Panorama

Sprengungen im Sperrkreis Eurofighter-Pilot verlässt das Krankenhaus

0d0bbc30bbfdd6c37ab14b685964171f.jpg

"Militärischer Sicherheitsbereich": Rund um die Absturzstellen sperren Soldaten der Bundeswehr das Einsatzgebiet der Unfallermittler ab.

(Foto: imago images / Bildwerk)

Am Tag zwei nach der Kampfjet-Kollision herrscht an den Absturzstellen der beiden Eurofighter weiter der Ausnahmezustand: Im Inneren eines "militärischen Sicherheitsbereichs" suchen Experten nach Trümmerteilen. Explosive Bauteile werden vor Ort unschädlich gemacht.

Der bei dem Flugzeugunglück in Mecklenburg-Vorpommern verletzte Eurofighter-Pilot ist auf dem Weg der Besserung. Er konnte aus dem Krankenhaus entlassen werden, teilte die Luftwaffe zwei Tage nach dem Zusammenstoß zweier Bundeswehr-Kampfjets mit.

Der Oberstleutnant war am Montag bei einer Luftkampfübung nach dem Zusammenstoß mit einer zweiten Maschine abgestürzt. Er konnte sich per Schleudersitz retten, landete mit seinem Fallschirm allerdings in einem Baum. Einsatzkräfte der örtlichen Feuerwehr konnten ihn per Drehleiter aus seiner misslichen Lage in rund 20 Metern Höhe befreien. Der Pilot des zweiten Eurofighters überlebte den Notausstieg nach dem Zusammenstoß nicht.

Der getötete Eurofighter-Pilot stammte aus Mecklenburg-Vorpommern, wie ein Sprecher des Luftwaffengeschwaders 73 "Steinhoff" in Laage im Landkreis Rostock mitteilte. Seine Eltern seien mittlerweile informiert worden, nähere Angaben würden aber derzeit nicht gemacht, hieß es. Die Entscheidung, ob es eine offizielle Trauerfeier geben wird, will die Bundeswehr den Angehörigen überlassen.

8fc2bf81b48582afb8de475dcfedede4.jpg

Gesundheitsschädliche Stoffe an Bord: Unter Vollschutz bergen Einsatzkräfte einzelne Wrackteile.

(Foto: dpa)

Angaben der Luftwaffe zufolge war der Pilot 27 Jahre alt und ausgebildeter Kampfpilot mit 400 Stunden Flugerfahrung. Er absolvierte zum Zeitpunkt des Unglücks eine verbandsinterne Weiterbildung. Der überlebende Pilot der zweiten Maschine ist dagegen Fluglehrer mit 3700 Stunden Flugerfahrung.

Systematische Suche im Sperrkreis

Luftwaffe und andere Bundeswehreinheiten sind auch am zweiten Tag nach dem Flugunglück vor Ort im Einsatz. Die Absturzstellen der beiden Maschinen blieben vorerst weiträumig abgeriegelt: Die Bundeswehr richtete ein riesiges Sperrgebiet ein, das von bewaffneten Soldaten bewacht wird. Insgesamt sind derzeit etwa 500 Soldaten - statt bisher etwa 300 - im Einsatz.

Im Inneren des Sperrkreises setzten Experten des Militärs ihre Such- und Bergungsarbeiten fort. Unter anderem soll das Gebiet rund um die zwei Absturzstellen bei Nossentin und Nossentiner Hütte systematisch abgesucht werden, um Maschinenteile zu finden. Unfallermittler erhoffen sich davon Aufschluss zum Unglückshergang.

Sprengungen an der Absturzstelle

*Datenschutz

Abgesehen davon beseitigt die Bundeswehr an der Unfallstelle offenbar auch mögliche Gefahrenquellen für die Öffentlichkeit. Im Zusammenhang mit Bergungsarbeiten bei einem der verunglückten Eurofighter-Kampfflugzeuge schreckten zeitweise auch Sprenggeräusche Anwohner im Sperrgebiet auf. "Das waren am Dienstagabend gezielte Sprengungen an dem Wrack bei Nossentin, damit es gefahrlos geborgen werden kann", erklärte die Bürgermeisterin von Nossentiner Hütte, Birgit Kurth, auf Anfrage. Sie habe mehrere Anrufe besorgter Bürger bekommen.

Ein Sprecher der Luftwaffe bestätigte die Angaben und erläuterte, dass das "Team Flugsicherheit" kleinere Mengen explosiver Stoffe in einem der beiden Flugzeugwracks vernichtet habe. Dabei soll es sich um Teile der Rettungssysteme aus dem Jet des tödlich verunglückten Piloten handeln. Mit den Sprengungen sollten die Experten Notsysteme an der Maschine entschärfen. Nähere Details dazu lagen zunächst nicht vor.

Drei Eurofighter am Himmel

Wie genau es zu dem katastrophalen Zusammenstoß in der Luft kommen konnte, ist nach wie vor unklar. Nach Angaben der Luftwaffe waren bei dem Übungseinsatz zu Wochenbeginn insgesamt drei Maschinen aus Laage bei Rostock im Luftraum über der Mecklenburger Seenplatte unterwegs. "Die Eurofighter waren für diese Mission unbewaffnet", hieß es.

Die Maschinen flogen dort demnach ein besonders anspruchsvolles Manöver, das zur Standardausbildung der Luftwaffe gehöre und nicht simuliert werden könne. Dabei waren zwei Maschinen zusammengestoßen und etwa vier Kilometer Luftlinie voneinander entfernt abgestürzt.

Beiden Piloten gelang es noch, ihre Schleudersitze zu aktivieren, um sich aus ihren Maschinen zu katapultieren. Dabei wurde der jüngere der beiden Piloten, der 27-jährige Oberleutnant, tödlich verletzt. Die Flugdatenschreiber der Eurofighter wurden bereits am Tag nach dem Absturz gefunden. Ein Bundeswehrsprecher erklärte dazu, er rechne in der kommenden Woche mit ersten Ergebnissen zur Unfallursache. Die dritte Maschine konnte unbeschädigt zur Luftwaffenbasis nach Laage zurückkehren und dort sicher landen.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa