Panorama

Verschärftes Sexualstrafrecht Ex-Chefarzt wehrt sich gegen Oralsex-Vorwurf

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Betreten juristisches Neuland: Der Vorsitzende Richter Markus Reznik (2.v.l.) mit Kollegen und den beiden Schöffen im Landgericht in Bamberg.

(Foto: dpa)

Dieser Fall sorgt bundesweit für Aufsehen: In Bamberg muss sich ein Mediziner wegen eines Sexualdelikts vor Gericht verantworten. Der Angeklagte spricht von einem Komplott. Es ist einer der ersten großen Fälle, bei dem das Prinzip "Nein heißt Nein" zur Anwendung kommt.

Ein Vergewaltigungsprozess gegen einen ehemaligen Chefarzt vor dem Landgericht Bamberg zieht bereits zum Auftakt reichlich Aufmerksamkeit auf sich: Die Staatsanwaltschaft wirft dem 46-jährigen Angeklagten vor, eine ihm unterstellte Mitarbeiterin am Arbeitsplatz zu einer sexuellen Handlung gezwungen zu haben. Das - aus juristischer Sicht - Besondere daran: Der Vorfall wird nicht als Nötigung, sondern als Vergewaltigung gewertet.

Der Mediziner ist nach dem im Vorjahr verschärften Sexualstrafrecht ("Nein heißt Nein!") angeklagt. Demnach macht sich nicht nur strafbar, wer Sex mit Gewalt oder Gewaltandrohung erzwingt. Es reicht vielmehr aus, wenn sich der Täter über den "erkennbaren Willen" des Opfers hinwegsetzt.

Weil Staatsanwaltschaft und Gericht hier hier juristisches Neuland betreten, beobachten Experten den Prozess und das anstehende Urteil sehr genau. Der Fall könnte Strahlkraft für ähnlich gelagerte Vorkommnisse entwickeln, heißt es. Derzeit gebe es tatsächlich noch kaum Kommentare oder Urteile in diesem Bereich, bestätigte der Verteidiger des Arztes zum Prozessauftakt.

Zum Oralsex gezwungen?

Doch was genau war im Dezember vor einem Jahr in einer Ambulanz in Neustadt an der Aisch, die das Klinikum Bamberg betreut, geschehen? Die Staatsanwaltschaft sieht es so: Der Angeklagte habe der Mitarbeiterin gesagt, er wolle sie wegen einer Abrechnung unter vier Augen sprechen und sie solle ihn in die Küche begleiten. Sie habe als ihm unterstellte Kraft gar keine andere Wahl gehabt. In der Küche habe er sie zu Oralsex gezwungen, obwohl sie deutlich gemacht hatte, dass sie das nicht gewollt habe. Sie hätte aber sonst Angst vor beruflichen Nachteilen haben müssen.

Zwischen dem mutmaßlichen Opfer und dem Angeklagten habe es schon früher sexuelle Kontakte gegeben, heißt es. Allerdings sei dies bis zu jenem Tag einvernehmlich geschehen. Auch mit anderen Mitarbeiterinnen soll es zu intimen Kontakten gekommen sein.

Komplott von Mitarbeiterinnen?

Zum Prozessauftakt verlas der Anwalt eine Erklärung des Angeklagten. Darin betonte er, dass es an jenem Tag in Neustadt an der Aisch zu einer einvernehmlichen sexuellen Handlung gekommen sei. Die jetzige Anklage sei ein Komplott von Mitarbeiterinnen, mit denen er sexuellen Kontakt gehabt habe.

In Bamberg ist es binnen kurzer Zeit bereits der zweite frühere Chefarzt, der vor Gericht steht. Vor rund einem Jahr war ein ehemals leitender Mediziner wegen schwerer Vergewaltigung und weiterer Vergehen verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Arzt zwölf Frauen - darunter Patientinnen - betäubt und damit willenlos gemacht hatte. Er selbst hatte stets seine Unschuld beteuert. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung gingen in Revision, eine Entscheidung dazu steht noch aus.

Das Klinikum Bamberg lehnte eine Stellungnahme zum aktuellen Fall ab. Der ehemalige Chefarzt wurde wegen arbeitsrechtlichen Fehlverhaltens freigestellt. Er reichte seine Kündigung ein. Mitte Januar erging gegen den nun Angeklagten Haftbefehl, im Februar kam er aber aus der Untersuchungshaft.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa