Kurz vor brisanter ZeugenaussageEx-Diplomat erhängt in Zelle aufgefunden

Der Ex-Botschafter Kasachstans und Ex-Schwiegersohn des Autokraten Nasarbajew ist in Wien wegen Mordes angeklagt. Kurz vor seiner Aussage vor Gericht finden ihn Wärter erhängt in seiner Gefängnisdusche. Seine Verteidiger bezweifeln, dass es Selbstmord war.
Der wegen Mordes angeklagte ehemalige Botschafter Kasachstans in Österreich, Rakhat Aliyev, ist tot. Wenige Stunden vor einem geplanten Auftritt als Zeuge in einem Prozess im Straflandesgericht habe der 52-Jährige im Gefängnis in Wien Selbstmord begangen. Das teilte die österreichische Justiz mit. Aliyevs Verteidiger äußerten allerdings Zweifel an einem Suizid.
Aliyev habe sich in der vergangenen Nacht in der Dusche erhängt, sagte der Leiter der Vollzugsdirektion. Die Verteidiger erklärten dagegen, ihr Mandant habe sich von Schutzgelderpressern bedroht gefühlt. In diesem Zusammenhang wollte er vor Gericht aussagen. Die Staatsanwaltschaft ordnete die Obduktion des Leichnams an.
Aliyev, Vizeaußenminister Kasachstans von 2005 bis 2007 und ehemaliger Schwiegersohn des Staatschefs, war bei Präsident Nursultan Nasarbajew wegen eines angeblichen Putschversuches in Ungnade gefallen. Aliyev war mit der Tochter des Präsidenten verheiratet. Aus der Verbindung gingen drei Kinder hervor. Dem zeitweiligen kasachischen Botschafter in Wien wurde obendrein vorgeworfen, in die Ermordung zweier Banker Anfang 2007 in Kasachstan verwickelt gewesen zu sein.
In Kasachstan wurde Aliyev 2008 wegen Mordes und Erpressung zu 40 Jahren Haft verurteilt. In Österreich ermittelt die Justiz seit 2011 in dem Fall. Eine Auslieferung nach Kasachstan wurde wegen der dortigen Menschenrechtslage abgelehnt.