Panorama

Anstiftung zu Schuss auf Anwalt Falk zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt

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Saß 22 Monate in U-Haft: Verlagserbe Falk.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wegen der Anstiftung zu einem Schuss auf einen Wirtschaftsanwalt muss der Unternehmer Alexander Falk vier Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Das geht aus dem Urteil des Landgerichts Frankfurt gegen den Erben des Kartenverlags hervor.

Im Prozess um einen Anschlag auf einen Frankfurter Anwalt ist der Hamburger Unternehmer Alexander Falk der Anstiftung schuldig gesprochen worden. Der 50-Jährige wurde vor dem Landgericht Frankfurt zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. In dem Prozess ging es um einen Schuss auf einen Wirtschaftsjuristen im Februar 2010, bei dem dieser schwer am Oberschenkel verletzt worden war.

Falk habe sich von dem Anwalt und seinen Kollegen "gehasst und verfolgt" gefühlt, sagte der Vorsitzende Richter am Frankfurter Landgericht, Jörn Immerschmitt, in der Urteilsbegründung. Deshalb habe er den Auftrag erteilt, dem Anwalt im Februar 2010 in Frankfurt ins Bein zu schießen. Motiv des früher sehr erfolgreichen Internetunternehmers seien aufgestaute Wut, Rache und verletzte Ehre gewesen.

Falk hatte stets seine Unschuld beteuert. Er sitzt seit 22 Monaten in Untersuchungshaft, kam nach der Urteilsverkündung auf freien Fuß. Denn es bestehe weder Verdunklungs- noch Fluchtgefahr, befanden die Richter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung kündigte an, beim Bundesgerichtshof (BGH) dagegen vorgehen zu wollen.

Zentrale Beweise fielen in sich zusammen

Über einen gesondert verfolgten Mittelsmann hatte Falk ein Bruderpaar aus der Türkei beauftragt, ein Attentat auf das Opfer zu verüben. Das Gericht konnte die Männer eigenen Angaben zufolge nicht zur Vernehmung nach Deutschland holen, weil ihr genauer Aufenthaltsort nicht bekannt sei. Mutmaßliches Motiv für den Auftrag war eine Anklage in einem Verfahren vor dem Hamburger Landgericht um manipulierte Umsätze beim Verkauf von Falks Firma Ision an ein britisches Telekommunikationsunternehmen im Jahr 2000. Der angeschossene Anwalt bereitete eine Millionenklage gegen Falk vor.

Immerschmitt verwies in seiner Urteilsbegründung unter anderem auf eine Tonaufnahme, die ein Zeuge den Ermittlern übergab und auf der zu hören ist, wie sich Falk über die Tat zufrieden und schadenfroh äußert. Dies habe zum Durchbruch bei den Ermittlungen geführt. Die Aufnahme habe sich zwar als mehrmals geschnitten erwiesen. Dennoch zeigten die unveränderten Stellen, dass Falk den Anwalt als "Bazille" bezeichnet habe, der manipuliere, lüge und betrüge. Vor allem aber eine SMS, die Falk fünf Tage vor der Tat erhielt und in der ihm mitgeteilt wurde, dass "die Oma" demnächst ihren "verdienten Kuraufenthalt" bekommen werde, wertete das Gericht als Beweis.

Staatsanwältin Nicole Metcalf hatte in ihrem Plädoyer am Vortag sechs Jahre Haft gefordert. Angeklagt war Falk wegen versuchter Anstiftung zum Mord. Allerdings fielen im Laufe der Verhandlung mehrere zentrale Beweise der Staatsanwaltschaft in sich zusammen. Der Prozess nahm viele Wendungen und zog sich lange hin, unter anderem weil sich der Hauptbelastungszeuge Etem E. bei seinen Vernehmungen vor Gericht selbst widersprach.

Falk hatte den von seinem Vater geerbten Stadtplanverlag verkauft. Er avancierte zu einem Star der "New Economy" und gelangte auf die Liste der 100 reichsten Deutschen. 2008 wurde er dann wegen versuchten Betrugs und Beihilfe zur Bilanzfälschung in Hamburg zu vier Jahren Haft verurteilt. Im Zivilverfahren, in dem der durch den Schuss verletzte Anwalt die Gegenseite vertrat, ging es um millionenschweren Schadenersatz.

Quelle: ntv.de, shu/ara/dpa/AFP