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"Ich habe keinen Bock mehr" Essener Tafel-Chef denkt ans Aufhören

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"Nazis" wurde auch auf Fahrzeuge der Essener Tafel gesprüht.

(Foto: imago/epd)

Nur noch Deutsche nimmt die Essener Tafel im Moment neu auf - dafür erntet der Verein einen Shitstorm. "Fuck Nazis" sprüht jemand auf die Eingangstür der Einrichtung. Tafel-Chef Jörg Sartor ist nun kurz davor, aufzugeben und ärgert sich über Politiker.

Nach der massiven Kritik am vorübergehenden Aufnahmestopp der Essener Tafel für Ausländer erwägt der Vereinsvorsitzende seinen Rückzug. "Es hat mir hier immer Spaß gemacht. Aber ich habe keinen Bock mehr, man verliert einfach die Lust. Ich bin kurz davor, hinzuschmeißen", sagte Jörg Sartor der "Bild"-Zeitung. "Jetzt haut ein Haufen von Politikern auf uns ein, ohne sich zu informieren. Die sollen sich mal herbewegen und vor Ort mitarbeiten - danach können sie sich gerne äußern."

Der Verein in Essen, der Lebensmittelspenden kostenlos an registrierte Empfänger von Sozialleistungen verteilt, vergibt seine Berechtigungskarten seit dem 10. Januar vorübergehend nur noch an Bürger mit deutschem Ausweis. "Da aufgrund der Flüchtlingszunahme in den letzten Jahren der Anteil ausländischer Mitbürger bei unseren Kunden auf 75 Prozent angestiegen ist, sehen wir uns gezwungen um eine vernünftige Integration zu gewährleisten, zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen", erläuterte der Verein Essener Tafel auf seiner Internet-Seite.

Kritik kommt auch von der Kanzlerin

Inzwischen hat sich auch die Kanzlerin zur Entscheidung der Essener Tafel geäußert, kein Essen mehr an zusätzlich Flüchtlinge auszugeben. "Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen. Das ist nicht gut", sagte die CDU-Chefin zu RTL. "Aber es zeigt auch den Druck, den es gibt", fügte Merkel hinzu. "Deshalb hoffe ich, dass man da auch gute Lösungen findet."

Schon vorher hatte es bundesweit Kritik aus der Politik und von Sozialverbänden gehagelt. "Für Tafeln zählt die Bedürftigkeit, nicht die Herkunft", hatte etwa der Vorsitzende des Dachverbands der Tafeln, Jochen Brühl, gesagt. Ähnlich hatte sich auch der nordrhein-westfälische Integrationsminister Joachim Stamp von der FDP geäußert. Es widerspreche den Grundsätzen der Tafeln in Deutschland, die Essensvergabe an die Staatsangehörigkeit zu koppeln, hatte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Kai Gehring mitgeteilt. Lob hatte es vor allem aus den Reihen der AfD gegeben, aber auch von mehreren Nutzern der Essener Tafel.

Unbekannte hatten am Wochenende Türen und Fahrzeuge der Einrichtung mit Parolen wie "Nazis" und "Fuck Nazis" beschmiert. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang mit der Debatte um den Aufnahmestopp. Die Ermittlungen des Staatsschutzes dauern an.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa

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