScammingErmittler decken internationale Netzwerke von Liebesbetrügern auf

26.08.2026, 12:01 Uhr
00:00 / 03:57
image
Betrüger mit falschen Online-Profilen sind auf Dating-Plattformen unterwegs.

Sie gaukeln Liebe vor, dann fordern sie Geld: In Westafrika organisieren sich zahlreiche Liebesbetrüger. Ihre Opfer finden sie weltweit. Jetzt gelingt Ermittlern ein Erfolg gegen die kriminellen Netzwerke, deren Ableger bis nach Italien reichen.

Nach monatelangen Ermittlungen mit Beamten aus 22 Ländern weltweit gegen kriminelle Netzwerke in Westafrika sind nach Angaben von Interpol 58 Menschen festgenommen und 263 Verdächtige identifiziert worden. Die internationale Polizeibehörde wirft ihnen unter anderem Liebesbetrug - sogenanntes Romance-Scamming - vor.

Die gut organisierten Netzwerke stammen ursprünglich aus Westafrika, wo oft auch die Hauptverantwortlichen sitzen. Sie finden ihre Opfer aber weltweit und haben teils internationale Ableger. Daher spricht Interpol zwar von einer "Operation gegen westafrikanische organisierte Verbrechergruppen", die Festnahmen erfolgten allerdings andernorts.

So wurden in Südafrika 39 Verdächtige festgenommen und sieben Objekte in Johannesburg durchsucht. Ein Syndikat soll von dort aus Liebes- und Anlagebetrug an Rentnern in englischsprachigen Ländern organisiert haben. Im Rahmen der Ermittlungen beschlagnahmten die südafrikanischen Strafverfolgungsbehörden 2,67 Millionen US-Dollar und sperrten 257 Bankkonten, hieß es.

In Argentinien gab es den Angaben zufolge 17 Festnahmen. Außerdem seien 196 Verdächtige im Zusammenhang mit einem großen Netzwerk für organisierte Kriminalität identifiziert worden. Sie stehen im Verdacht, Website-Domains und Unterstützung bei der Geldwäsche für westafrikanische kriminelle Organisationen bereitgestellt zu haben. Festnahmen gab es auch in Rumänien und Italien.

Geld für angebliche Notlagen

Bei Liebesbetrug wird den Opfern Liebe vorgegaukelt und nach dem Aufbau einer scheinbaren Beziehung Geld gefordert beispielsweise für angebliche Notlagen, kranke Angehörige oder den Kauf eines Flugtickets für ein Treffen. In vielen Fällen sind die Opfer einsame ältere Menschen, die bereits sind, für die angebliche Beziehung finanzielle Opfer zu bringen.

Die westafrikanischen Gruppen organisierter Kriminalität seien für einen erheblichen Anteil des weltweiten Cyberbetrugs verantwortlich, hieß es in einer Interpol-Mitteilung. Neben Liebesbetrug gehört zu ihren Aktivitäten Betrug mit Kryptowährungen und angeblichen Investitionen mit Aussicht auf große Gewinne.

"Indem wir illegale Finanzströme über Grenzen hinweg verfolgen, greifen wir die Lebensader der organisierten Kriminalität an und erschweren es kriminellen Netzwerken zunehmend, von ihren Aktivitäten zu profitieren", sagte Tomonobu Kaya, Direktor des Interpol-Zentrums für die Bekämpfung von Finanzkriminalität und Korruption.

Auch Minderjährige im Visier

Im Rahmen der Ermittlungen gab es auch Erkenntnisse über neue Trends der Cyberkriminalitäts-Netzwerke in Westafrika. So sei ein Anstieg sogenannter Sextortion gegen Minderjährige zu beobachten, hieß es. Die Opfer seien teilweise erst 14 Jahre alt.

In diesen Fällen kontaktierten die Täter Minderjährige meist über soziale Medien, bauten Vertrauen auf und zwingen sie zur Weitergabe expliziter Bilder oder Videos. Anschließend drohten sie damit, dieses Material an die Kontakte des Opfers zu verbreiten, falls kein Lösegeld gezahlt wird.

Quelle: ntv.de, nbr/dpa

KriminalitätInterpolItalienRumänienArgentinienCybergefahren